Chablis Grand Cru ‘Bougros’ 2011

| 29. März 2014 | 0 Kommentare ...alles

Chablis mit Klasse, Tiefgang und Charakter.

Chablis der einen nicht mehr los lässt. Wein der physisch erlebbar ist und sich unvergesslich in die Geschmacksbibliothek einbrennt.

Winzer/Weingut: Patrick Piuze, Chablis, Frankreich.

Lage/Herkunft: Aus zugekauften Trauben von 19 verschiedenen Lagen rund um Chablis.

Bougros Grand Cru Flasche/Etikett: Das Etikett in gedecktem weiss, ohne Schnörkel, unaufgeregt und deshalb umso eleganter. So kann man das Stück Papier das auf der dunkelbraunen Burgunderflasche klebt beschreiben. Am oberen Rand der Jahrgang, unten drunter in einer grösseren Outline-Typo CHABLIS GRAND CRU und unterhalb BOUGROS. Alles in Kapitalen, die Herkunft (typisch französisch) völlig in den Vordergrund gestellt. Den unteren Rand füllen alle wesentlichen Information die noch nötig sind aus. Patrick Piuze in der Mitte und mehr gibt es über diese Wein auch nicht zu sagen.

Verschlossen ist die Flasche mit einem cremefarbigen Siegellack und somit absolut luftdicht gemacht. Rückenetikett gibt es keines, alles was man wissen muss steht vorne drauf. Es ist ein Wein der Luft braucht und deshalb darf der Bougros bevor er in die blank polierten Gläser kommt, für eine halbe Stunde in der schlanken Karaffe ein wenig Sauerstoff aufnehmen.

Im Glas: In leuchtendem Goldgelb dreht der Bougros seine Runden im Glas. An der Wand schmiert ein dichter Film langsam nach unten.

In der Nase: Saftig reife Fruchtaromen strömen die Nasenflügel hoch. Reife Äpfel, etwas Birne, viel Rauch und eine ebenso dichte Teigwolke steigen langsam auf. Feines Brioche steht im Kelch, es fühlt sich engmaschig und kraftvoll in der Nase an. Fernab von Supermarkt-Chablisaromen steht hier richtig satte wie auch warme Opulenz im Glas. Man spürt den Kalk wie er die Nase hochsteigt und wie die reifen Obstaromen langsam hinterher trotten. Es ist ein betörender, fleischig anmutender Duft der einen augenblicklich in seinen Bann zieht.

Im Mund: Rassig? Ja! Absolut! Weich und füllig? Ebenfalls! Beides gleichzeitig. So kommt der Bougros auf die Zunge. Höchst mineralisch fliesst der Wein über die Zungenränder ab, hat einen Tick von Salz mit im Gepäck und fühlt sich dabei wunderbar fest und fleischig an. Rubens hätte seine Freude mit diesem Wein gehabt. Er ist füllig, hat opulente Rundungen und Fleisch an den Hüften. Und doch spürt man intensiv wie aus dieser Hülle rassige Mineralität strömt. Am Ende bleibt man trocken, mit einer Ladung Kalk im Mund zurück und staunt was man gerade erlebt hat. Erst danach fällt einem auf, dass sich so etwas wie eine leichte grüne Kräutrigkeit über den Gaumen bewegt hat, eingehüllt in einer dicken Kalkschwade, die sich füllig, weich und wärmend den Rachen hinunter bewegt. Ewig lange lebt der Bougros noch nach im Mund. Und unaufhörlich klebt feinster Teig förmlich auf dem Zungengrund.

Nach einer Stunde in der Karaffe zeigt sich der Bougros noch kalkiger, hat sich fast ausschliesslich auf seine warme Mineralik reduziert. Ganz leicht spürt man nur noch die etwas salzige Ader aufblitzen. Erst im Abgang kommen wieder die Apfel- und Birnenaromen zum Vorschein, um sich mit einer warmen Hefenote in einem grandiosen Finale zu verabschieden. Es ist als wäre man in einem Bäckerladen wo man auch glaubt diese speziellen warmen Aromen am Gaumen zu spüren. Unheimlich weich fühlt sich der Wein auf der Zunge an, steht lange und voll auf ihr, um sich langsam in seiner ganzen Fülle auszubreiten. Er macht Druck ohne schwer zu werden, fühlt sich warm an und gefällt sich in seiner kargen Charakteristik die doch so vielfältig ist. Langsam aber stetig kommen hauchzarte Nussaromen dazu, niemals im Vordergrund auftretend, immer im Hintergrund bleibend. In Kombination mit der Teig- und Hefenote eine sanfte Opulenz, die aber niemals mundfüllend wird. Softgummi auf Diät würde es wohl heissen, müsste man dieses Gefühl beschreiben.

Angemerkt sei an dieser Stelle, dass der Bougros der ‘kleinste’ unter den Grand Crus von Patrick Piuze ist. In Anbetracht dessen was hier bereits im Mund abgeht könnte man das fast als Drohung verstehen. So geschmeidig weich und doch fest und präzise wie sich der Tropfen auf der Zunge ausbreitet, ist das schwer zu glauben. Auch am Gaumen sorgt der Bougros für ein unvergessliches Gefühl. Man spürt den Wein mehr als man ihn schmeckt, man nimmt ihn wahr und ist mit jedem Schluck aufs Neue überrascht ob seiner fleischig-rassigen Charakteristik.

Resümee: Der Bougros ist eine Hommage an das ‘gesunde Speckfältchen’ und lässt jedes ‘Pseudoidealgewicht’ ganz einfach armselig erscheinen. Das ist Chablis für Leute die sich schon lange von den kalten wie auch seelenlosen Massenchablis abgewandt haben. Das ist Chablis mit Charakter, mit Tiefgang und mit grosser Klasse. Der Jahrgang 2011 ist ausverkauft, der 2012er kommt im April. Langes warten kann ins Auge gehen, denn bei den paar Kisten die Patrick Piuze davon produziert ist der Bougros garantiert auch heuer wieder schneller weg als man ‘puh’ sagen kann.

Tipp: Eine halbe Stunde in der Karaffe ist fein, 1 Stunde noch besser. Mit 10-12º trinkt er sich am besten. Fisch und weisses Fleisch begleitet er schlafwandlerisch sicher. Als Solist ein Chablis der einen nicht mehr los lässt.

Einen Bericht über den Bougros lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Chablis Grand Cru ‘Bougros’ 2011 von Patrick Piuze in Chablis, Frankreich. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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