Spätburgunder ‘Handwerk’ 2010 – Sven Leiner

| 14. April 2012 | 0 Kommentare ...alles

Zartmittelhellrot und richtig fruchtig.

Ist er einer oder ist er keiner? Das ist hier die Frage. Ein Spätburgunder zwischen den Farben. Dunkelrosé oder hellrot. Man weiss es nicht genau.

Winzer/Weingut: Sven Leiner, Weingut Jürgen Leiner, Ilbesheim/Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von den Lehm- und Lössböden vom Sonnenberg, der unmittelbar an den Pfälzer Wald grenzt.

Flasche/Etikett: Auf der Burgunderflasche klebt wie bei allen anderen Weinen der Leinerschen ‘handwerk’-Linie ein weisses Etikett mit quietschorangen und schwarzen Klecksen. So ungewöhnlich diese Farbkomposition und das Design des Stücks Papier sind, so erfrischend fröhlich wirken beide auf der Flasche.

Wie auf allen anderen Etiketten dieser Linie wird auch auf dem hier mit dem Wort *Hagel 9. Juni 2010 Bezug auf die Vorkommnisse in diesem Jahr genommen. Als man den Verlust eines Grossteils der Ernte 2010 zu beklagen und kompensieren hatte und wie der Wein durch Unterstützung befreundeter Winzer, die Teile ihres Leseguts aus verschiedensten Pfälzer Lagen Sven Leiner überlassen haben, am Ende doch noch zustande kam.

Zur kurzen Belüftung haben wir den Wein für 30 Minuten in den Dekanter umgefüllt und ihn ein wenig atmen lassen. Danach war er bereit seinen ‘letzten Gang’ anzutreten.

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Im Glas: Im grossen Burgunderkelch steht der Wein in einer Farbe, die zwei Fragen aufwirft. Ist das ein Rot eines Rotweins dem die Farbe ausgegangen ist, oder ist das ein Rosé der einfach zu rot geraten ist? Faszinierend hell und transparent leuchtet dieses eigenartige ‘zartmittelhellrot’ aus dem Glas.

In der Nase: Das Bukett duftet nach reifen Beeren. Eine feine Holznote begleitet diesen fruchtigen Duft. Ansprechend, inspirierend und leicht strömt er aus dem Kelch und verbreitet gute Laune und Vorfreude auf den ersten Schluck.

Im Mund: Etwas ganz anderes als man erwartet hätte. Es ‘rieselt’ wieder am Gaumen und die feinen körnigen Tannine leisten hervorragende Arbeit. Im Zusammenspiel mit einer straffen und aktiven Säure zeigen die beiden wie man fein abgestimmt ein Duett singt. Eingebunden in eine weiche, von Frucht leicht getränkter Holznote, präsentieren sich die seidigen Gerbstoffe äusserst angenehm auf der Zunge und am Gaumen. Staubtrocken ist der Spätburgunder und man hätte ihn ob seiner Farbe völlig anders eingeschätzt. Ein Beispiel mehr wie man sich irren kann. Man merkt, dass der Wein noch relativ jung ist, hat aber schon eine gute Ahnung davon, was da in ein, zwei Jahren aus der Flasche kommt. Wenn alles miteinander ‘verschmolzen’ ist und eine echte Einheit bildet. Eine schöne Vorstellung ist das.

Doch auch jetzt schon macht der Spätburgunder richtig Spass. Man spürt das Leben in ihm, wie sich die Gerbstoffe ihren ‘Platz an der Sonne’ suchen und wie schön mineralisch und fruchtig die lebendige Säure unterstützt wird. Es ist kein allzu langer Nachhall der einem beschert wird, was deshalb unweigerlich zum kontinuierlichen ‘nachkosten’ animiert. Insgesamt ist der Spätburgunder kühl in der Wahrnehmung, welche sich daurch auch recht aktiv und frisch anfühlt. Das feine Holz als ‘Begleitschutz’ tut sein Übriges und die in straffe, aber nicht dominierende Säure eingebundene Frucht lässt den Tropfen so richtig aufleben.

Nach einer Stunde in der Karaffe öffnet sich das Bukett merklich und gibt noch mehr reife Fruchtaromen frei. Was bleibt ist die weiche Holznote in der Nase die ihn wunderbar rund macht. Sehr präsent sind nach wie die Gerbstoffe welche in schöner Harmonie mit der Säure die Zunge umspülen und Textur auf den Gaumen bringen. Sie drücken sich nicht durch Pelzbelag aus, vielmehr packen sie kurz kräftig zu und verflüchtigen sich in einem trockenen fruchtigen Finale, das so rasch wie möglich wiedererlebt werden möchte. Ein süffiger Spätburgunder der seinem Schicksal schneller entgegen fliesst als ihm lieb ist.

Resümee: Es macht grossen Spass diesen Wein der ‘Handwerk’-Linie im Glas zu haben und je mehr Weine Sven Leiners ich verkoste, desto mehr werde ich ein echter Fan seiner Tropfen. Wie bei allen anderen Weinen ist hier nichts was gekünstelt wirkt oder ist. Auch dieser Spätburgunder ist ein Bekenntnis zu ‘natürlichem’ Wein der nicht versucht angepasst in die Matrix unserer Geschmackswahrnehmung zu passen. Hier wird Charakter, Persönlichkeit und Individualität gelebt und auch gezeigt. Ohne Rücksicht auf das was ‘man’ über einen redet und von einem erwartet. Die lächerlichen 8 Euro ab Hof für einen Spätburgunder dieser Machart sind bestenfalls ein Mindestbeitrag an Wertschätzung und sollten keiner langen Entscheidungsfindungen benötigen.

Tipp: Servieren Sie den Spätburgunder am besten zwischen 14º und 16º zu herzhaften roten Fleischgerichten oder reifem Weichkäse.

Einen Bericht über den Spätburgunder ‘Handwerk’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Spätburgunder ‘Handwerk’ 2010 von Sven Leiner aus Ilbesheim in der Pfalz, Deutschland.

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Kategorie: Sven Leiner, Verkostet

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