Morellino di Scansano ‘Bellamarsilia’ 2009

| 25. November 2011 | 0 Kommentare ...alles

Ein Sangiovese mit dem gewissen Etwas.

Eine Cuvée aus 85 % Sangiovese, 10 % Ciliegiolo und Alicante ist angetreten, um sich gegen ihre ‘Konkurrenten’ aus der Toskana zu behaupten

Winzer/Weingut: Gianpaolo Paglia, ‘Poggio Argentiera’, Grosseto, Italien.

Lage/Herkunft: Aus Grosetto, nur wenige Kilometer vom Meer entfernt, zwischen Pisa und Rom, in der italienischen Maremma.

Flasche/Etikett: Schon die optische Erscheinung in der die Maremma-Cuvée abgefüllt ist sorgt für Aufsehen. Richtig protzig steht die schwarze Flasche da, mit einem ebensolchen schwarzen Etikett, das von knallgelben Rändern eingefasst ist. Es schreit nach Aufmerksamkeit und die bekommt es auch. Ein gelber Kreisel als Logo über der Trademark PoggioargentierA symbolisiert Bewegung und Dynamik.

Im Glas: Im Glas lässt der Bellamarsilia keinen Zweifel aufkommen warum Rot zu den schönsten Farben gehört. Dieses hier ist fast schon kitschig schön und funkelt wie ein Bengalisches Feuer. Die Farbe ist klar, man sieht bis auf den Grund des Glases und versinkt förmlich in einem Bottich von Kirschrot, wofür zu einem gewissen Teil sicher die Rebsorte Alicante verantwortlich ist.

In der Nase: Das Bukett ist sehr angenehm. Es schreit nicht, sondern verströmt zivilisert seine Aromen. Dazu gehören eindeutig saftig-reife Kirschnoten, viel Sonne und eine gewisse Frische. Die Nähe zum Meer macht sich bemerkbar und man vernimmt einen leicht kräutrigen Hauch in der Nase. Im Gegensatz zu seinen Kontrahenten aus der Toskana riecht der Morellino (Sangiovese) ‘leiser’, komplexer und frischer. Am Ende des Geruchsparcours erscheinen dann noch Erdbeeren und runden das Bukett fein ab.

Im Mund: Und dann die Überraschung im Mund. Dieser Morellino schmeckt total anders als die ganzen Sangiovese-Weine aus der Toskana. Es ist nicht dieses ‘verfruchtelte’ Geschmackserlebnis das man von herkömmlichen Sangioveseweinen kennt. Mit relativ wenig Körper sucht sich der ‘Bellamarsilia’ seinen Weg über die Zunge und versprüht dabei eine aufregend kühle Frische. Ein äusserst animierendes Fruchtspiel, das aber trotzdem nie überschwänglich wird, sorgt für ein richtig ‘erfrischendes’ Mundgefühl. Eine feine Säure die es versteht sich in Zaum zu halten und den Früchten den Vortritt zu lassen stützt den Wein und lässt ihn so zeigen was er kann.

Was den ‘Bellamarsilia’ zusätzlich sehr angenehm macht sind die feinen Gerbstoffe, die dem ganzen Bündel von fruchtigen Aromen eine ausgewogene Struktur verleihen. Sie treten zwar nicht vordergründig auf, sind aber die ganze Zeit über vorhanden und halten den Wein auf eine gewisse Art und Weise ‘zusammen’. Auch wenn es sich bei Morellino und Sangiovese um ein und die selbe Rebsorte handelt, könnten diese unterschiedlicher nicht sein. Diese hier ist kühler, frischer, gleichzeitig saftiger und reifer.

Die Tatsache, dass die Maremma am Meer liegt ist sicher mitverantwortlich für die höchst erfreuliche Frische welche dieser Wein ausstrahlt. Das mediterrane Klima tut der Rebsorte sicher besser als das eher kontinentale Klima der Toskana und lässt diese reifer und saftiger werden. Zumindest vermittelt das den Eindruck den dieser Morellino hinterlässt.

Resümee: Das Schöne an diesem Morellino ist, dass man sich damit einfach auf die Couch knotzen und einen wunderbar entspannten Abend machen kann. Auch wenn der Wein 13,5% hat merkt man von diesen so gut wie nichts. Der Tropfen ist dermassen animierend, dass er schneller die Kehle runter rinnt als einem lieb ist. Dafür sorgt mit Sicherheit seine kühle Frische, seine exzellente Balance und seine unwiderstehlich fruchtige Süffigkeit.

Wer Sangiovese-Weine liebt, der sollte sich unbedingt einmal einen ‘Morellino’ aus der Maremma gönnen und sich auf das Abenteuer einlassen. Als Belohnung lernt man einen Wein kennen, der so anders und so vielschischtiger ist, dass man gerne bereit ist sich geschmacklich einmal von der Toskana Richtung Meer zu begeben. Mit knappen 10 Euro für die Flasche ist dieser Morellino auch noch wirklich günstig, zahlt man anderswo das Doppelte für weitaus weniger Qualität.

Tipp: 14-16ºC sind sicher ideal für diesen Wein. Eine halbe Stunde in der Karaffe sollte man ihm gönnen. Danach steht purem Trinkvergnügen nichts mehr im Weg.

Einen ausführlichen Bericht über den Bellamarsilia lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Morellino di Scansano ‘Bellamarsilia’ 2009 von Gianpaolo Paglias Weingut Poggio Argentiera aus Grosetto in der italienischen Maremma.

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Kategorie: Verkostet

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