Buchertberg Weiss // 2012

| 24. November 2013 | 0 Kommentare ...alles

Exotisch, aromatisch, mineralisch.

Wer braucht Gemischten Satz aus Wien wenn er diesen saftigen und variantenreichen Steirermix haben kann?

Winzer/Weingut: Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf, Steiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Vom Weingarten Buchertberg mit tertiären Sedimenten, braunem Opok und kalkhaltigem Sandstein.

Weiss Flasche/Etikett: Abgefüllt in der Burgunderflasche, klebt auf dieser ein grafisch durchaus anspruchsvolles und auffälliges Etikett. Auf weissem Untergrund steht prominent in geschwungener Typo die Lage Buchertberg und unterhalb in fetten Kapitalen HERRENHOF LAMPRECHT drauf. Ganz unauffällig steht noch WEISS // 2012 darunter und die beiden Slashes deuten wohl auf die Computeraffinität des Gottfried Lamprecht hin, der generell recht flott im Internet und all seinen Social Media Kanälen unterwegs ist. Das obere linke Drittel des Etiketts ist mit einer farbenfrohen abstrakten Grafik bedruckt, welche wohl einerseits die Vegetation des Weingartens, sowie andererseits die Vielfalt der in diesem Wein verarbeiteten Rebsorten ausdrücken soll. Platz für Interpretationen ist genügend da. Auf der zweiten Hälfte des in einem Stück durchgehenden Etiketts ein Gewitter an Informationen, welches in erster Linie der medialen Umtriebigkeit Gottfried Lamprechts geschuldet ist. Zwischen Barcode, Social Media Logos und QR-Code blitzt ein Biosiegel sowie die Information 13,5 vol.% hervor. Nachdem der Buchertberg von seinem Schraubverschluss befreit ist, darf er bevor er ins polierte Glas kommt, für eine Stunde in der Karaffe durchatmen und ein paar Ehrenrunden drehen.

Im Glas: Es ist nicht gold, nicht gelb und nicht orange was hier im Glas steht. Ich nenn´ es zwiebelgelb, so wie die äussere Schale einer Zwiebel aussieht.

In der Nase: Im Duft sehr komplex und variantenreich. Ein ganzer Korb von saftigen, reifen Aromen dümpelt im Glas herum und strömt satt und voll die Nase hoch. Reife Äpfel und Birnen riecht man, weich, schon fast matschig. Eine feine Kräuternote tanzt um sie herum. Gelbe Blüten quetschen sich dazwischen, etwas Kamille taucht auf und man ist geneigt seine Nase tiefer ins Glas zu stecken als das möglich ist. Es ist ein satter, saftiger, runder und wohltuender Duft der hochsteigt. Eine äusserst anspruchsvolle Kombination von Frucht und Mineralität die sich gekonnt die Waage hält.

Im Mund: Im Mund überrascht der Buchertberg einserseits mit einer recht attraktiven Säure sowie mit einer gleichzeitigen Weichheit auf der Zunge. Geschmacklich kann man durchaus exotisch dazu sagen, was sicher an seiner gelben Fruchtaromatik liegt. Birne macht sich breit, weicher Apfel kommt hinzu und am Gaumen zieht eine deutliche Spur von Kamillentee vorbei. Man spürt den Buchertberg druckvoll auf der Zunge und stellt fest, dass er sich dort zwar lange hält, sich aber dann sofort in einer feinen Wolke im Mund auflöst. So saftig er in den Mundraum strömt, so trocken verabschiedet er sich und hinterlässt einen ausgeprägten mineralischen, von Sand und Kalk dominierten Nachhall. Es fühlt sich voll an, auf der Zunge steht er kräftig und am Gaumen ist er richtiggehend würzig. Es ist facettenreich was man schmeckt und fühlt und man benötigt schon ein grosses Maul voll, um ihn in seiner ganzen Vielfalt zu erfassen.

Je öfter man von diesem Tropfen kostet umso mehr bemerkt man, dass man den Mund immer voller nehmen, den Wein ganz einfach trinken will. Es macht einfach Spass diesen runden, perfekt ‘gewuchteten’ Wein auf der Zunge zu spüren, ihn im Mund zu fühlen wie er sich ausbreitet in seinem Saft, mit seinem, fast ist man geneigt ‘molligen Körper’ zu sagen, welchen er aber nicht hat. Es fühlt sich nur so dermaßen weich und rund an, dass man permanent damit spielen will. Man ist fasziniert von seiner gelben Aromatik, von seiner eleganten Würze wie auch seiner mehr als dezenten Kräutrigkeit, seiner verhaltenen und doch präsenten Mineralik und der in sich ruhenden Persönlichkeit. Es ist, als würden sich die Obstgärten (die standen nämlich auf dem Buchertberg bevor er zum Weingarten ‘umfunktioniert’ wurde), noch einmal lautstark melden und auf sich aufmerksam machen wollen. Immer dichter, kompakter und saftiger wird der Buchertberg Weiss // 2012 im Mund. Luft lässt ihn wachsen, aufgehen, entfalten. Die Zunge kann nicht genug von dieser feinen Opulenz bekommen, will den matschigen Birnensaft bis zum letzten Tropfen spüren. Man mag es wie der Wein den Mund füllt, nicht schnurgerade über die Zungenmitte zischt, sondern sich elegant, aber doch bestimmt im gesamten Mundraum ausbreitet.

Resümee: Das ‘Maul voll Wein’ wird zum Programm und man vergisst fast, wie sich der feine Rauch am Gaumen, der Sand und Kalk mit sich führt, anfühlt. Wie, nachdem sich die gelbe Aromatik gross aufspielen durfte, die mineralische Seite dieser ‘Mischung’ plötzlich in den Vordergrund drängt. “Wer braucht Gemischten Satz aus Wien“ ist man geneigt zu fragen und schenkt sich das nächste Glas vom Steirermix ein. Weil er einfach gut ist, Spass macht und man einfach drauf verzichtet zu viel nachzudenken und ihn ohne Skrupel wegmacht. Einerseits viel zu schade so einen Überflieger einfach zu vernichten, andererseits… wozu gibt es solche Weine?

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe macht ihn ausgehfein. Um die 10-12º sind ideal, nicht zu kalt servieren. Futtertechnisch zu regionaler Hausmannskost genauso wie zu kaltem Gebratenen und Brettljausen bestens geeignet. Als Alleinunterhalter einer der es blendend versteht, einen allein zu unterhalten.

Einen Bericht über den Buchertberg Weiss lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Buchertberg Weiss 2012 vom Herrenhof Lamprecht aus Markt Hartmannsdorf in der Steiermark, Österreich.

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Kategorie: Herrenhof Lamprecht, Verkostet

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