Sveti Jakov 2012 Malvasia Istriana

| 19. August 2016 | 0 Kommentare ...alles

Viel mehr Saft ist fast unmöglich

Wein für Abenteurer, für Freunde von Entdeckungsreisen und ganz sicher einer für vinophile Leckermäuler.

Winzer/Weingut: Vesna & Giorgio Clai, Krasica/Buje, Istrien, Kroatien.

Lage/Herkunft: Von Rebstöcken die auf roter Erde und weissem Kalk stehen.

Jakov Allgemeines: Der letzte Wein dieser Verkostungsrunde unter dem Motto Naturwein – Die Lust am Experiment, ist wohl auch der aussergewöhnlichste. Das deshalb, weil er nicht aus einem “klassischen” Anbaugebiet wie Frankreich, Deutschland oder Italien, sondern aus Istrien in Kroatien kommt. Giorgio Clai und seine Frau Vesna machen dort ihre Weine und verweigern im Weinberg sowohl synthetische Spritz- wie auch Düngemittel. Bei ihnen regiert die Natur und man lässt diese machen. Die Rebstöcke stehen auf roter Erde und weissem Kalk und der Wein der heute hier am Tisch der Wahrheit steht, ist der ‘Sveti Jakov’ Malvasia Istriana 2012. Sveti Jakov heisst übrigens soviel wie Sankt Jakob. Mehrere Wochen auf der Maische vergoren und im Holzfass ausgebaut wurde dieser Malvasier. Insider schwärmen längst in höchsten Tönen von diesem Wein, ich werde mich jetzt selbst aufmachen ihn zu “untersuchen”. Für eine Stunde wandert der Wein aber vorher noch in die Karaffe. Getrunken wird er dann aus dem Burgunderkelch.

Im Glas: Dunkelgoldgelb, schon ins Orange abdriftend, ist die Farbe des Sveti Jakov.

In der Nase: Eine dicke, fette, saftige Marille führt das Aromenregiment in der Nase an. Intensiv und kraftvoll ohne zu überdrehen. Trockenes Heu im Hintergrund, ganz aussergewöhnlich, weil mit Orangenschalen und ein paar Mandelspittern vermengt. Man riecht Struktur, man spürt bereits, dass da im Mund was nicht Alltägliches auf einen zukommt. Wenn man Wein schon derart in der Nase “spürt”, dann wird das sicher ein Erlebnis.

Im Mund: Oh ja! Das ist was ganz was Feines. Schmeckt orange, fühlt sich orange an und ist ein Mittelding zwischen Orange und Marille. Dazwischen grüner Apfel auf der Zunge, lebhaft, mit einem Tick von Süsse die mehr als sexy ist. Extrakt, Saft und Säure, wunderbar. Fühlt sich überraschend leicht im Mund an, und das obwohl da schon genügend Kraft dahinter ist. Am Gaumen haftet sich eine feine Herbheit an, wirkt lange nach und bleibt fast ewig drauf erhalten. Der Abgang traumhaft saftig wie auch richtig fest orange. Eine zarte Hefenote hechelt hinterher und im Ausklang schmeckt man auch noch eine kleine Mandel. Das Sveti Jakov ist ist gut. Wirklich gut!

Nach zwei Stunden an der Luft hat der Sveti Jakov derart zugelegt, dass einem schwindelig wird. Saftiges Extrakt tropft einem in jede Ritze der Zunge, fliesst saftig, orange und intensiv an deren Rändern ab. Man meint fast Orangensaft zu trinken, nur ist das viel besser weil da auch noch Haftung mit am Gaumen aufgebaut wird und das Fünkchen Süsse einfach viel zu sexy ist für banale Orangeade. Ausserdem haben die reifen Marillen mächtig was dagegen, spielen sie doch ebenso eine mehr als gewichtige Rolle in der Geschmacksempfindung. Die beiden, Orange und Marille, harmonieren wunderbar, treiben sich förmlich gegenseitig des Saft aus den Venen und betören den Mundraum nachhaltig mit ihrem orangen Auftritt. Etwas überzeichnet gesagt, ist der Sveti Jakov gar kein Wein mehr, weil er schon sehr viel eher an die Konsistenz von Saft herankommt, was ihn so gut wie unwiderstehlich macht.

Immer mehr erreicht der Sveti Jakov ein Stadium, wo man ihn einfach nur mehr in riesengrossen Schlucken im Mund spüren will. Seine Kraft, den Saft, und dabei diese ungekünstelte Leichtigkeit die trotz aller Mächtigkeit sehr fein wirkt. Knappe 14 PS hat der gute Tropfen, merken tut man nichts davon. Alles was man schmeckt und spürt ist eine sehr subtile barocke Opulenz, die dank des feinen Gerbstoffkleides äusserst verhalten wirkt.

Resümee: Der Sveti Jakov ist ein Wein für Abenteurer, einer für Freunde von Entdeckungsreisen und ganz sicher einer für vinophile Leckermäuler. Ich liebe diesen Saft, kann nicht genug davon bekommen und gönne mir jetzt ein grosses Glas davon. Sollten Sie auch tun, aber beschweren Sie sich nicht wenn Sie diesem Verführer hoffnungslos verfallen und ihm nachher ausgeliefert sind.

Tipp: Eine Stunde Karaffenzeit sollten Sie ihm gönnen. Burgunderglas verwenden und mit 10-12º geniessen. Zum Essen viel zu schade, das ist ein Wein der für sich erlebt gehört um ihn in seiner ganzen Pracht zu erfassen.

Einen Bericht über den Sveti Jakov lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Sveti Jakov Malvasia Istriana 2012 von Vesna & Giorgio Clai aus Istrien, Kroatien. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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