Riesling Stolzenberg 2014 GG

| 4. August 2018 | 0 Kommentare ...alles

Der totale Suchtstoff

Wenn Vielschichtigkeit auf einen Riesling trifft, dann wohl auf diesen. Ein Schauspiel feinster Güte.

Winzer/Weingut: Heymann-Löwenstein, Winningen, Mosel, Deutschland

Lage/Herkunft: Von einer Lage mit bis zu 70% Hangneigung, die von graubraunem Devonschiefer durchzogen ist.

Stolzenberg 2014 Grosse Lage Allgemeines: Reinhard Löwenstein war einer der ersten in Deutschland, der auf wilden Umgebungshefen vergor und seine Moste bewußt auf der Maische stehen ließ. Höhere Phenolgehalte und ein Mehr an Mundgefühl waren das Ergebnis, seine Weine waren und sind (noch immer) anders. Am Weingut Heymann-Löwenstein in Winningen an der Terrassenmosel schwamm man immer schon gegen den Strom, heute werden Connie und Reinhard Heymann-Löwenstein als Vordenker und Vorbilder einer neuen Winzergeneration gefeiert, ihre Rieslinge zählen zu den besten des Landes. Ich habe einen davon hier am Tisch der Wahrheit stehen, den Riesling Stolzenberg GG 2014. Eine Lage mit bis zu 70% Hangneigung die von graubraunem Devonschiefer durchzogen ist. Ausgebaut im traditionellen Holzfass und, natürlich spontan vergoren. Für eine Stunde kommt der Stolzenberg jetzt in die Karaffe um sich an seine neue Umgebung zu gewöhnen, danach kann´s losgehen mit dem Terrassenmoselriesling.

Im Glas: Golden wie Rapunzels Haar leuchtet der Stolzenberg aus dem Glas heraus.

In der Nase: In die Nase hüpft einem dunkler, intensiver Schieferrauch wie er besser nicht duften könnte. Einfach WOW. Dunkelgelb die Frucht im Riechorgan, reifer Apfel, dicker Pfirsich, Kräutertöne. Unten drunter ein Stück angematschte Aprikose. Über allem Schiefer der sich bis ins letzte Nasenhaar festsetzt. Wer Schiefer mag, wird seine Nase nicht mehr aus dem Glas nehmen wollen.

Im Mund: Der erste Schluck gaukelt einem noch was vor, der zweite aber hat es in sich. Weich kommt der Stolzenberg auf der Zunge an, zeigt Marille, Pfirsich und auch Apfel, fühlt sich wohlig an und scheint sich als Schmusetiger zu entpuppen. Doch kaum zu Ende gedacht wandelt er sich, wird er richtig rassig und schiebt mit einer Säureader an, die durchaus als eindrucksvoll bezeichnet werden darf. Saftig steht der Wein im Mund, an den Zungenrändern schmeckt man Salz, am Gaumen spürt man gelben Schmelz und das Finale ist so knackig, dass man sich gleich noch einmal einen grossen Schluck genehmigt um das alles voll zu spüren. Oh ja, das rockt!

Was für ein Schauspiel auf der Zunge. Da steht der Stolzenberg in vollem Saft auf ihr, um im nächsten Augenblick mit Grip zu protzen der fast nicht mehr weg geht. Richtig stoffig wird es hinter den Lippen, während sich der Schieferrauch im ganzen Mundraum breit macht. Die Fülle die man glaubt zu spüren ist nur Täuschung, die Würze so subtil, dass man sich auf die Suche macht woher sie kommen könnte. Und dazwischen traben Pfirsich und Marille durch die Szenerie als wären sie schon immer da gewesen. Salzig, herb und stoffig und doch enorm rassig ist dieser Tropfen, der einen zwar fordert, aber immer ganz nah an sich ran lässt. Wenn Vielschichtigkeit auf einen Riesling trifft, dann wohl auf diesen. Ein Schauspiel feinster Güte, ein Erlebnis sondergleichen.

Man gebe diesem Kerl Luft und stelle fest, da kommen plötzlich Zitrusnoten durch. Herbe Zitrusnoten, oder ist das dieser Kaschmir der sich so griffig anfühlt auf der Zunge. Übertönt er sie, oder ist es doch die Schieferwürze. Man ist verwirrt, man staunt, man schmatzt, man will immer mehr von diesem Saft. Und je öfter man von ihm kostet, umso aufregender, umso rassiger, impulsiver, bezaubernder wird er. Mineralität verdient sich hier mit Nachdruck ihren Namen, Salz bekommt eine neue Bedeutung, herb und griffig wird neu definiert und was den Schiefer angeht; der ist einfach Weltklasse.

Resümee: Was für ein geiler Riesling, was für ein Mundgefühl, was für ein verboten guter Saft. Über den Trinkfluss des Stolzenberg zu berichten wäre sinnlos, weil, bis das passiert ist, ist die Flasche leer, was letzten Endes schon alleine für sich sprechen sollte. Grandioser Stoff mit ebensolchem Suchtpotential.

Tipp: Eine halbe Stunde in die Karaffe mit dem Teil und dann mit 8-10º trinken. Man kann was dazu essen, muss aber nicht. Als Solist eine wunderbare Erfahrung, ein wahres Naturschauspiel im Mund.

Einen Bericht über den Stolzenberg lesen Sie auch hier.

Wein & und Winzer-Info:

Stolzenberg GG 2014
Wein: Stolzenberg GG 2014
Winzer: Heymann-Löwenstein
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: 2020+
Anbau: Manuvin®
Ausbau: Trad. Holzfass
Besonderes: Naturnaher Steillagen-Weinbau, Fair and Green zertifiziert
Dekantieren: Ja

Den Wein gibt es in der Weinfachhandlung K&U Weinhalle in Nürnberg zu beziehen.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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