Amigne du Valais AOC 2011

| 28. September 2012 | 0 Kommentare ...alles

Invasion der Mandarinen.

Macht kurz und frech auf Frucht und schaltet ohne Vorankündigung auf ‘Sahara-Modus’ um. Walliser Weinpersönlichkeit mit Wohlfühlfaktor.

Winzer/Weingut: Madeleine Gay ‘Collection Chandra Kurt’, Wallis, Schweiz.

Lage/Herkunft: Aus dem schweizerischen Kanton Wallis.

Flasche/Etikett: Im bereits bekannten nostalgischen Design klebt auf der Flasche das turmhohe Etikett. Rein von der Optik her betrachtet gehört es für mich persönlich zu den schönsten Weinetiketten die es aktuell gibt. Es werden Erinnerungen ‘angezapft’, das ausgebleichte Stück Papier das Omas Reisedokumenten ähnelt, bleich, vergilbt und abgenutzt, ist Nostalgie in Perfektion. AMIGNE steht in ausgefransten Kapitalen oben und ein ebenso ausgebleichtes Bild einer Weinarbeiterin komplettiert dieses romantische Etikett.

Als eleganter Abschluss ziert ein rotes Stück Banderole das einem Lesezeichen ähnelt das Etikett, welches dem Stück Papier endgültig urkundlichen Charakter verleiht. Collcetion Chandra Kurt in silber aufgedruckt und mit dem Bild der Weinautorin versehen. Bevor der Amigne in die Gläser kommt darf er in der Karaffe eine halbe Stunde atmen und in der Zwischenzeit unsere Vorfreude auf ihn entsprechend ‘anheizen’.

Im Glas: Gelb wie Stroh steht der Amigne im Glas, fast golden wirkt er. An der Innenwand schmiert er fest und lange ab und hinterlässt einen fetten Film darauf.

In der Nase: Kaum steckt die Nase im Glas fühlt es sich an als wäre man in einen Bottich voll mit Mandarinen gestürzt. Intensiv, fleischig-fruchtig, saftig, betörend süss riecht es darin. Über dem ganzen Saft der sich in der Nase festsetzt schwebt ein feiner Hauch von pikanter Würze. Oh Mann, ist das ein Aroma! Man dreht die Zunge schon im Kreis obwohl man den Wein gerade mal in der Nase hat und vom Schmecken noch weit entfernt ist. Am liebsten würde man den Amigne gleich direkt durch die Nase trinken.

Im Mund: Hat man aufgrund des betörenden Buketts erwartet von einem süssen Wein überrumpelt zu werden, so zeigt sich der Amigne im Mund von seiner anderen Seite. Knochentrocken strömt er auf die Zunge, ist dabei aber saftig, weich und cremig. Aber nicht süss. Bis auf einen kleinen Rest der sich betont verhalten gibt und erst im ‘nachschmecken’ so richtig zum Vorschein kommt. Überraschenderweise schmeckt der Amigne eher herb-würzig denn primär fruchtig, wenngleich Pfirsich- und Mandarinenaromen sehr schön ausgebildet und definiert sind. Es fühlt sich füllig an im Mund, körperreich und rund. Kaum hat man sich daran gewöhnt muss man zur Kenntnis nehmen, dass trotz dieses durchaus mächtigen Auftritts, der Wein in Windeseile verdunstet. Wie zu erwarten war haben wir mit dem Amigne eine weitere ganz spezielle Weinpersönlichkeit im Glas.

Mit zunehmender Luft zieht sich der intensive Duft des Amigne zurück und wird ein wenig herber, ohne jedoch seine typische Mandarinennote zu verlieren. Sie ist jetzt nur verhaltener und tiefer eingebunden. Die Zunge hüllt der Tropfen in ein saftiges, aber durchaus herbes Kleid und hinterlässt sogar einen fast ‘bitteren’ Ton auf ihr. Ein sehr schönes, spannendes Gefühl. Am Gaumen zieht der Amigne einen ebensolchen herben Film hinter sich her und endet in einem pikanten, leicht süsslichen Finale mit einem Schuss Pfirsich im Gepäck.

Resümee: Es ist rund im Mund, es ist weich, es ist cremig, saftig, konzentriert. Und doch sorgt die herbe Note des Amigne dafür, dass sich dieses Gefühl nicht ‘zu wohlig’ anfühlt. Er hat Kraft und Saft, ganz ohne Zweifel, seine Trockenheit und diese herbe Note aber machen ihn zu einem äusserst delikaten Zeitgenossen. Mit seinen 14% ist der Amigne alles andere als ein Leichtgewicht, das merkt man auch. Ich würde ihn sogar als ein wenig ‘gefährlich’ bezeichnen, weil gerade diese Trockenheit einen permanent dazu verleitet ‘nachzukosten’. Mir gefällt der Amigne ausserordentlich gut, weil er ein Wolf im Schafspelz ist und weil er kurz und frech auf Frucht macht um blitzschnell auf ‘Sahara-Modus’ umzuschalten. Um durchschnittlich 17 Euro gibt es diesen Walliser Weinschatz käuflich zu erwerben und jeden einzelnen davon ist er auch wert.

Tipp: Lassen Sie den Wein eine halbe Stunde atmen und geniessen sie ihn bei 10-12º zu Sushi, Fisch und Federvieh-Gerichten.

Einen Bericht über den Amigne lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Amigne du Valais AOC 2011 aus der Collection Chandra Kurt von Madeleine Gay aus dem Wallis in der Schweiz.

Tags: , , , ,

Kategorie: Chandra Kurt, Verkostet

Ihr Kommentar