Scheurebe 2011 Q.b.A.

| 27. September 2012 | 0 Kommentare ...alles

Grapefruit auf ‘pikante’ Art.

Purer, unverfälschter Trinkspass der einem ein fröhliches und zufriedenes Lächeln ins Gesicht zaubert. Wein zum Trinken!

Winzer/Weingut: Wagner-Stempel, Siefersheim/Rheinhessen, Deutschland.

Lage/Herkunft: Aus verschiedenen Lagen der Siefersheimer Weinberge, größtenteils sandiger bis steiniger Lehm mit Porphyrverwitterungsgestein im Untergrund.

Flasche/Etikett: Die lange Schlegelflasche ziert ein gediegenes, elegantes gelbliches Etikett mit in gold aufgebrachtem Namen des Weinguts Wagner-Stempel. Den Bindestrich ersetzt eine Säule wie man sie in alten Gewölbekellern, Arkadenhöfen oder ähnlichen Gebäuden findet. Darunter klar und ohne jeden Schnörkel einfach Jahrgang, Rebsorte und der Hinweis ‘trocken’. Schlichtheit ist das Motto und vermittelt auf diese Weise einen umso eleganteren Eindruck

Was es über den Wein selbst zu wissen gibt erfährt der interessierte Weinfreund ausführlich am Rückenetikett. Weinbaugebiet, Rebsorte, Qualitätsangaben und natürlich auch der Hinweis, dass man Mitglied des VdP ist. Als wichtige Info am unteren Rand der Vermerk, dass dieser Wein aus Trauben aus der Umstellung auf ökologischen Landbau stammt. Ein umfüllen in die Karaffe ist nicht nötig und deshalb wird die ‘scheue Rebe’ unverzüglich in die Gläser überführt um sich ihrer anzunehmen.

Im Glas: Dort funkelt es dann leuchtend gelb, strahlt förmlich aus dem Kelch heraus und es schimmert ganz leicht gelbgrün.

In der Nase: In die Nasenflügel hüpfen einem frische Grapefruitaromen, etwas zitroniges ist dabei und es duftet expressiv und saftig aus dem Glas. Dabei fühlt es sich aber nicht hart und kalt in der Nase an, die Aromen haben Kraft, sind dicht verwoben und fühlen sich weich an. Fast könnte man sagen es riecht pikant und irgendwie erinnert mich dieses Bukett an einen speziellen Sauvignon Blanc den ich vor einiger Zeit verkostet habe. Die dominierenden Grapefruitaromen lassen einem jedenfalls auf der Stelle das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Im Mund: Nachdem genug geschnüffelt wurde ist es Zeit den Tropfen auch im Mund zu spüren, wo er augenblicklich für eine unerwartete Überraschung sorgt. Nichts stahlig Hartes oder Kaltes trifft auf die Zunge, sondern ein weicher Wein fliesst saftig über sie hinweg. Es fühlt sich füllig an was man da spürt und richtig mineralisch. Keine Fruchtexplosion am Gaumen, vielmehr knochentrockener Charme in Form von Schmelz und attraktiver Säure. Da hämmert sich kein seelenloser Tropfen seinen Weg zum Gaumen frei, die Scheurebe wirkt fast ‘vorsichtig’ auf der Zunge, ist sanft und cremig und fliesst seidig weich mit in Trockenheit gehülltem Saft über den Gaumen in die Kehle. Viel Fülle, viel Körper hat sie, die ‘scheue Rebe’, aber niemals wirkt sie plump oder einfach künstlich aufgepimpt.

Ihre lebendige Säure verleiht der Scheurebe ein attraktives Wesen, macht sie frisch und sorgt so für ein saftig-erfrischendes Mundgefühl. So sehr fruchtbetont sie im Duft ist, so mineralisch dominiert ist sie geschmacklich. Während sie auf den Lippen noch frisch und fruchtig wirkt und ebenso über die Zunge gleitet, verwandelt sie sich im Abgang und im Nachhall zu einem mineralisch geprägten Wein der mächtig Spass macht. Das trockene, aber trotzdem saftig bleibende Finale macht die ‘Rheinhessin’ zu einer fröhlichen und beschwingten Weinerscheinung.

Resümee: Was hier im Mund die Zunge und den Gaumen ümspült ist nichts Überdrüberfliegendes, nichts aussergewöhnlich Erhabenes, es ist einfach purer, unverfälschter Trinkspass der einem ein fröhliches und zufriedenes Lächeln ins Gesicht zaubert. Das ist Wein zum Schlempern, wobei er nicht zum Schütten, sondern vielmehr zum reuelosen Trinken ist. Nachdem ich bereits zugegeben habe, dass ich deutsche Weine in der Vergangenheit sträflich vernachlässigt habe bekunde ich hiermit, dass dieser Tropfen mein persönlicher Einstieg ins Reich deutscher Weine sein soll und ich in Zukunft mehr davon kennenlernen will. Die 12,5% und die perfekt eingebundene Säure machen diesen Wein zu einem bekömmlichen Tropfen, wenngleich man bekömmlich ja nicht mehr sagen darf. Ich tue es trotzdem weil ich unter ‘bekömmlich’ etwas anderes verstehe als die Hüter irgendwelcher Paragrafen. Nicht einmal 9 Euro kostet dieser unkomplizierte Weinspass was ihn noch ein Stück liebenswerter macht.

Tipp: Am besten bei 8-10º servieren. Einfach Flasche aufmachen und ab ins Glas mit dem Freudenspender. Universeller und unkomplizierter Begleiter zu vielfältigsten Küchenkreationen oder einfach solo zum Vergnügen.

Einen Bericht über den Scheurebe lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Scheurebe trocken 2011 Q.b.A. Wagner-Stempel aus Siefersheim in Rheinhessen, Deutschland. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

Tags: , , ,

Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

Ihr Kommentar