Muschelkalk 2014 Grüner Veltliner

| 30. November 2015 ...alles

Substanz UND Charakter

Meersalz, Apfel, Rosmarin und Kalk, was für eine Mischung. Was für ein Spass! Veltliner mit dem Charme eines weissen Südfranzosen.

Winzer/Weingut: Zuschmann-Schöfmann, Martinsdorf/Weinviertel, Österreich.

Lage/Herkunft: Von 20–30 Jahre alten Rebstöcken der Lage Plesslberg, die auf einem Hochplateau in Bad Pirawarth liegt.

Zuschmann Gruener Veltliner Muschelkalk 2013 Flasche/Etikett: So wie die erfrischend anders gestaltete Webseite, gehört auch das Design der Etiketten von Zuschmann-Schöfmann zu den erfreulichen Lichtblicken am meist faden Himmel der Weinbeklebungen. Wie auf alten Spielkarten zeigt es zwei in schwarzweiss gestaltete Köpfe im Stil des spätem 19. Jahrhunderts, welche innerhalb der überdimensionalen Insignien ZS auf einer zweifärbigen Raute abgebildet sind. Neben dem Damenbildnis steht in einer weissen Fahne Frau Zuschmann und neben dem Männerkopf in einer ebensolchen Herr Schöfmann. Am unteren Rand nur Muschelkalk und Grüner Veltliner. Auch wenn Etiketten an sich nebensächlich sind (oder sein sollten), dieses hier ist einfach eine Augenweide. Auch das Rückenetikett ist sehr auffällig gestaltet. Zwar nur in schwarz bedruckt, dafür aber ausschliesslich in fetten Kapitalen mit allem was man über den Wein zu wissen hat. Verschlossen ist die Flasche mit einem Schraubverschluss und dieser wird jetzt nach rechts gedreht um dem Wein seine Freiheit zu schenken.

Im Glas: Kräftiges Gelb steht mit zartem grünen Schimmer im Glas.

In der Nase: Überraschend fruchtig duftet es aus diesem heraus. Viel grüner Apfel drängt sich als erster in die Nase, gefolgt von Ananas und Rosmarin. Erstaunlich wie wenig man vom Kalk riecht und ebenso vom doch irgendwie erwarteten Pfeffer. Vielmehr duftet es frisch, saftig und verführerisch aus dem Becher raus und die Nasenflügel spürt man sogar eine leicht salzige Fahne hochziehen, während man spürt wie der Wasserpegel langsam steigt im Mund.

Im Mund: Und dann ist er da. Der Pfeffer. Und auch der Kalk. Weich steht der GV Muschelkalk auf der Zunge, brutal trocken ist er und hat doch genug Saft um als rund durchzugehen. Wenngleich das mit der Ananas vorbei ist, jetzt schmeckt man plötzlich weisse Blütenaromen, spürt eine ausladende Mineralik und nimmt den Wein vollkommen gegenteilig als in der Nase wahr. Nix mehr fruchtig, nur mehr mineralisch, feinst herb, dezent pfeffrig, viel kalkig und weissblütig wie ein weisser Südfranzose. Wenn da nicht der vereinsamte Apfel wäre der im Hintergrund herum irrt. Auf der Zunge durchaus körperreich, hinterlässt der Wein einen weissen herben Nachgeschmack. Der Gaumen höchst erfreut über reichlich Steinstaub, der Nachhall etwas fruchtig und sehr mineralisch.

Was beeindruckt und gleichzeitig ein wenig verwirrt, ist, dass der GV Muschelkalk einerseits knochtentrocken und doch auch cremig auf der Zunge steht. Weich, und dann augenblicklich derart trocken, dass man ihn am liebsten befeuchten möchte. Kurz tauchen fruchtige Aromen am Gaumen auf, grüner Apfel, etwas Gras und kaum bemerkt, verschwinden sie wieder. Weissblütig weht der Wind im Mund, herb, kalkig und doch irgendwie saftig. Ein Tick Zitrus ist zu spüren, oder ist das etwa gar die herrlich integrierte Säure die da neckisch aufblitzt? Kann das sogar Salz sein? Man mag es gar nicht denken und doch schmeckt man es. Ganz vorne auf der Zungenspitze steht die Meersalzflocke und sorgt für leichtes Zucken. Meersalz, Apfel, Rosmarin und Kalk, was für eine Mischung. Was für ein Spass!

Je länger der GV Muschelkalk Luft aufnimmt, umso mehr gräbt sich auch eine gewisse Fruchtigkeit durch, die sich in einem saftig-runden wie auch weichen Mundgefühl bemerkbar macht. Als hätte man sie etwas ruhen lassen, taucht plötzlich auch die Ananas wieder auf, sorgt für gelben Saft auf der Zunge und für weichen Druck. Um sich, begleitet von einem Zweig Rosmarin und einem Korb weisser Blütenblätter wieder zu verabschieden und einen in völlig trockener, leicht salziger Umgebung zurück zu lassen. Straff und frisch zieht eine gelbe Spur über die Zungenmitte ab und löst sich im Nachhall in einem herben weissen Finale auf.

Resümee: Der GV Muschelkalk ist ein ganz “Gerissener”, weil er täuscht, sich tarnt und immer wieder mit Substanz UND Charakter überrascht. Ein Veltliner zum Entdecken und zum Spielen. Mehr davon haben will.

Tipp: Etwas Luft tut ihm ausgesprochen gut. Um die 10-12º geniessen. Zur klassischen Wiener Küche genauso wie zu Fischgerichten mit und ohne Sosse. Ohne alles ein geschmeidig-feiner Trinkwein.

Einen Bericht über den GV Muschelkalk lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner Muschelkalk 2013 vom Weingut Zuschmann-Schöfmann aus Martinsdorf im Weinviertel, Österreich. Bezugsquelle: weinfurore, München.

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Kategorie: rotWEISSrot, Verkostet, Zuschmann-Schöfmann

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