Rosé Sekt Brut Kloster am Spitz

| 18. Juli 2015 | 0 Kommentare ...alles

Gelungenes Blasenexperiment

Nicht rosa sondern lachsorange, nicht süss sondern staubig, nicht fruchtig sondern floral-herb. Alles anders, alles gut. Blubb with style.

Winzer/Weingut: Kloster am Spitz, Purbach im Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von lehmigen, sandigen Muschelkalkböden im Neusiedlersee-Hügelland.

Rosé Brut Flasche/Etikett: Gross und weiss, mit dem bereits bekannten goldenen Patriachenkreuz, klebt das Etikett auf der klassischen Burgunderflasche. In der Mitte und unterhalb in grossen goldenen Kapitalen KLOSTER AM SPITZ sowie ebenfalls ganz gross, ROSE – BRUT, in schwarz. Thomas Schwarz darunter und fertig ist das edle wie auch elegante Teil. Alles wieder komplett zentriert. Mehr ist nicht nötig, was sonst noch unbedingt dem werten Weinfreund mitgeteilt werden muss und soll, findet dieser am kleinen weissen Rückenetikett. Oben rechts wieder das Bio-Siegel, sowie der Hinweis “Sekt aus traditioneller Flaschengärung” und unten luftige 12,5 PS die der Blubber unter der Haube hat. Abgerundet wird die elegante Erscheinung von einer blütenweissen Halsmanschette. Da der Sprudel bereits bestens gekühlt ist und ich nicht länger warten will, wird er jetzt von seinem Kork befreit und seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt. Möge der Sonntag mit reichlich Sonne und rosarotem Sprudel zum gelungenen Feste werden.

Im Glas: Alles andere als rosa sprudelt der Sekt lebendig im Glas vor sich hin. Eher hellorange wie frischer Lachs. Hellorangerosa trifft es wohl am ehesten.

In der Nase: Es duftet nach rosaroten Blüten, nach ebensolcher Grapefruit und ganz leicht nach frischen, nicht ganz reifen Erdbeeren. Etwas Preiselbeere ist dabei, auch ein wenig Zitrus. Es riecht durchaus fruchtig, zeigt aber auch eine ganz feine Steinigikeit im Hintergrund. Ich bin gespannt wie weit “zero dosage” hier getrieben wurde, weil es letztlich doch nach etwas Süsse duftet.

Im Mund: Überraschung! Dank extrem lebendiger Säure. Die kommt nämlich in einem Gemisch aus Blüten, Grapefruit und Staubigkeit auf die Zunge. Von den angegebenen 7g Restzucker ist so gut wie nichts zu merken. Die höchst agile Säure übertönt alles leichtfüssig und sorgt für Zirkus im Geschmackszentrum. Mit Grapefruit-Erdbeer und einem Schuss Croissant hinten raus, so zieht der Sprudel über den Gaumen. Auf der Zunge pulsiert er leise vor sich hin, zeigt feines Mousseux mit grossem Wohlfühlfaktor. Frisch steht der Sekt im Mund, geht trotz einer gewissen Fülle aber locker als schlank durch. Keinswegs mit Fruchtaromen überladen, sorgen eher zarte Blütentöne für eine leicht herbe Dominanz im Mund. Gefühlt eher richtig trocken denn ausgereizter Brutcharakter. Im Abgang wieder etwas Erdbeere, vermengt mit weissem Kalkstaub.

Je länger man sich mit dem Rosé-Sekt Brut im Mund spielt, umso interessanter wird er. Rhabarberaromen tauchen irgendwo ganz weit hinten am Gaumen auf, es wird floraler, was an Erdbeeren vorhanden ist, ist mehr hell denn reif. Es fühlt sich frisch am Gaumen an, ist eher zitrusfruchtig, wenn schon, und irgendwo ganz hinten trampeln ein paar Preiselbeeren durch die Gegend. Als wären sie auf der Suche nach dem verlorenen Wiener Schnitzel. Blaufränkisch und Syrah; vielleicht ist es gerade diese Mischung, die ja alles andere als “üblich” ist, die dem Sprudel seine aussergewöhnliche Charakteristik verleiht. Auf der Zunge ein fröhlich-lebendiger Wein, leicht pulsierend, niemals nervend. Am Gaumen weniger von Frucht, dafür umso mehr von Stein und Kalk, von Blütenaromen und generell floralen Elementen dominiert.

Mehr und mehr kommen mit der Zeit auch Aromen von Kirschen hinzu. Es ist durchaus rotfruchtig, doch steht die Säure wie der Zerberus vorm Tor zur Unterwelt davor und lässt erst gar keine süssen Attitüden aufkommen. Der Sprudel lebt von rosa Blüten die in weissen Kalk getaucht sind, basta. Frucht darf mitspielen, hat aber keinen Auftrag jemals in den Strafraum zu kommen, noch viel weniger ein Tor zu schiessen. Es ist ein eigener Geschmack, einer den man von österreichischem Sekt vielleicht so nicht erwarten würde. Was andererseits wohl wieder daran liegt, dass hier keiner mit Syrah herum spielt.

Resümee: Der Rosé-Sekt Brut von Thomas Schwarz ist somit ein äusserst interessantes wie auch gelungenes Blasenexperiment, das sich ohne Zweifel zehnmal besser für einen heissen Sommertag eignet als so viele, eher an perlenden Fruchtsaft erinnernde Sprudel. Nicht rosa sondern lachsorange, nicht süss sondern staubig, nicht fruchtig sondern floral-herb. Alles anders, alles gut. Blubber with style.

Tipp: 8º und rein ins Weinglas (nicht in die Föte). Zu Meeresfrüchten und gegrilltem Fisch ein passender Begleiter. Auch zu regionalen Grill- und Bratgerichten niemals falsch. Oder einfach als Aperitif, oder überhaupt für sich allein genossen.

Einen Bericht über den Rosé-Sekt Brut lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Rosé-Sekt Brut vom Weingut Kloster am Spitz in Purbach, Burgenland, Österreich. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Verkostet

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