Blaufränkisch ‘Reihburg’ 2009

| 17. August 2012 | 2 Kommentare ...alles

Harmonie die fast schon weh tut.

Wenn einem während des Genusses einfach die Worte ausgehen, dann hat man sicher einen Reihburg in den Gläsern.

Winzer/Weingut: Uwe Schiefer, Welgersdorf im Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von eisenhaltigen Lehm- und Schiefer, sowie Quarz- und Schotterböden der burgenländischen Eisenberg-Region.

Flasche/Etikett: Ein letztes Mal sei angeführt, dass das Corporate Design auf Uwe Schiefers Weinen gnadenlos durchgezogen wird und sich dieser mystisch abstrakte ‘Tropfen’ oder ‘Daumenabdruck’ auch auf der Flasche des Reihburgs befindet. Dessen Bedeutung wir erst jetzt, mit dem letzten Wein herausgefunden haben. Wir haben Uwe Schiefer nämlich gefragt was es damit auf sich hat. Dabei haben wir erfahren, dass es Absicht ist, dass jeder sich dazu sein eigenes Bild machen kann, welches von einem Tropfen über einen Daumenabdruck bis hin zu einer Zunge geht. Welche am Ende die sinngebendste Interpretation und am ehesten die Absicht dieser Grafik sein soll. Diese ‘Zunge’ wird in Folge von einem hellen rot beim leichtfüssigen Eisenberg bis hin zum kraftvollen Reihburg immer dunkler. Fast wie beim Tauchen; je tiefer man abtaucht umso mehr Farben gehen verloren, irgendwann ist alles blau und am Ende wird es ganz dunkel.

In diesem Fall zeugt die ‘Zunge’ in dunkelstem dunkelweinrot mit viel schwarz auf dem weissen Stück Papier die Kraft und Komplexität des Weines an, in Kleinbuchstaben wieder schiefer drauf und das worum es geht ganz klein am Seitenrand. Der Rest am schwarzen Rückenetikett. Das muss genügen, alles andere erzäht der Wein, wie üblich. Bevor der Reihburg aber in die Gläser kommt, wandert er für zwei Stunden in den Dekanter um sich dort so richtig mit Sauerstoff ‘anreichern’ zu können. Soviel Zeit muss sein und sollte dem grossen Wein gegönnt werden.

Im Glas: Nach zwei Stunden kommt der Reihburg ins Glas. Darin zeigt er sich in einem kräftigen, dichten und dunklen granatrot. An den Rändern schimmert es leicht violett, im Kern selbst ist der Wein fast undurchsichtig.

In der Nase: Der komplexe Duft der aus dem Glas strömt fordert die Nase. Da sind rauchige Tabaknoten die man riecht, es duftet nach Kräutern und Gewürzen und ganz dicken, fetten und saftigen dunklen Beeren. Je länger und tiefer ich daran rieche umso mehr kristallisiert sich ein spezielles Aroma heraus, welches ich ad hoc nicht zurodnen kann obwohl es mir sehr vertraut ist. Das ärgert mich. Es ist deutlich mineralisch und am ehesten mit eingemachten Kirschen zu vergleichen.

Im Mund: Endlich darf der Reihburg die Lippen passieren und über diese zieht er weich hinweg. Das erste was mir persönlich auffällt ist eine sehr subtile salzige Note die sich auf der Zunge absetzt. Das ist mal was ganz was Neues und vor allem Unerwartetes. Zum ersten Mal im Mund gefühlt verwirrt der Reihburg etwas. Weil man so etwas nicht jeden Tag ‘spürt’ und schmeckt. Es ist ein ausgeprägt mineralisches Erlebnis und was die Frucht angeht, so ist diese ebenso komplex und vielschichtig wie es schon das Bukett war und ist. Dunkle Beeren schmeckt man, es ist irgendwie ‘röstig’ am Gaumen und eine feine florale Note macht sich breit. Der Reihburg präsentiert sich dicht und saftig, er ist kraftvoll und macht, so fein verwoben wie er ist, doch einen äusserst ‘leichten’ Eindruck.

