Grauburgunder 2010 Holger Koch

| 1. Mai 2013 | 0 Kommentare ...alles

Nur für echte Männer.

Diese Spezialabfüllung ist für ‘echte Männer’ die sich nass rasieren und Pitralon statt irgendeiner Babylotion nehmen.

Winzer/Weingut: Weingut Holger Koch, Vogtsburg-Bickensohl/Baden, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von Lössterrassen von denen einzelne Partien aus unterschiedlichen Parzellen herausgesucht und zusammengeführt wurden.

Grauburgunder Holger Koch Flasche/Etikett: In der klassischen Burgunderflasche abgefüllt, klebt auf dieser ein für ‘deutsche’ Verhältnisse recht modern gestaltetes Etikett. In elegantem weiss und helloliv mit weinroter Schrift eine warm und ruhig wirkende Erscheinung. Keine unnötig langen ‘Abhandlungen’ darauf, sondern einfach nur das Wichtigste und damit auf das Wesentliche reduziert. Die Verbindung zu K&U wird durch die Farbgleichheit des Namens Holger Koch hergestellt. Oben, als persönliches Detail, die Unterschirft vom Winzer und unten einfach Grauburgunder 2010. So einfach kann einfach sein.

Das Rückenetikett kann man bestenfalls als ‘kleinen Kleber’ bezeichnen auf dem noch einmal das darauf steht was vorne schon gesagt wurde. Ergänzt mit dem was gesetzlich vorgeschrieben ist. Die angeführten 12,5% sind schon einmal sympathisch und bevor der graue Spezialburgunder bzw. der spezielle Grauburgunder in die grossen Kelche kommt wird er noch ugmefüllt, um sich mit der neuen Umgebung anzufreunden und Frischluft zu atmen. Spontis mögen das.

Im Glas: Goldig wie Rapunzels Haar steht der Grauburgunder im grossen Burgunderkelch. Sehr klar in der Farbe und mit hellgelben Reflexen funkelt es aus ihm heraus.

In der Nase: In Rauch gehüllte Birnen und fleischige Apfelschalen treiben ihr ‘Unwesen’ in der Nase, es riecht pikant und unheimlich saftig. Alles fühlt sich warm und weich an in der Nase, obwohl der Duft durchaus kraftvoll aus dem Glas hüpft. Es riecht weniger fruchtig als mineralisch und die dicken fetten Birnen die darin enthalten sind verleihen dem Ganzen diesen weichen und fülligen Duftcharakter. Es fühlt sich an als würden sich die dicht verwobenen Aromen wie ein cremiger Film die Nasenflügel hochziehen und sich am Ende in einer fast molligen Würze auflösen. Intensiv, kompakt, mundwässernd.

Im Mund: Säure, Mineralik, Rauch und Druck dringen in den Mundraum ein wenn man den ersten Schluck nimmt. Als würde ein SUV beide Spuren auf der Zunge belegen, breitet sich eine unerwartet aktive wie ebenso belebende Säureader aus, um sich sofort in einem kräftigen, kompakten und auch leicht rauchigen Mundgefühl in Szene zu setzen. Interessant ist der Vergleich den Wein aus zwei unterschiedlich grossen Burgundergläsern zu entdecken. In jenem mit der kleineren Oberfläche dominiert die Säure stärker als in jenem mit der grösseren. Im Grossen wirkt der Wein im Mund noch fülliger, voluminöser, dichter und kräftiger ohne dabei aber dick zu werden. Cremig in der Konsistenz, druckvoll aber doch frisch und elegant. Dominiert und getragen von einer beeindruckenden und alles überlagernden Mineralität die auf sich stolz sein kann.

Nach einer Stunde Luftaufnahme und der damit verbundenen kleinen ‘Erwärmung’ wird der Grauburgunder immer mineralischer, immer fülliger, dichter und aromatischer. In all dieser dicht verwobenen Struktur gibt eine ausgeprägte Säure den Ton an, welche dem Tropfen richtig Pfeffer verleiht. Rassig-lebendig ist eine treffende Beschreibung für das Gefühl auf der Zunge, warm-wohlig-weich-aromatisch für das am Gaumen. Trocken ist es und hat doch Struktur und Körper, füllig ist es und ist doch nicht dick. Pulsierend und vereinnahmend nimmt man ihn auf der Zunge wahr. Am Gaumen verhallt die ausgeprägte Mineralität in einem trocken-rauchigen Finale mit einem ebensolchen Abgang. Lange bleibt die ‘Birne im Rauchmantel’ noch erhalten um sich am Ende in einer Wolke aus pikanter Aromatik aufzulösen. Richtig saftig zeigt sich der Grauburgunder dann am Abend, nachdem er für den Rest des Tages kühl zur Seite gestellt wurde. Höchst aromatisch, dicht und druckvoll füllt er den Mundraum aus und richtig gelb fühlt er sich an. Grauburgunder zum Anfassen ist das und es macht Spass mit ihm zu spielen.

Resümee: Persönlich würde ich diesen Grauburgunder als ‘wilden Hund’ bezeichnen. Nicht weil er ungestüm ist, vielmehr weil er auf Konventionen hustet und sich ungeschminkt und charakterstark seinem Trinker gegenüber stellt. Er hat Kraft und Kontur, ist nicht weichgeschliffen und schon gar nicht banal ‘süffig’. Er ist einfach ein Wein mit (noch) Ecken und Kanten die ihn umso liebenswerter machen weil das was im Mund ‘abgeht’ einfach aufregend ist. Da ist Leben drin und eine gewisse ‘Take it or leave it’-Philosophie. Dieser Grauburgunder ist nichts für Freunde massenkompatibler Pinot Grigios. Diese Spezialabfüllung ist für ‘echte Männer’ die sich nass rasieren und Pitralon statt irgendeiner Babylotion ins Gesicht schmieren.

Tipp: Lassen sie den Wein ruhig für eine Stunde oder mehr in der Karaffe atmen. Am besten nicht zu kalt servieren, um die 12º geniessen. Macht zu vielfältigsten Küchenkreationen perfekte Figur und läuft als Solist nach einigen Stunden an der Luft zu absoluter Höchstform auf.

Einen Bericht über den Grauburgunder 2010 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Grauburgunder ‘K&U-Sonderedition’ 2010 von Holger Koch aus Vogtsburg-Bickensohl in Baden, Deutschland. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

Tags: , , , , ,

Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

Ihr Kommentar