Brünnerstrassler 2014

| 24. Januar 2016 | 0 Kommentare ...alles

Kategorie “Durstlöscher”

Fröhlich-saftiger Zechwein, der dank luftig-leichter 11,5 PS eindeutig in die Kategorie “Durstlöscher” einzureihen ist. Trinkspass inklusive.

Winzer/Weingut: Zuschmann-Schöfmann, Martinsdorf/Weinviertel, Österreich.

Lage/Herkunft: Aus Rebanlagen mit tiefgründigen Lehm-Lössboden in der Nähe der alten Brünnerstraße.

Bruennerstrassler 2014 Allgemeines: Wenn ein Wiener Brünnerstrassler hört, dann weiss er auf der Stelle worum es geht. Oder einmal ging. Der Brünnerstrassler war, früher, so etwas wie die Ausgeburt des Weinbegriffes “resch”. Da knackte es zwischen den Kiemen wenn man sich so einen höchst säurebetonten Tropfen von der Brünner Strasse am Ostrand von Wien, hinter die Binde kippte. Heute steht so ein Brünnerstrassler am Tisch der Wahrheit und der hat nichts mehr mit dem zu tun was einmal war. Aus Martinsdorf im Weinviertel kommt der längst Wiener Kult gewordene Protagonist. Er entstammt der Serie Erste Freude, zu welcher die jungen, frischen Weine aus dem Hause Zuschmann-Schöfmann gehören. Der Brünnerstrassler 2014 Grüner Veltliner wurde zur Gänze im Stahltank vergoren und ausgebaut und sollte auf jeden Fall innerhalb von ein bis zwei Jahren nach der Füllung vernichtet werden. Wenn er genauso knackig ist wie das beeindruckende, knallgelbe Etikett, dann wird das ein richtig lustiges Vergnügen. Und jetzt heisst es “die Kapsel ab” und rein ins Glas mit dem Wiener Original.

Im Glas: In ziemlich sattem Gelb leuchtet der Brünnerstrassler aus dem Glas.

In der Nase: Frische Apfelaromen ziehen die Nase hoch, im Hintergrund etwas Zitrone, darüber viel Würze und der so typische Pfeffer der für Drehzahl im Riechorgan sorgt. Eher überraschend ist die relative Fruchtbetonung die im Vordergrund steht, sich aber dank der Pfefferwürze in einem dichten, kompakt wirkenden Gefühl bemerkbar macht. Da ist Struktur dahinter, sogar etwas Süsse. Saftige Grapefruit bringt einen Schuss Exotik in die Nasenflügel.

Im Mund: Dunkelgelbrauchig ist die erste Emotion wenn der Brünnerstrassler in den Mund kommt. Auf der Zunge leicht stoffig, kompakt und rau, dann rund. Erst danach ein Schuss Grapefruit, etwas Apfel und ganz viel erdige Würze. Wer allerdings glaubt, dass dieses Gefühl mit Gewicht verbunden sein muss, irrt. Es fühlt sich zwar kompakt an, schwebt aber mehr im Mund als es drückt. Erst nach und nach schmeckt man reifen Apfel und auch die Grapefruit ist jetzt saftiger als zu Beginn. Über die Zungenränder fliesst der Brünnerstrassler mit einer knackig-frischen Säurespur ab und sorgt so für ganz dezenten Speichelfluss. Am Gaumen keck, fruchtig-pfeffrig und ebenso leicht Speichel ziehend. Der Abgang fruchtig, erdig, leicht limettig. Frisch, knackig, saftig.

Was den Brünnerstrassler aber erst so richtig verführerisch macht, ist der zarte Zuckerschweif den er hinter sich her zieht. Gepaart mit den Aromen des saftigen Apfels, der Grapefruit und der kraftvollen Pfefferwürze, ergibt das eine Kombination die ausgesprochen sexy ist. Man spürt wie der Wein rund und saftig auf der Zunge steht, fast voll im Körper wirkt und doch recht leicht ist. Am Gaumen ebenso fruchtig wie auch weich, sehr säurebetont, ohne jetzt als gnadenlos resch durchzugehen. Es ist knackig und es ist erfrischend. Man spielt mit ihm im Mund und man spürt wie rund und g’sund sich alles anfühlt. Im Abgang wird der Tropfen etwas dunkler, ein wenig rauchiger und gelber. Der Nachhall fruchtig würzig.

Wird der Brünnerstrassler etwas “wärmer” im Glas und bekommt er entsprechend Luft, dann verwandelt er sich in einen fast stoffigen Wein. Plötzlich spürt man einen feinen rauen Film auf der Zunge, merkt wie griffig sich das auf einmal anfühlt und beginnt sich vergnügt die Lippen zu lecken. Interresanterweise zeigt sich seine knackig-frische Fruchtigkeit mehr am Gaumen als auf der Zunge, er fühlt sich irgendwie “umgekehrt” an. Erst wenn er den Gaumen verlassen hat bleibt auch auf der Zunge ein letzter Rest von Apfel haften. Damit dieses fröhlich-saftige Trinkvergnügen auch ein solches bleibt, dafür sorgen luftig-leichte 11,5 PS die den Brünnerstrassler eindeutig in die Kategorie “Durstlöscher” befördern.

Resümee: Weniger Alkohol geht fast nicht und mehr Spass in dieser Gewichtsklasse ist auch schwer möglich. Also ran an die Flasche, den Schrauber runter und einfach unbeschwert Spass haben.

Tipp: Schrauber ab und mit 10º geniessen. Als Aperitif, zu kalten Vorspeisen, zu Gebackenem und auch als Solist zum täglichen, unbeschwerten Genuss.

Einen Bericht über den Brünnerstrassler lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner Brünnerstrassler 2014 vom Weingut Zuschmann-Schöfmann aus Martinsdorf im Weinviertel, Österreich.

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Kategorie: Verkostet, Zuschmann-Schöfmann

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