Auch die saftige Frucht wird niemals breit und allzu füllig, sie wirkt kühl, fein geschliffen und geradzu aufs Wesentliche reduziert um die Balance nicht zu ‘stören’. Suchen Sie Gerbstoffe? Dann werden Sie die Qualität dieser hier einfach lieben. Einfach unglaublich wie fein und integriert sich hier alles zu einem vollkommen harmoischen Orchester zusammenfügt und ein Mundgefühl beschert, das wahrlich anders, sogar irgendwie ‘friedlich’ ist. Was mich persönlich ein wenig ärgert ist, dass ich eindeutig zu wenig Wissen habe diesen Wein aus meiner Sicht der Dinge ‘gerecht’ zu beschreiben und ich verfüge über zu wenig Erfahrung um ‘Grösse im Wein’ tatsächlich kompetent beurteilen zu können. Zu komplex, zu vielschichtig, zu tiefgründig und zu überwältigend ist er für mich. Und das gut so, weil ich auf diesem Wege wieder sehr viel lerne.

Wie schon eingangs erwähnt, zuviel habe ich über den Reihburg gehört und gelesen und all das trifft jetzt unsere Zungen und Gaumen. Dieser Blaufränkisch ist ein Erlebnis und was hier im Mund abgeht ist einfach umwerfend. Der Wein wird immer runder, immer kompakter und dichter am Gaumen und sein rauchiges Wesen wird immer feiner. Je mehr Luft er bekommt umso präsenter wird der Reihburg, setzt Aromen von Bitterschokolade frei und schenkt einem einen Abgang der beeindruckend und ebenso lange ist. Im Nachhall edel würzig, fein mit Holz verwoben und diesen subtilen Kick von Salzigkeit hinterlassend. Das ist bei Rotwein neu und hat was. Schon mal an einem kalten Stein geleckt? So in etwa schmeckt das. Wenn einem die Worte für etwas fehlen sagt man einfach, ‘ich liebe es’. Und genau das tue ich.

Nicht enden will das nobel weiche Gefühl im Mund, welches immer mehr zu einem aussergewöhnlichen Geschmackserlebnis wird, die Zunge nicht aufhören lassen will ‘nachzuschmecken’ und der Gaumen sich vollständig willenlos dem rauchigen, saftigen und dicht verwobenen ‘Geschmack’ ergibt. 13,5% zeugen von Kraft, zeigen sich aber nur sehr verhalten. Vom Eisenberg über den Szapary zum Reihburg.

Resümee: Wenn das die Definition von Blaufränkisch ist, dann müssen sich viele österreichische Winzer und auch französische ‘Bordeaux-Spezialisten’ warm anziehen, wollen sie diesem Angriff auf die ‘alten Werte’ widerstehen. Ich persönlich habe neben zwei, drei weiteren burgenländischen Winzern, bei Uwe Schiefers Interpretationen dieser Rebsorte meine Blaufränkisch-Heimat gefunden. Der Beitrag für soviel Originalität und Einzigartigkeit beläuft sich auf 48 Euro ab Hof und um die 50-60 Euro sind im Fachhandel dafür abzuführen. Mein persönlicher Schluss zu diesem Wein am Ende dieser Sortimentsverkostung: Wer sich aussergewöhnlichen Wein leisten will und kann, der fülle seinen Keller mit dem Reihburg. Wer aussergewöhnliche Weine mag und trotzdem auf den Preis schauen muss, der lagere sich vom Reihburg eine Kiste ein und zelebriere diesen Wein, Jahr für Jahr, zu wirklich besonderen Anlässen und den schönen Momenten des Lebens.

Tipp: Zwei Stunden in den Dekanter, bei 16-18º servieren und dann einfach erleben wie sich der Wein entwickelt und ‘wächst’. Fast zu schade als Essensbegleitung. Das ist Meditationswein für die schönsten Stunden des Tages, des Monats, des Jahres …

Einen Bericht über den Reihburg lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Blaufränkisch ‘Reihburg’ 2009 von Uwe Schiefer aus Welgersdorf im Südburgenland, Österreich.

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Kategorie: Uwe Schiefer, Verkostet

Kommentare (2)

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  1. lieberlecker sagt:

    Sehr, sehr schön beschrieben. Ich hatte das Vergnügen, mal 6 Flaschen im Keller zu haben, aber ach, sie sind alle weg. Mit viel Lust und Freude getrunken. Dieser Wein ist wirklich ein Erlebnis.
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • weinsegler sagt:

      Herzlichen Dank! Und ja, das ist wirklich ein ganz grossartiger und beeindruckender Wein der so richtig Spass macht. Ich bin sicher Uwe Schiefer hat noch ein paar Fläschchen davon im Keller mit denen er gerne ‘aushilft’ um das Vergnügen wieder ‘herzustellen’ :-)

      Liebe Grüsse auch aus Wien,
      Leo aka weinsegler

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