Seeberg 2014 Riesling Kamptal DAC

| 27. Januar 2016 | 0 Kommentare ...alles

Eleganter Tempobolzer

Haftung, süsser Grip, zitronig herb,; der Wein kann beides und das macht ihn spannend. Rasanter Tropfen der mit einem feinen Zuckerhütchen neckt.

Winzer/Weingut: Fred Loimer, Langenlois/Kamptal, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Lage Seeberg, westlich von Zöbing auf ca. 300 m Seehöhe mit Amphibolit und Glimmerschiefer sowie Verwitterungsböden.

Seeberg 2014 Allgemeines: Seit 2013 koste ich mich durch das umfangreiche Sortiment von Fred Loimer aus Langenlois im Kamptal. Seither kann ich nicht genug von seinen Weinen bekommen. Einige haben es mir richtig angetan und zählen heute zu meinen Lieblingen. Auch 2016 geht die Verkostungsreihe weiter und heuer stehen die Ersten Lagen sowie Gereiftes am Programm. Den Anfang macht der Riesling Seeberg 2014, ein junger Hüpfer. Kamptal DAC und 1 ÖTW (Österreichische Traditionsweingüter) sind seine Attribute. Die Lage Seeberg liegt westlich von Zöbing auf ca. 300 m Seehöhe. Amphibolit und Glimmerschiefer sowie Verwitterungsböden, meist kalkfreie Felsbraunerden, stellen den Rebstöcken ihre Nahrung zur Verfügung. Ausgebaut wurde der Seeberg 2014 in großen, gebrauchten Eichenfässern wo er sechs Monate auf der vollen und vier Monate auf der Feinhefe dahin dümpelte. Abgefüllt wurde er im September 2015 und heute steht er bei mir am Tisch der Wahrheit. Bevor er aber in das Glas kommt wird er für eine Stunde in der Karaffe sich selbst überlassen.

Im Glas: Kraftvoll strohgelb steht der Seeberg im Glas.

In der Nase: Exotisch, saftig und sehr reif duftet es darin. Man riecht Ananas, Birnen und Mangos, aber auch ein fetter Pfirsich und Marillen tummeln sich in diesem durchaus üppig-fruchtigen Aromenkorb. Honig quetscht sich zwischen den Fruchtstücken durch und sorgt für eine weiche Spur in der Nase. Ein paar Wiesenkräuter tauchen auf, etwas Thymian, etwas Gras und eine frische Zitrusnote die für Spass im Riechorgan sorgt. Ein überaus komplexer gelbfruchtiger Duft betört die Nase, und weil das alles nicht genug ist, kommt von hinten noch eine sehr subtile erdige Würze dazu. Ein richtiges Aromenspektakel.

Im Mund: Kaum strömt der Seeberg auf die Zunge, entfaltet er sein gelbes Fruchtkleid. Pfirisch schmeckt man, Marille ebenso und erst ganz hinten tanzt die Ananas fröhlich durch die Gegend. Und dann fällt einem die ungemein lebendige Säurespur auf. Belebend, frisch und keck hält sie die gelbe Früchtetruppe gekonnt in Zaum, sorgt für Balance und Ordnung im Mund. Unüberhörbar der Zuckerüberschuss der aus jedem einzelnen Tropfen rausquillt ohne dabei wirklich süss zu sein. Vielmehr steht plötzlich eine ganz feine Üppigkeit auf der Zunge welche irgendwie sehr leicht wirkt. Man spürt den weichen Körper, wie er sich cremig über die Lippen bewegt und doch ist keine Schwere zu erkennen. Ganz im Gegenteil, durch die lebhafte Säure fühlt sich alles fein und lebendig an. Am Gaumen gelbwürzig, extrem frisch und zart von der Zitrone eingepinselt. Leicht kalkig, etwas schiefrig, feine Kräuter. Der Abgang fruchtig, saftig, exotisch, lang.

Luft in rauen Mengen verändert den Seeberg zu einem eleganten wie auch rassigen Tropfen. Der gelben Saftigkeit wird durch die immer mehr in den Vordergrund tretende Säure noch mehr Leben eingehaucht. Die Ananas- und Marillenaromen werden von der Zitrone etwas in den Hintergrund gedrängt und am Gaumen spürt man eine feine herbe Note. Als würde kurz der Kalk austreten und einen Marker auf ihm setzen. Man spürt auf einmal wie griffig der Seeberg an den Lippen ist, feinst stoffig, trocken und würzig. Und richtig rassig. Der Saft ist leicht und schlank geworden, von Üppigkeit ist nichts mehr übrig. Jetzt zischt ein Wein über die Zunge der auf Tempo setzt statt nur dahin zu gleiten. Da ist Fahrt drin, da geht was weiter. Am Gaumen in der Zwischenzeit so richtig mineralisch geworden, salzig wenn er an den Wangen abfliesst und auch im Abgang schmeckt und spürt man eine leichte Salzspur.

Resümee: Ganz leicht erinnert ein zärtlich süsses Zuckerschwänzchen an den sündig saftigen Beginn der Reise. Der Saft ist nach wie vor vorhanden, nur dass er jetzt fast schlank wirkt. Und doch spürt man wieviel Volumen in ihm steckt das er nicht wirklich auspackt. Restzucker mit Haftung, süsser Grip, zitronig herb, der Seeberg kann beides und genau das macht ihn so spannend. Ich wette, dass der Tropfen morgen der pure Mineralikbomber ist aus dem gerade noch ein paar exotische Aromen tropfen. Der abgespeckt bis auf das Grundgerüst ist und sich in seiner ganzen Eleganz präsentieren wird. Aber darüber berichte ich das nächste Mal. Um 30 Euro kann man sich diesen frischen Burschen hinter die Kiemen kippen und sich seinem Finessenreichtum hingeben. Spannungsgeladener Wein für Leute die es gerne rassig haben.

Tipp: Eine, noch besser zwei Stunden in der Karaffe atmen lassen. Mit 12-14º Trinktemperatur geniessen. Asiatische Gerichte, Forelle blau, guten Hartkäse und mehr veredelt der Wein gekonnt. Für sich allein genossen ein rasanter Tropfen der mit einem feinen Zuckerhütchen neckt.

Einen Bericht über den Seeberg lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling Seeberg 2014 Kamptal DAC von Fred Loimer in Langenlois, Niederösterreich.

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Kategorie: Loimer, Verkostet

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