Pinot Noir 2009 Au Bon Climat

| 30. April 2013 | 0 Kommentare ...alles

Pinot Noir mit grossem Genussfaktor.

Für Geniesser und für Freunde vornehmer Zurückhaltung, die aber trotzdem nicht auf Expressivität verzichten wollen. Grosser Pinot!

Winzer/Weingut: Jim Clendenen, Au Bon Climat, Santa Barbara/Kalifornien, USA.

Lage/Herkunft: Aus dem Weinberg Le Bon Climat im Santa Maria Valley nördlich von Santa Barbara.

Santa Maria Valley Pinot Noir Flasche/Etikett: Auf der Burgunderflasche klebt ein auf den ersten Blick äusserst gewöhnungsbedürftiges Etikett. Es hat weder die üblichen vier Ecken noch ist es rund oder oval. Dieses Stück Papier ist ein überdimensionales Dreieck welches oben zu einem schlanken Spitz zusammenläuft. In zartem rosa gehalten, was den Inhalt ankündigt und in knalligem rot sowohl was drin ist wie auch ein ebensolcher ovaler Rahmen mit dem Aufdruck K&U Sonderedition. Grafisch alles andere als umwerfend, und wahrscheinlich genau aus diesem Grund schon wieder mit einem aussergewöhnlich hohen Wiedererkennungswert ‘gesegnet’.

Am Rückenetikett steht nichts was wirklich wichtig wäre drauf, vielmehr typisch amerikanisch alle Hinweise darauf, was Alkohol bewirkt, dass Schwangere die Finger davon lassen sollen usw. Nur so ist man vor Klagen etwaiger ‘Kreativer’ sicher. Bevor der ‘Spezial-Pinot’ in die grossen Becher kommt, darf er sich nach seiner langen Reise über den grossen Ozean für eine Weile in der Karaffe akklimatisieren. Soviel Zeit muss sein im ‘Verkostungslabor’.

Im Glas: Kirschrot und fast transparent steht der Pinot Noir im grossen Kelch und beeindruckt mit seiner klaren Erscheinung. Wie in einen Bergsee blickt man bis auf den Grund durch.

In der Nase: Interessant ist der Geruchsvergleich. Steckt man seine Nase in die Karaffe, hüpfen einem förmlich reife Erdbeeren und Himbeeren in die Nase, aus dem Glas steigt zwar eine ebensolche Frucht auf, ist diese aber kräftig gewürzt und schleift einen ganz ganz leisen Holzton hinter sich her. Es duftet einerseits verhalten, aber doch erkennt man klar die einzelnen Aromen. Ein leiser, charmanter und doch bestimmter Duft der aus dem Glas strömt. Saftig ist es, kühl ist es und statt der üblichen, oft überzeichneten Beerenaromen, präsentieren sich diese hier in einer eleganten Würze eingebettet.

Im Mund: Mit einer ausgesprochen erfrischenden Aromatik nimmt sich der Pinot Noir sofort des Mundraums an. Auf die Zunge kommt er wie er schon gerochen hat, nämlich fruchtig-würzig. Dabei fühlt er sich sehr leicht, sehr schlank und ebenso saftig wie auch kühl an. Er macht Druck im Mund, ist aber meilenweit davon entfernt schwer zu wirken. Wie ein feines Netz legt er sich über die Zunge, entlädt dort seine saftigen und frischen Beerenaromen und zieht wie Kaschmir über den Gaumen ab. Würzig, leicht rauchig und so voller Saft, dass man mit der Zunge hinterher hechelt um ihn noch lange zu spüren und zu schmecken. Erst dabei spürt man auch das hauchzarte Gerbstoffgerüst welches sich eindrucksvoll ‘unters Volk’ mischt. Der erste Eindruck den dieser Pinot Noir hinterlässt gefällt und macht Spass auf mehr.

Mit zunehmender Luft wird der Pinot Noir saftiger, auch immer fruchtiger und vor allem immer klarer in seiner Kontur. Die feine Würze trägt die reifen Himbeeraromen über die Zunge, der leichte Holzton spielt Verstecken, so leise ist er, und die supersanften Gerbstoffe sorgen für den absoluten Wohlfühlfaktor am Gaumen. Fast hat man den Eindruck als wäre der Wein ein wenig ‘schüchtern’, so verhalten und vorsichtig wirkt er im gesamten Mundraum. Nichts ist hier was sich in den Vordergrund drängt oder lautstark auf sich aufmerksam machen will. Alles ist gesittet wie in einem Schülerinternat und weiss durch Benehmen zu überzeugen. Nimmt man ein Maul voll dieses Tropfens in den Mund so merkt man wie sehr hier alles voll im Saft steht und man spürt wie würzig dieser gleichzeitig ist. Man fühlt den Wein dank seiner Frische sehr aktiv, man rollt ihn hin und her und merkt wie samtig sich sein Tanninkleid hinter die Lippen legt. Im Abgang zieht der verhalten leise Holzton mit und sorgt für einen lange anhaltenden, durchaus fruchtbetonten Nachhall.

Resümee: Insgesamt hinterlässt der Pinot Noir einen äusserst eleganten Eindruck, zeigt sich frisch und kühl im Charakter und überzeugt mit einer sehr harmonischen und gut ausbalancierten Frucht/Würze-Struktur. Kein lauter Wein, vielmehr einer für Geniesser und für Freunde vornehmer Zurückhaltung, ohne deswegen auf Expressivität verzichten zu müssen. Toller Pinot Noir mit ganz grossem Genussfaktor. Richtig interessant dürfte er in ein, zwei Jahren werden, wenn sich dann alles perfekt zusammengefunden hat. 24 Euro sind für diesen Tropfen jedenfalls reinste Okkasion.

Tipp: Eine Stunde an der Luft verträgt er gut. Um die 16-18º genossen ein richtig frischer Trinkspass. Universeller Küchenbegleiter und stilvoller Alleinunterhalter.

Einen Bericht über den Pinot Noir K&U Sonderedtion lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Pinot Noir ‘K&U-Sonderedition’ 2009 von Jim Clendenen, Au Bon Climat, Kalifornien, USA. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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