Brolio 2013 Chianti Classico

| 29. November 2015 | 0 Kommentare ...alles

Chianti ohne Bastrock

Eine wahre Lichtgestalt die wie ein Fels in der Brandung steht. Ein Leuchtturm unter den Chiantis. Italien in flüssiger Form.

Winzer/Weingut: Barone Ricasoli, Gaiole di Chianti, Toskana, Italien.

Lage/Herkunft: Von den besten Lagen des Weinguts Brolio.

Brolio 2013 Flasche/Etikett: Riesengross zeigt sich das Wappen der Ricasolis erhaben im oberen Teil des des vanillegelben Etiketts. Eingefasst mit goldenen Linien, unterhalb in ebenso grosser Schrift in weinrot BROLIO und darunter der Jahrgang 2013. Chianti Classico in schwungvoller Typo unterhalb. Ein herrschaftliches, edles, adeliges Etikett das eindrucksvoll die Herkunft und den Stand der Ricasolis unterstreicht. Das Wappen in einen goldenen Rahmen eingefasst, in der Schleife RIEN SANS PEINE eingedruckt. Ein separater schmaler Streifen unterhalb des grossen Etiketts ist nur mit Barone Ricasoli bedruckt. Am Rückenetikett nichts was von echter Wichtigkeit ist, nur das Notwendigste an vorgeschriebener Information. Oben der Hahn im Chianti Classico Siegel. Eine rote Halsmanschette rundet die adelige Erscheinung ab. Bevor der herrschaftliche Tropfen aber in den Becher darf, wird er für eine Stunde sich selbst in der Karaffe überlassen um sich auf seinen grossen Auftritt entsprechend vorbereiten zu können.

Im Glas: In klarem, fast transparentem rubinrot dreht der Brolio seine Runden im Glas.

In der Nase: Ein traumhaft filigraner Duft entströmt dem Becher, zieht fein und kühl die Nasenflügel hoch. Dunkle Beeren, feine Würze, trockenes Geäst, Tabak, etwas Veilchen und eine Schaufel frischer Erde vergnügen sich zusammen und lassen einen nicht mehr los. Es ist ein edler, feinmaschiger, frischer und leichter Duft der trotz allem Kraft ausstrahlt. Es riecht intensiv und doch fühlt sich in der Nase alles wunderbar feingewirkt an. Kirschen und Johannisbeeren zwängen sich in den Vordergrund und sorgen für eine verführerische Fruchtigkeit die von erdiger Würzigkeit umhüllt wird.

Im Mund: Oh Brolio! Mein Brolio! schiesst es mir augenblicklich in Anlehnung auf den Club der toten Dichter ein. Was für eine Frische! Fast filigran strömt der Brolio auf die Zunge, zeigt seidig kühle Gerbstoffe, lässt es leise rieseln und ergiesst sich dann zart sauerkirschig über deren Ränder. Man schmeckt helles Leder, etwas Lakritze, dunkle Brombeere und kaum hat man das Gefühl auf der Zunge richtig realisiert, spürt man wie leicht und fein der Wein sich dabei anfühlt. Er tänzelt dank aufregend frischer Säure förmlich auf ihr, neckt sie und sorgt mit roten Kirscharomen für eine spröde Fruchtigkeit, die sich aus der Erde wühlt in der man sie vergraben hat. Unterholz, getränkt in reifer Johannisbeere, sorgt für eine blauschwarze Würze, während sich der Gaumen mit den Tanninen unterhält und diese gar nicht mehr abgeben will. Was letztlich wohl am Tabak liegt, der sich nebst einer zarten Spur von Muskatnuss bemerkbar macht. Der Abgang frisch, kühl, klar und leicht. Der Nachhall trocken, erdig, würzig, rot und edel wie ein Massanzug von Kiton.

Bereits nach dem ersten Glas muss ich gestehen: Das ist der schlankste wie auch filigranste Chianti Classico den ich kenne. Müsste man ihn anfassen, man würde dies nur mit Samthandschuhen, ganz vorsichtig, riskieren. So fühlt sich der Brolio nämlich an im Mund. Ein Wesen so fein und gebrechlich wie aus einem Kindermärchen. Klar definierte Aromen von Holz, Erde, Würze, Brombeeren und Kirschen stehen einem Mundgefühl gegenüber, das – nicht zuletzt dank feinster Tannine – derart frisch und kühl ist, dass man den Wein dreimal im Mund umdrehen muss um ihn in seiner ganzen Vielfalt erfassen zu können. Die frische, knallrote Kirsche tanzt mit einem dürren Ast, die fette Brombeere hängt sich an den Brocken Erde der über den Gaumen rollt und der helle Tabak vermählt sich mit feinem Muskatstaub. Wer oder was dem Brolio die kühle Temperatur einhaucht ist noch nicht ganz geklärt, es könnte jedoch an der Lage liegen auf der die Trauben für diesen Chianti reifen.

Je länger ich an dem Tropfen nippe (was längst die totale Untertreibung ist, ich trinke ihn bereits in vollen Zügen), umso grandioser wird er. Er gewinnt an Körper, nimmt etwas zu, bleibt aber nach wie vor extrem schlank. Runder fühlt er sich auf der Zunge an, steht noch mittiger und dichter auf ihr und protzt jetzt richtig mit Kirsch- und Beerenfrüchten. Flieder kommt daher. Von wo? Keine Ahnung. Pfeffer fällt vom Weinhimmel und der Gaumen möchte nur mehr zwangsbefeuchtet werden von diesem feurig-fruchtwürzigen Nebel. Der sich rot anfühlt und rotbraun schmeckt und einen dazu verführt, den Mund so richtig voll zu nehmen. Mit Wein, womit sonst? Wenn ich bedenke wieviel Megatonnenhektoliter erbärmlichen Chiantis ihren Weg in Flaschen finden, so ist der Brolio eine wahre Lichtgestalt die wie ein Fels in der Brandung steht. Ein Leuchtturm unter den Chiantis, einer den man sich – auch wenn es an Gotteslästerung grenzt – schon jetzt am besten aufmacht und ihn, ich wage es fast nicht zu sagen, als Saufwein zur frischen Pasta wegmacht. Oder zur Salami. Oder einfach ohne alles.

Resümee: Das ist Italien in flüssiger Form. Das ist Chianti ohne Bastrock. Der trägt Kiton. Wenngleich, wer braucht schon Kiton wenn er sich Brolio um einen Bruchteil hinter die Kiemen kippen kann? Ich könnt’ noch ewig weiter schreiben, aber meine Nudeln sind jetzt fertig und wenn ich da nicht ran geh’, dann ist die Flasche leer bevor ich auch nur eine (Nudel) angebissen habe.

Tipp: Etwas Luft tut ihm gut. Mit 15-17º am besten. Eher kühl trinken. Zu Pasta, Pizza und Prosciutto. Und natürlich vielem mehr. Oder einfach solo weil er sich wie Wasser trinkt.

Einen Bericht über den Brolio lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Brolio 2013 Chianti Classico vom Weingut Ricasoli aus Gaiole di Chianti in der Toskana, Italien. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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