Yvorne 2011 Grand Cru

| 28. Januar 2014 | 0 Kommentare ...alles

Ein echter Charismatiker.

Weich, saftig und mundfüllend regt dieser Tropfen zu küchentechnischen Aktivitäten an. Ein frischer und ebenso charaktervoller Freudenspender.

Winzer/Weingut: Bolle, ‘Collection Chandra Kurt’, Waadt, Schweiz.

Lage/Herkunft: Von durchschnittlich 20 Jahre alten Reben die an steilen terrassierten Weinbergen auf feinen, lockeren Kiesböden des Chablais stehen.

Yvorne 01 Flasche/Etikett: Auch auf der Flasche des Yvorne klebt ein wunderschön gestaltetes Etikett, das aus dem Werk ‘La Grande Année Vigneronne’ von Paul Boesch aus 1935 stammt. In diesem Fall zeigt es Frauen bei ihrer Arbeit an den Rebstöcken und symbolisiert eine Phase der zahlreichen unterschiedlichen Arbeiten in den Weinbergen während eines Jahres. Auf der Seite, die wieder in weiss gehalten ist, steht auch auf diesem Etikett die ‘Kollektionsnummer’, in diesem Fall 02, in orange oben drauf. In der Mitte wieder in schwarzer fetter Typo YVORNE.

Das Rückenetikett ist wie schon das des Luins in elegantemn Grau gehalten. Oben eine kleine Karte mit dem Hinweis wo Yvorne in der Region Chablais liegt, sowie zusätzliche Informationen über die Region, die Rebsorte und auch hier wieder ein paar sensorische Notizen. Auch der Yvorne wandert für eine halbe Stunde in die Karaffe und darf dort ein paar beschwingte Runden drehen bevor er in die Gläser kommt.

Im Glas: Nicht ganz so blass wie der Luins steht der Yvorne im Glas. Er schimmert hellgelb und zeigt auch ausgeprägtere grüne Reflexe. Auch im Duft ist er expressiver, intensiver und noch um einen Deut frischer.

In der Nase: Deutliche Zitronennoten strömen die Nase hoch, begleitet von erfrischender Aromatik weisser Blüten. Als kraftvoll kann die Mineralik beschrieben werden die im Glas ihre Runden dreht. Weiches Honigaroma steigt hoch und lässt alles ein relativ rund erscheinen. Es ist ein animierender Duft der sich an den Nasenwänden festsetzt und für ein saftiges gelbgrünes Geruchserlebnis sorgt.

Im Mund: Man schmeckt ihn und man spürt ihn, den Honig. Sehr weich fliesst der Yvorne über die Lippen und sofort setzt er am Ende der Zunge eine Honignote ab. Völlig auf die Mitte fokussiert zieht er mild und doch kraftvoll und dicht über sie weg. Er ist einerseits fast spritzig auf der Zungenspitze, macht dann aber angenehm Druck im Mund, zeigt eine gewisse Fülle und fühlt sich an wie ein weiches Kaubonbon. Am Gaumen zeigt der Yvorne eine elegante Herbheit. Sie wirkt verhaltener als jene des Luins, was aber an der generell dichteren, fülligeren Struktur liegt. Der Yvorne wirkt runder und wird seinem Beinamen ‘der Charismatische’ vollauf gerecht. Er ist charismatisch, ist saftig, dicht und voll weisser Aromatik. Das Mundgefühl ist komplexer als das des Luins und auch im Abgang und im Nachhall wirkt der Yvorne ausgereifter, körperreicher und erwachsener.

Der Yvorne macht Spass im Mund, soviel steht fest. Es ist seine üppige Statur, welche aber alles andere als mollig ist, die für einen ausgeprägten Spieltrieb der Zunge sorgt. Sie geniesst es wenn diese spritzige Frische auf ihr eintrifft und sticht sofort in den saftigen Körper rein um die gelbe und weisse Aromatik voll auszukosten. Es ist nicht fruchtig, es ist diese Honignote die für dieses gelbe Gefühl auf der Zungenspitze sorgt. Auch am Gaumen spürt man diese und erst dann, wenn es etwas herber wird, schmeckt man einer kräftigen Mineralik hinterher. Fast scheint es als würde sich ein Staubfilm über ihn legen und dazwischen strömen Limetten und Akazien mit.

Resümee: Er regt zum ‘süffeln’ an, der Yvorne, man rollt ihn von links nach rechts und wieder zurück, lässt ihn lange in seiner Fülle auf der Zunge stehen und spürt dabei sein pulsierendes Leben das in diesem runden Körper stattfindet. Man schmeckt das Weisse ihn ihm, man schmeckt das Blütenhafte. Und man schmeckt die ausgeprägte Mineralik die übrig bleibt sobald der Wein seinen letzten Weg gegangen ist. Der Yvorne ist in der Tat äusserst charismatisch, hat ein fast exaltiertes Wesen und beeindruckt mit seiner ausgeprägten Dichte und komplexen Fülle. Und er regt den Appetit dermassen an, dass man unverzüglich das Kochwerkzeug auspacken und die Küche in ein Schlachtfeld verwandeln möchte. Um die 23 Franken kostet das Vergnügen und ich roll´ mir jetzt eine Lage Sushi. Da passt er nämlich perfekt dazu.

Tipp: 30 Minuten Luft tun ihm gut. 8-10º sind ideal. Nicht wärmer werden lassen. Forelle, Hecht und sonstige Süsswasserflossler begleitet er vorzüglich, zu Sushi ist er der totale Star. Als Solist geniesst man ihn ihn seiner vollen ‘Charismatik’.

Einen Bericht über den Yvorne lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Yvorne 2011 Grand Cru aus der Collection Chandra Kurt by Bolle aus dem Waadtland in der Schweiz.

Tags: , , , , ,

Kategorie: Chandra Kurt, Verkostet

Ihr Kommentar