Côte-Rôtie 2009

| 24. November 2012 | 0 Kommentare ...alles

Wird einmal ein ganz ein Grosser.

Ein ‘junger Hüpfer’ der schon mächtig Spass macht. Frisch, frech und unbekümmert zeigt er, dass er das Zeug zum Lieblingswein hat.

Winzer/Weingut: Maison Nicolas Perrin, Valence, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von Weingärten mit bis zu 60% Gefälle am rechten Rhôneufer der Côte-Rôtie bei der Ortschaft Ampuis.

Flasche/Etikett: Zum letzten Mal zeigt sich uns eine der Burgunderflaschen der Maison Nicolas Perrin, auf der das edle Etikett mit den springenden Pferden auf dem Wappen mit der Windrose klebt. Zum letzten Mal überlegen wir, ob dieses Stück Papier in Wirklichkeit nicht nur ein versteckter Hinweis auf eine ebenso geheime Loge ist, die es sich gemäss dem Motto ‘Axis Mundi’ zur Aufgabe gemacht hat, dass alles sich um ihre Achse und nicht die der Welt drehen sollte. Ein Etikett, das einerseits urfranzösisch und trotzdem irgendwie geheimnisvoll wirkt. Das Rückenetikett informiert wie alle anderen der ‘Maison’ in englisch was man sonst noch wissen sollte über diesen Tropfen. Was auf den ersten Blick positiv auffällt sind die moderaten 13% mit denen der Côte-Rôtie ‘an den Start’ geht. Bevor er aber in die Gläser kommt, darf er sich zuerst neunzig Minuten im Dekanter mit Sauerstoff anreichern.

Im Glas: Relativ klar und in leuchtendem kirschrot zeigt sich der Côte-Rôtie im Glas. Jung sieht sie aus, die Farbe, und frisch.

In der Nase: War das Bukett nach dem Öffnen noch sehr verschlossen, so strömen einem jetzt, nach knapp zwei Stunden im Dekanter, saftige und würzige Beerenaromen aus dem Glas entgegen. Es duftet schön rauchig wie auch erdig und eine ebenso schöne Holznote zieht vanillig die Nase hoch. Alles getragen von einer kräftigen, saftigen und schwarzfruchtigen Würze. Der Duft hat Saft und Kraft und kündigt lebendige Frische an.

Im Mund: Überraschend fein gleitet der Côte-Rôtie über die Lippen auf die Zunge und fühlt sich dabei superfrisch an. Kerzengerade steht er auf ihr und drückt seinen ‘Aromenbeutel’ auf ihr aus. Schwarze Johannisbeeren schmeckt man und auch dunkle, fette Brombeeren. Dazu ebensolche dunkle Kirschen die einem frech auf der Zunge herum tanzen. Alles wirkt sehr lebendig aber auch puristisch einfach im Mund. Man spürt den Wein förmlich ‘leben’ auf der Zunge und merkt erst hinterher wie fein, ja fast seidig, er mit seinen reifen Gerbstoffen für ebensolche Kraft im Mund sorgt. Ein ‘junger Hüpfer’, der in der Tat schon mächtig Spass macht.

Fast ist man geneigt den Côte-Rôtie als Fruchtbombe zu bezeichen, die er aber nicht ist. Vielmehr spielen seine fruchtigen Komponenten in einem Orchester von Rauch, Tabak und Würze nur die Erste Geige. In Kombination mit der ausgeprägten Mineralik fügt sich alles zu einem saftigen, würzigen und doch irgendwie filigran wirkenden Ganzen zusammen. Die Zunge freut sich, der Gaumen ebenso und im Abgang gibt es noch einmal ein richtig saftiges Finale in Begleitung eines leisen ‘rieselns’ auf der Zunge.

Je mehr Sauerstoff der Côte-Rôtie aufnimmt umso saftiger wird er. Gleichzeitig nimmt er gefühlsmässig im Körper ab und fühlt sich immer feiner an im Mund. Diese ‘Filigranität’ ist pure Mineralik die sich da bemerkbar und auch fühlbar macht. Wie ein Seidentuch zieht der Côte-Rôtie über die Zunge, ‘raschelt’ ein wenig und lädt seine ebenso seidig-feinen Gerbstoffe am Gaumen ab. Kein Pelz, von wegen! Vielmehr ein Hauch von Samt der sich über die Lippen legt. Und auch kein Murmeltier das ‘täglich grüsst’, sondern reife, saftige Beerenfrüchte die den Taktstock schwingen. Holz, Vanille, Würze und sogar ein Hauch von schwarzem Tee sind die Statisten auf dem Set und tragen dunkle Kirschen und Johannisbeeren durch die Szene.

Resümee: Attraktiv, frisch und richtig lebendig ist der Côte-Rôtie. Gesegnet mit einem gefährlichen Trinkfluss, weil er eben diese jugendliche Frische in sich trägt die ihn so leicht und unbeschwert erscheinen lässt. Frech auf der Zunge, charmant am Gaumen und einen langen, frischen und auch fruchtigen Nachhall hinterlassend, vergisst er nicht auch feinste Tannine ‘abzuwerfen’ um zu zeigen, dass er durchaus mehr als eine ‘Zuckerseite’ hat. Seine schlanken 13% machen ihn dabei nur noch sympathischer, lassen ihn spielerischer wirken und einen allzu leicht die Kraft vergessen, die er in sich trägt. Von diesem Tropfen hätt´ ich schon gerne eine Kiste um zu verfolgen wie er von Jahr zu Jahr ‘erwachsener’ wird. 50-60 Euro kostet das Vergnügen, pro Flasche. Angesichts der Lagerfähigkeit von 10+ Jahren aber wieder relativ. Ich jedenfalls will mehr von diesem ‘Frischling’.

Tipp: Unbedingt für wenigstens 1 Stunde in den Dekanter, besser 90 Minuten, umfüllen und dort auf ‘Zimmertemperatur’ (max.18º) kommen lassen. Jung zu gehaltvoller, auch deftiger Küche, gereift eher zu feineren Gerichten zu geniessen. Solo eine Wohltat, doch Vorsicht, der Tropfen verdunstet förmlich.

Einen Bericht über den Côte-Rôtie lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Côte-Rôtie 2009 von Maison Nicolas Perrin aus Valence in Frankreich.

Tags: , , , ,

Kategorie: Maison Nicolas Perrin, Verkostet

Ihr Kommentar