Pinot Blanc 2015 Maischevergoren

| 24. August 2016 | 0 Kommentare ...alles

Ausgeburt an Mineralik

Weissburgunder für richtige Geniesser. Besser geht fast nicht mehr. Ehrlich gemeinte Kaufempfehlung für Freunde knackig-rassiger Burgunder.

Winzer/Weingut: Günther Steinmetz, Brauneberg/Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Die Rebstöcke stehen auf Steillagen die mit blauem Schiefer durchzogen sind.

Pinot Blanc Maischevergoren 2015 Allgemeines: Immer öfter machen sich in den letzten Jahren Winzer daran, zumindest einen Wein aus ihrem Sortiment auf der Maische gären zu lassen und diesen dann als Orange Wine unters Volk zu bringen. Nicht immer gelingt das, aber immer mehr zaubern damit tatsächlich etwas in die Flasche was am Ende wirklich gross ist. So steht auch heute so ein “maischevergorener” Wein am Tisch der Wahrheit, und zwar von Stefan Steinmetz aus Brauneberg an der Mosel. Ich habe mich bereits quer Beet durch Stefans Sortiment gekostet und jetzt habe ich das grosse Vergnügen, seinen ersten “Orange Wine” kennenzulernen. Der Pinot Blanc 2015 maischevergoren lag 10 Tage auf der Maische und reifte im Anschluss auf der Hefe im grossen Holzfass weiter. Die Rebstöcke für diesen Wein stehen auf Steillagen die mit blauem Schiefer durchzogen sind, was schon im Vorfeld ein ausgesprochen mineralisches Vergnügen vermuten lässt. Bevor der Pinot Blanc jedoch ins Glas darf, wird er für eine Stunde in der grossen Karaffe sich selbst überlassen.

Im Glas: Pinot Blanc heisst er und äussert “blanc” steht er auch im grossen Becher. Wie ein kleiner Albino.

In der Nase: In der Nase geigt er mit einer hohen Frische sowie mit zarten Apfelaromen auf. Es knackt schon richtig bevor man überhaupt noch gekostet hat. Einerseits läuft im Hintergrund ein Film von weissem Honig, doch im Vordergrund steht jetzt schon hochmineralische Lebendigkeit. Man spürt wie sich der Speichel sammelt und man dem ersten Schluck entgegenfiebert.

Im Mund: Und dann macht´s bumm. Oh Mann. Glaubt man zuerst, dass es wunderbar weich ist (was es auch ist), was da auf die Zunge kommt, so findet im nächsten Augenblick die totale Explosion von Salz und Stein statt. Straffe Säure steht in der Mitte der Zunge und lässt keine Zweifel aufkommen wer hier das Kommando hat. Erstaunt ist man jedoch über die Tatsache, dass trotz dieser hochpulsigen Säureader der Pinot Blanc extrem weich, ja richtig cremig im Mundgefühl ist. Zuckerbrot und Peitsche, quasi. Traumhaft. Erst dann bemerkt man feine Birne und wieder den Honig im Hintergrund. Auch der Apfel darf sich kurz zeigen, aber sonst knackt und kracht es innerhalb des Kaugebälks. Das ist Mineralität auf die Spitze getrieben. Nur Maldon-Meersalzflocken kommen da noch mit. Was für ein Kracher. Was für ein Spass. Was für ein Wein.

Was da nach zwei Stunden im Mund abgeht ist eine wahre Offenbarung. Er kracht vor Salz und Stein, dabei ist es butterweich. Mandelaromen haben sich an die Oberfläche durchgegraben und am Gaumen baut der Pinot Blanc langsam aber stetig einen ganz feinen Grip auf. Würde da nicht die hochpotente Säureader stehen, so könnte man den Tropfen glatt als schmuseweichen Faserschmeichler bezeichnen. Sogar im Abgang zieht sich die Säurespur als Hauptdarsteller neben Apfel- und Birnenaromen bis in den Nachhall durch. Unverkennbar ist der Schiefer, ich glaube es gibt keine Weine (ausser solche von reichen Kalkböden), bei denen das Gestein derartig durchkommt wie eben Schiefer. Der ist einfach unverkennbar. Ach ja, trinken tut sich der rassige Tropfen ebenfalls rasant. Der zischt und sorgt für lebhaften Spass im Futterzentrum.

Resümee: Immer mehr reduziert sich der Pinot Blanc auf seine extreme Mineralik. Immer steiniger, salziger und knackiger wird er. Jetzt, nach vier Stunden, ist diese Kombination von überbordender Mineralität und feinem Grip einfach die absolute Erfüllung. Fruchtaromen sowie weisser Honig drehen ganz weit hinten ihre Runden, man spürt sie nur mehr zart am Gaumen. Und immer noch staunt man wie weich so eine Ausgeburt von Stein und Salz im Mund sein kann. Stefan, mit dem Pinot Blanc maischevergoren hast Du den Bock geschossen. Der ist einfach wunderbar, von dem will ich noch ganz viel trinken. Weissburgunder für richtige Geniesser. Besser geht fast nicht mehr. Ehrlich gemeinte Kaufempfehlung für Freunde knackig-rassiger Burgunder.

Tipp: 1 Stunde in der Karaffe ist fein, geht dann immer mehr auf. Am besten mit 10-12º aus dem grossen Kelch geniessen. Macht sich zu weissem Fleisch mit hellen Saucen sehr gut, auch zu frischem knackigen Gemüse. Als Solist ist er ein richtig spassiger Begleiter.

Einen Bericht über den Pinot Blanc maischevergoren lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Pinot Blanc 2015 Maischevergoren vom Weingut Günther Steinmetz aus Brauneberg an der Mosel, Deutschland. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Günther Steinmetz, Verkostet

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