Vogelsang 2013 Lagenselektion

| 18. Oktober 2014 | 0 Kommentare ...alles

Weit entfernt von Paprikagetöse.

Sauvignon Blanc der Spass macht, Klasse hat und sich vom banalen und nervenden Paprikagetöse so mancher Artgenossen wohltuend unterscheidet.

Winzer/Weingut: Herbert Zillinger, Ebenthal/Weinviertel, NÖ, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Lage Vogelsang mit leichten kalkreichen Böden, die von Sand, Sandstein und Löss durchzogen sind .

Vogelsang Flasche/Etikett: Noch ein vorletztes Mal ziert das bereits bestens bekannte, mich persönlich immer wieder an Zorro erinnernde blütenweisse Etikett die klassische Burgunderflasche. Zahlreiche in sich verschlungene und ineinander greifende schwarze Zs stellen den Rahmen für den in kupfergold eingedruckten Namen VOGELSANG dar. Name und Lage quasi in Personalunion. Oben und unten zwei überdimensionale dicke Zs und am unteren Rand wieder, ebenfalls in kupfergold, Sauvignon Blanc – Lagenselektion. Darunter Weingut Herbert Zillinger und fertig ist das blütenweisse Stück Papier, das so verspielt und doch so elegant wirkt. Auf dieser Flasche fehlt ein Rückenetikett das Aufschluss über mehr gibt und ich weiss nicht, ob es einfach nur vergessen wurde oder ob es Absicht war darauf zu verzichten. Auch der Sauvignon Blanc kommt für eine Stunde zum Akklimatisieren in die Karaffe, um sich dann in seiner ganzen Pracht präsentieren zu können. Ich bin bereit, das Glas auch und es kann losgehen.

Im Glas: In hellem strohgelb leuchtet der Vogelsang aus dem grossen Kelch.

In der Nase: Ungewöhnlich dicht und weich fühlt er sich in der Nase an. Eindeutig als Sauvignon Blanc erkennbar und doch komplett anders, weil es so üppig und rund riecht. Grüner Paprika, nicht frisch geschnitten sondern püriert und damit weich, mild und mollig im Riechorgan. Frische Wiese, etwas Lehm und grüne Stachelbeeren duften leise und verhalten aus dem Glas heraus. Entschleunigter Geruch, seiner Höhen entledigt und leicht gedämpft, fühlt es sich warm und fest in den Nasenflügeln an. Wie schon beim In Haiden sind es auch beim Vogelsang die leisen Töne, die hier für Unterhaltung sorgen.

Im Mund: Mild wie ein Labello zieht der Vogelsang weich über die Lippen und noch bevor er auf der Zunge landet, entledigt er sich einer festen Säureader am hinteren ‘Ausgang’. Der Wein setzt sich augenblicklich am hinteren Ende der Zunge ab und wandert dann erst langsam nach vor. So ist zumindest das Gefühl das er hinterlässt. Rund mit einem dezenten Fettpölsterchen an den Rippen ist er im Mund, nicht dick und auch nicht mollig, und vor allem mit einer Säure unterfüttert die für reichlich Speichelfluss an den Backen und letztlich auf der Zungenspitze sorgt. Es ist kräutrig, es ist grün, es ist ‘wiesig’ und herrlich weich im Mund. Am Gaumen warm, ein wenig lehmig und im Abgang fruchtig, mineralisch und dank einem lebhaften Schuss Säure auch entsprechend frisch und rassig.

Nach zwei Stunden an der Luft hat sich der Vogelsang komplett verändert. Leicht speckig und etwas rauchig ist er geworden, dabei aber weiterhin kräutrig-grün in der Aromatik geblieben. Auf der Zunge ist er noch weicher und milder, vor allem aber mineralischer und straffer. Die Säure ist ein wenig abgeflacht, ist milder geworden und man spürt den Wein jetzt intensiver im Mund. Staubiger Schotter taucht auf, es prickelt richtig am Gaumen, es ist knackig geworden. Überraschenderweise kommen jetzt auch saftige Aromen von Stachelbeeren durch und sorgen dank ihrer leicht säüerlichen Note für freche Begleitmusik. Der Vogelsang ist wieder so ein Sauvignon Blanc den man zwar blind als solchen erkennt, der aber vollkommen konträr zur lauten Fraktion industriell hergestellter Krachmacher ist. Er ist weich, er ist mild, er ist warm und füllig, vermittelt Wohlgefühl im Mund und begeistert einfach. Rund in der Textur, dicht verwoben und doch, dank frischer Säure, in gewisser Weise sogar fragil. Man denkt man hätte mehr im Mund und bemerkt erst am Ende wie fein der Tropfen eigentlich ist.

Resümee: Der Wein ist knackig, ohne Zweifel. Er ist frisch, lebahft, würzig-wiesig, mineralisch und der Tick von Stachelbeere haucht ihm jene Dosis Frucht ein, die ihn zu einem harmonischen Ganzen vereint. Am Gaumen zieht er einen lebendigen, Frucht/Säure-Schweif hinter sich her und im Abgang spürt man noch einmal diese grün-kräutrige Note, welche sich in weisser Mineralik auflöst. Was bleibt ist ein weiches Gefühl im Mund, ein Nachhall in saftigem Grün, versetzt mit einem Tick Extrakt und weich einbalsamierte Lippen. Und bevor der Vogelsang ganz weg ist, drückt er noch einmal auf die Säuredüse und schiesst einen Spritzer Zitrusnote hinterher. Einfach toll. Sauvignon Blanc der Spass macht, der Klasse hat und sich vom banalen und nervenden Paprikagetöse so mancher Artgenossen wohltuend distanziert. Es geht auch leise, gemächlich und ohne jeden Lärm. Feiner Stoff für feinen Genuss.

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe atmen lassen. 12-14º Trinktemperatur sind perfekt! Zu Gemüse, zu Fisch und kräftigen Salaten. Für sich allein genossen ein herrlich entschleunigter Begleiter.

Einen Bericht über den Vogelsang lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Sauvignon Blanc ‘Vogelsang’ 2013 Lagenselektion vom Weingut Herbert Zillinger in Ebenthal im Weinviertel, Niederösterreich.

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Kategorie: Verkostet, Zillinger

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