Gräfenberg 2015 Spätlese Grosse Lage

| 28. August 2016 | 0 Kommentare ...alles

Kurz und bündig: Weltklasse

Es ist einfach obszön schön und schmackhaft so einen Wein im Mund zu haben. Das ist pure Weltklasse.

Winzer/Weingut: Robert Weil, Kiedrich, Rheingau, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der Lage Gräfenberg mit Schieferböden.

Riesling Graefenberg 2015 Spaetlese Allgemeines: Zwei Rieslinge vom Weingut Robert Weil hatte ich ja schon, heute geht es munter weiter damit. Wie gewohnt mit einem Wein auf dessen Flasche das wohl berühmteste himmelblaue, pardon tiffanyblaue Etikett der Welt klebt. Wer es noch nicht wusste, auf den 90 ha Rebfläche welche das Weingut bewirtschaftet wird ausschließlich Riesling angebaut. Es wird rein organisch gedüngt, begrünt und auf den Einsatz von Herbiziden verzichtet. So geht nachhaltiger Weinbau. Der Riesling der heute vom Weingut Robert Weil am Tisch der Wahrheit steht ist der Gräfenberg 2015 Spätlese. Neben dem Turmberg und dem Klosterberg ist der Gräfenberg die dritte Berglage des Weinguts. Diese Lage wurde erstmals im 12. Jahrhundert als “Berg des Rheingrafen” erwähnt, die Böden sind steinig und die Steigungen von bis zu 60% sind nicht wirklich für Flachlandtiger geeignet. Was mich nicht hindern soll, den Tropfen der jetzt gleich ins Glas kommt, auch ohne Seil und Pickel erfolgreich zu erobern. Also, auf geht´s in einen wunderbaren Riesling-Vormittag.

Im Glas: Hellgelb, mit zarten grünlich leuchtenden Reflexen steht die Gräfenberg Spätlese im Glas.

In der Nase:Der Duft ein Traum von Quitte, Aprikose, Apfel, Karamell und Schiefer. Sehr komplex, sehr fein und edel. Kein wilder Fruchtorkan der die Nase übermannt, nur elegant und sehr distinguiert. Am Ende ganz fein steinig um die hohe Mineralik dieses Tropfens aufzuzeigen. Das macht Spass im Riechorgan weil es nicht hämmert, sondern einfach still und nobel vor sich hin weht. Sehnsucht nach dem ersten Schluck kommt auf und darum wird jetzt auch einfach angetrunken.

Im Mund: So muss sich die Sünde angefühlt haben. Wunderbar cremig legt sich die Gräfenberg Spätlese auf der Zunge nieder und verströmt ein Meer von Fruchtaromen. Man schmeckt Marille schön heraus, man schmeckt den Apfel und den Pfirsich und man merkt wie steinig es sich an den Zungenrändern anfühlt. Reife Frucht, hohe Mineralik, supertolle Säure die für Ausgleich sorgt und ein Mundgefühl, das einen gierig nach dem nächsten Maul voll Wein macht. Überhaupt ist dieses Säure-Fruchtspiel überirdisch. Man schmeckt das Süsse und man spürt das Steinige sowie die Säure wie sie alles puffert. Alles zur gleichen Zeit im Mund, als Geschmack und als Gefühl. Einfach traumhaft, weil auch noch Haftung auf der Zunge und am Gaumen aufkommt. Mehr haben will, jetzt gleich.

Je länger ich an diesem Kerl rumnuckle, umso mineralischer, umso frischer, kerniger und knackiger wird er im Mund. Die Zungenränder rollen sich vor Freude ein, der Grip der sich an den Lippen aufbaut wird immer verführerischer und man merkt, wie sich die Gräfenberg Spätlese an der Luft hin zu einem elegant steinigen Tropfen verwandelt. Quitte dümpelt irgendwo im Hintergrund herum, bringt dunkles Gelb ins Spiel, während auf der Zungenmitte ein belebend frischer, von feiner Schieferwürze gestreifter Saft steht. Überhaupt reagiere ich persönlich auf Schiefer am extremsten. Ich liebe diese Böden, diese ganz besondere Aromatik in den Weinen, und hier ist sie derart subtil vorhanden, dass ich bettelnd um ein wenig mehr hinter ihr herlaufe. Grandioses Kino in der Geschmackszentrale. Ganz viel Gefühl, ein haptisches Naturschauspiel das auch noch sündhaft deliziös ist.

Was mich fasziniert an der Gräfenberg Spätlese wollen Sie wissen? Dass sie nicht wie so viele nur banal süss und pampig ist, sondern dass sie ein hochkomplexes Wesen das in jeder Hinsicht, ob Säure, Frucht, Mineralik, Dichte, Grip und was weiss ich noch alles, ein einziges harmonisches Ganzes ist. Was dieser Wein ablässt ist definitiv Weltklasse. Ich gehe sogar soweit, dass ich mir den Kerl jetzt in die Karaffe kippe und ich wette, dass der dann soviel Haftung aufbaut, dass mir schwindelig wird.

Resümee: Es ist einfach obszön schön und schmackhaft so einen Wein im Mund zu haben, an ihm zu kauen, ihn zu drücken, ihn zu rollen und ihn so intensiv zu spüren. Ich habe es schon mal an anderer Stelle gesagt und wiederhole es sehr gerne: Hätte der Koffein in sich, ich würde ihn wohl glatt anstelle von Kaffee zum Frühstück trinken. Und zu Mittag wäre längst die Flasche leer.

Tipp: Mit 8-10º zum Steak! Oder klassisch zu Käse, Desserts und anderen nicht zu süssen Leckerlis. Oder trinken Sie ihn einfach so und staunen sie. Das Zeug ist grenzgenial und für die nächsten 30 Jahre bestimmt.

Einen Bericht über den Gräfenberg Spätlese lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling Gräfenberg 2015 Spätlese Grosse Lage vom Weingut Robert Weil aus Kiedrich im Rheingau, Deutschland.

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Kategorie: Robert Weil, Verkostet

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