Fontanasanta Nosiola 2014

| 20. Februar 2016 | 0 Kommentare ...alles

Für Freunde des Minimalismus

Für Menschen die keine Deko brauchen um die Eleganz eines Gebäudes zu erkennen. Genau das ist dieser salzig-steinige Tropfen. Ein Minimalist.

Winzer/Weingut: Elisabetta Foradori, Mezzolombardo, Trentino, Italien.

Lage/Herkunft: Von kieseligen Schotterlagen auf den Hügeln rund um Mezzolombardo.

Nosiola 2014 Allgemeines: Mit einem Weisswein, dem Manzoni Bianco von der Grossmeisterin aus Mezzolombardo im Trentino habe ich kürzlich begonnen, mit einem Weisswein von Elisabetta Foradori setze ich diese Verkostungsreihe fort. Ihre grossen Rotweine, die Teroldegos, kommen dann in Kürze ins Glas. Heute jedoch steht ein weiterer Wein aus der Reihe Fontanasanta am Tisch der Wahrheit. Fontanasanta ist übrigens der Name der Villa, die 1815 auf Geheiss des Grafen Simone Consolati, damals Konsul in Trento, erbaut wurde und heisst soviel wie Heiliges Wasser. Soviel zum Thema Allgemeines rund um das Foradorische Weingut. Jetzt ist es Zeit den Fontanasanta Nosiola 2014 eingehend zu erforschen. Nosiola ist nicht der Name des Weines, sondern die Rebsorte, die über den Hügeln des Trentino auf Kieselböden wächst und kultiviert wird. Acht Monate liegen die Trauben in der Amphore auf der Schale bevor sie ihren Weg in die Flaschen antreten. 8000 wurden davon abgefüllt, ich habe zwei hier und eine davon wird jetzt intensiv erforscht. Für eine halbe Stunde wandert der Nosiola in die Karaffe bevor er ins Glas kommt.

Im Glas: In hellem Strohgelb steht der Nosiola im Glas.

In der Nase: In die Nase strömen Aromen von frischem Heu, Lindenblüten, etwas Gras und Jasmintee. Es riecht ungewohnt, nicht wirklich fruchtig, nicht wirklich floral. Irgendwo dazwischen ist es, und alles ist umhüllt von einer unbekannten weissen Würze. Ich würde es als ausgesprochen steinig-aromatisch bezeichnen und stelle fest, dass sich der Duft im grossen Glas eleganter präsentiert. Ein verwirrender Geruch, weil unbekannt und äusserst schwer zu kategorisieren. Auf jeden Fall höchst interessant und animierend.

Im Mund: So ungewöhnlich wie der Duft ist, so ungewöhnlich ist auch der Geschmack. Alles setzt sich genau so fort wie es in der Nase begonnen hat. Steinig-salzig steht der Noisola auf der Zunge, nicht wirklich fruchtig. Am ehesten ein wenig gelbe Ringlotte. Das war´s dann aber auch schon wieder. Der Rest ist zart floral, erinnert an frisches Heu und am Gaumen fühlt es sich so richtig weinig an. Es wirkt auf den ersten Eindruck leicht säuerlich, doch ist es das nicht, es ist extrem salzig. Der leichte Körper lässt alles ebenso leicht wirken und die lächerlichen 11 PS sorgen auch nicht unbedingt für grossen Vortrieb. Deshalb steht ein Wein im Mund der extrem leicht ist, der schwerelos durchzischt und der erst beim zweiten, dritten Schluck so richtig greifbar wird. Der Nosiola ist ein Mineralikbomber der sich auf Salz und Stein eingeschossen hat. Das schmeckt und spürt man, das macht Spass.

Nach einer Stunde in der Karaffe steht ein völlig anderer Wein im Mund. Da hat sich Grip entwickelt, es fühlt sich leicht herb auf den Lippen und auf der Zunge an. Geschmacklich eindeutig weiss, am Gaumen pure Mineralik. Schotter bis zum Abwinken, dazwischen tropft das Salz heraus. Steinig-herb-floral mit einem Schuss frisch gepflückter Lindenblüten. Null Gewicht, kein Druck, keine Fülle, extrem schlank und deshalb auch äusserst agil im Mund. Erinnert mich an einen speziellen Beaujolais der auch mit 11 %vol. daherkommt und so schlank ist, dass man ihn am liebsten stützen möchte. Der Nosiola ist auch so “nackt”, so karg und so leicht, dass man zweimal überlegt ob das überhaupt schon Wein ist. Und immer mehr stellt man während des Nippens fest, dass der Wein langsam immer cremiger an den Lippen wird. Und immer würziger, immer herber, steiniger und griffiger. Der Nosiola beginnt sich zu schälen und zeigt auf einmal richtig auf.

Während auf der Zunge ein fast schwereloser Wein steht, der erst wenn er abfliesst sein volles Repertoire auspackt, ist der Gaumen damit beschäftigt diese extreme Steinigkeit zu verarbeiten. Auch der Abgang ist salzig-steinig und wunderbar floralherb. Der Nachhall eine Kopie des Abgangs. Es ist schwer den Nosiola irgendwo einzureihen, dazu ist er zu eigenwillig, zu exaltiert. Er ist ein nackter Wein, abgespeckt auf Minimalgewicht und völlig vom Stein dominiert. Darüber weisser Blütenduft und fertig. Ich bin gespannt wie sich der Wein in fünf, sechs Stunden zeigen wird. Und morgen.

Resümee: Ingesamt ist der Nosiola ein Wein für Freunde des Minimalismus. Für Menschen die keine Deko brauchen um die Eleganz eines Gebäudes zu erkennen. Genau das ist er, der Nosiola. Ein Minimalist.

Tipp: Sollte eine bis zwei Stunden in der Karaffe dümpeln. Grosses Glas von Vorteil. Mit 10-12º geniessen. Ideal zu Fisch, zu Artischocken oder zur frischen Gemüseküche. Auch zu Salzgebäck. Ohne alles am besten in Durstlöscherdosis.

Einen Bericht über den Nosiola lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Fontanasanta Nosiola 2014 von Elisabetta Foradori aus Mezzolombardo, Trentino, Italien.

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Kategorie: Elisabetta Foradori, Verkostet

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