‘Le Trézin’ 2009 Puligny-Montrachet

| 30. März 2014 | 0 Kommentare ...alles

Charmeur mit Kurven, Stil und Rasse.

Die beste Ausrede dafür, seine Ersparnisse unters Volk zu bringen bevor man ‘kalt enteignet’ wird. Grandioser Tropfen, grosses Kino!

Winzer/Weingut: Domaine Antoine Jobard, Meursault, Frankreich..

Lage/Herkunft: Von kalkhaltigen Böden der gleichnamigen Lage auf dem Plateau über Puligny.

Le Trézin Flasche/Etikett: In unschuldigem Weiss klebt ein Etikett auf der Burgunderflasche, das vollkommen auf sich selbst fokussiert ist. In schwarzer Copperplate Gothic steht in der Mitte PULIGNY-MONTRACHET, darunter “LE TRÉZIN” und die Appellation drauf. Der Jahrgang leicht versetzt ober all dem, ebenfalls in schwarz. Am unteren Rand in feiner Typo alles was auf einem Etikett stehen muss, der Name des Winzers Antoine Jobard ist fett gedruckt. Erst auf den zweiten Blick sieht man eine kleine ‘Spielerei’, welche das mehr als schlichte Etikett erheblich aufwertet. Fast über die gesamte Höhe sind die Initialen AJ ganz zart eingestanzt, was ihnen so einen feinen silbrigen Schimmer verleiht. Reduktion ist das Motto und genauso wirkt es auch. Elegant und nur Kennern das vermittelnd, was sich in der Flasche befindet. Auf ein Rückenetikett wird verzichtet. Bevor der Le Trézin angetrunken wird, darf er für eine halbe Stunde Sauerstoff aufnehmen.

Im Glas: Kräftiges Gelb leuchtet aus dem Glas und zeigt ganz feine grünliche Reflexe.

In der Nase: In der Nase zeigt sich der Le Trézin vorab äusserst verhalten. Superfeine Teig- sowie ebenso feine Nussaromen ziehen die Nasenwände hoch. Ein Hauch von Orange begleitet die beiden Aromen, ebenso verhalten wie leise. Alles wirkt noch irgendwie verschlossen und kommt erst nach und nach zum Vorschein. Eine zarte Würze steht über dem Duft, etwas gelb, etwas grün. Langsam mischt sich weisser Blütenduft darunter, es wird mineralischer in der Nase und man glaubt ein wenig Kalk zu riechen. Der Le Trézin macht ein grosses Geheimnis um sich, was ihn umso interessanter vor dem ersten Schluck macht.

Im Mund: Schwarzbraun ist die Haselnuss, heisst es. Diese hier ist weder schwarz noch braun, sondern feinst geröstet, mit etwas Karamell überzogen und einfach göttlich. Genau so kommt der Le Trézin nämlich auf die Zunge. Weich strömt er über die Lippen, zieht eine frische, rassige Säurespur hinter sich her und legt sich mit einem ausgeprägten Haselnussaroma auf der Zunge nieder. Dabei wirkt er füllig, der Le Trézin, zeigt Körper und pulsierendes Leben und fühlt sich relativ warm im Mund an. Wie ein Labello gleitet er auf ihr entlang, macht sich breit, fliesst mit frischer Säure im Haselnusskleid an den Zungenrändern ab. Ein spektakuläres Mundgefühl, das man gerne einfrieren möchte. Im Abgang lebt am Gaumen wieder die frische Säure auf, saugt sich an ihm fest, um sich dann in einem üppigen, mit feinen Teigaromen versetzten Geschmack zu verabschieden. Mit jeder Viertelstunde an der Luft legt der Le Trézin zu und zeigt immer mehr Facetten seiner ausdrucksstarken Persönlichkeit.

Nach einer Stunde hat der Le Trézin eine Konsistenz erreicht, die man durchaus als füllig bezeichnen kann. Dabei ist er aber nicht fett, vielmehr zeigt er sich kraft- und druckvoll im Mund ohne schwer zu wirken. Nichts verliert er von seiner agilen Säure, sie schafft es gekonnt sich tief im Körper des Tropfens einzubinden und von dort heraus Rasse an den Tag zu legen. Bildlich kann man das mit einem Ferrari und einem Bentley, deren Gaspedale man fest nach unten drückt vergleichen. Beide Autos haben mehr als genug an PS, doch bei beiden entscheidet die Übersetzung und das Drehmoment über den ‘Biss’. Der Le Trézin fühlt sich wie der Bentley an und wenn seine opulente Rasse einsetzt, geniesst man es wenn man die ‘Beschleunigung’ im Mundraum spürt. Er geht richtig auf darin, steht fest und trotzdem klar auf der Zunge, legt sich kraftvoll am Gaumen an und sorgt für ein langes Finale mit einem ebenso langen Nachhall. Fast ‘übersieht’ man ob seines beeindruckenden Mundgefühls seine facettenreiche Aromatik. Man schmeckt feine Haselnuss ebenso wie ganz leise Teigaromen, registriert wie fein sich Kalk und Steine bemerkbar machen, wie dezent eine weisse Blütenaromatik darüber steht und wie klar der Wein trotz seiner gewissen Üppigkeit ist. All das wird ständig von einer Säureader begleitet, die, obwohl sie ungemein agil und lebhaft ist, ebenso zivilisiert und vornehm für den totalen ‘Kick’ sorgt.

Resümee: Der Le Trézin ist ein Charmeur, ein gefährlicher. Er hat Kurven, er hat Rasse, er hat Stil und er fühlt sich wunderbar weich im Mund an. Er ist ein Wein zum Verlieben, zum Niederknien. Man verfällt ihm, ob man es möchte oder nicht. Und man wehrt sich nicht dagegen, weil es einfach Spass macht sich diesem Wein bedingungslos auszuliefern. Nach zwei Stunden beschliesse ich die Flasche leer zu machen. Es wäre respektlos den Rest bis zum nächsten Tag aufzuheben. Zu gut, zu beeindruckend, zu sexy, zu viel von allem ist er, der Le Trézin. Ich werde wohl Nachschub brauchen und mein Konto dafür plündern. Knappe 50 Euro kostet die Flasche und wenn man sich schon permanent über die ‘kalte Enteignung’ beschwert, dann ist der Le Trézin die beste Ausrede dafür, seine Ersparnisse unters Volk zu bringen. Grandioser Tropfen, grosses Kino!

Tipp: 30 Minuten sollten Sie ihm Luft gönnen, nach 1 Stunde ist er richtig in Fahrt. 10-12º im Glas sind ideal. Begleitet Fischgerichte ebenso wie weisses Fleisch an feinen Saucen und vieles mehr. Für sich allein genossen einer jener Weine in die man sich unsterblich verliebt.

Einen Bericht über den Le Trézin lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Puligny-Montrachet ‘Le Trézin’ 2009 von der Domaine Antoine Jobard aus Meursault, Frankreich. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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