OT 2008 Oliviero Toscani

| 14. Juli 2013 | 0 Kommentare ...alles

Caesar hätte diesen Wein aus dem Kübel gesoffen.

Trieft vor dunklem Saft und erinnert an römische Orgien mit ihrer sinnlich-sündigen Erotik und Opulenz. Sonntags-Toga anziehen und ab ins Getümmel!

Winzer/Weingut: Oliviero Toscani, Casale Marittimo, Italien.

Lage/Herkunft: Von einer Parzelle auf 450 Meter Höhe, welche in einer Nische mit viel Sonne, Wind und sehr eisenhaltigen Böden liegt.

OT magenta Flasche/Etikett: Auch diese schwere Burgunderflasche steht dunkelschwarz vor uns und auf ihr klebt jenes Etikett das wir schon kennen. Nur diesmal eben in Magenta. Das ist jene unselige Farbe die sich wohl mit den meisten Fehlbezeichnungen herumschlagen muss. Kein echtes rosa, kein richtiges rot, kein altrosa, kein rot wie auch immer. Nur Magenta. Dafür aber die Grundlage für jedes Rot, das wir dann als Zinnoberrot, Karminrot, Kirschrot, Erdbeerrot usw. wahrnehmen. Alles unklar? Gut. Ach ja, was in Magenta aufgedruckt ist ist das Logo von Oliviero Toscani. Ein Kreis mit einem T drin. Einfach einfach. Und wer das komplexe Design nicht richtig zu deuten vermag für den steht eben oliviero toscani drunter, um etwaige Fehlinterpretationen auszuschliessen. In Kleinbuchstaben, gross sind eh die Grossbuchstaben. Der Meister mag es irgendwie subtil.

Am Rückenetikett die selben Informationen wie am blauen Sticker. Auch hier springen einem sofort der Jahrgang sowie die 14% in die Pupille und lassen einen kurz tief Luft holen. Wir werfen uns in ‘Arbeitskleidung’ und lassen den Brummer aus der Toskana erstmal eine Stunde im grossen Bottich ein paar Runden fliegen.

Im Glas: Dunkles Rotbraun steht im Glas. Stockdunkel ist es drin und der Film klebt förmlich an der Wand.

In der Nase: Die Nase wird augenblicklich mit einer Wucht überfallen die einen kurz zurückzucken lässt. Da dampft es im Kelch, dicke fette Brombeeren matchen sich mit vor Saft triefenden schwarzen Kirschen. Nasses Laub unterfüttert das Ganze und ein riesengrosser Sack voll dunkelbrauner Gewürze verleiht dem Duft den ultimativen Kick. Das ist dicker Saft der hier im Glas steht und vor sich hindampft. Wild und ungestüm, kraftvoll, rauchig und richtig fordernd. Ein Brummer kündigt sich an.

Im Mund: Karamba! Süsse Gewürze entladen sich augenblicklich dick und saftig auf der Zunge. Eingehüllt in eine dichte Rauchwolke die sich nur langsam wieder auflöst. Fette Kirschen tropfen aus ihr raus, Lakritze duelliert sich mit dem Holz das man spürt, Vanilleschoten raufen sich mit Bitterschokolade und Cassis streckt lautstark die Hand hoch um auf sich aufmerksam zu machen. Da ich was los im Mund, da geht was ab. Das ist nichts leichtgewirktes, feinmotorisches, da wird richtig Krach gemacht. Druckvoll steht der OT auf der Zunge, erdrückt sie aber nicht. Er ist schwer, keine Frage, hat aber trotzdem noch eine gewisse Frische die ihn nicht vollständig zum alles niederknüppelnden Brummer macht. Er ist wild, er ist ungestüm, verliert aber nicht das Benehmen. Am Gaumen fühlt sich der OT weich und rund, etwas mollig an, zieht eine lange würzige Cassisspur hinter sich her und löst sich in einer resoluten Rauchwolke saftig auf.

Nach und nach wird der OT 2008 saftiger, gleichzeitig aber auch kräuterwürziger. Thymian kommt hinzu und die Gerbstoffe fühlen sich süsser an als zu Beginn. Der OT wird zunehmend dichter, kraftvoller und verlangt einem auch ein wenig mehr ab. Es ist als würde sich der Petit Verdot immer mehr an die Oberfläche durcharbeiten, man spürt ihn förmlich wie er seine rustikale, dunkelwürzige Charakteristik in der Vordergrund schiebt. Auch geschmacklich wird es immer ‘bläulich-violetter’, grundiert mit dunklem Braun. Der Wein ist rustikal ohne nur banal bäuerlich zu wirken, er ist ungehobelt ohne auf gutes Benehmen zu vergessen. Er ist aber definitiv kein Wein für Leute die Angst von Monstertrucks haben. Was äusserst positiv auffällt ist, dass der OT trotz seiner Wucht frisch und kühl im Mundgefühl bleibt, keine Anzeichen von Hitze entwickelt (ausser man trinkt ihn mit 18º und mehr). Aber dann ist einem sowieso nicht mehr zu helfen. So wie er sich nach zwei Stunden an der Luft zeigt macht er nach wie vor mächtig Dampf und Druck, versöhnt aber mit seinem dichten Saft mit dem er auf der Zunge steht und auch dem rauchigen Finale das er hinterlässt.

Resümee: Der OT 2008 ist kraftvoll, wuchtig im Körper, er hat Muskeln wie ein Bodybuilder und kann trotzdem auch charmant sein. Wenngleich auch nur mit jener Grazie die einem Bodybuilder eigen ist. Der OT 2008 ist sicher kein Tropfen den man sich aufmacht weil man Fünf einmal gerade sein lassen oder weil man sich einen vergnügten Abend machen will. Den entkorkt man, wenn man zu richtig deftiger Küche auch mal richtig eine Sause machen und die Welt Kopf stehen lassen will. Wenn man nach unbeschwerter Wildheit sucht und sich ausnahmsweise nicht um die Ruhe in Nachbars Garten scheren möchte. Dann macht er Spass, dann sorgt er für Stimmung und lässt einen nach zwei Gläsern den Alltag wunderschön vergessen. Olivieros OT 2008 ist ein Wein dem man sich geduldig nähern muss, auf den man ‘warten’ und ihm entsprechend Zeit geben muss. Dann taut er auf, dann wird er saftig und komplex, dann geht er auf wie Germteig und wird immer besser. Nach drei Stunden trieft er dann vor dunklem Saft und erinnert an römische Orgien mit ihrer sinnlich-sündigen Erotik und Opulenz. Caesar hätte diesen Wein wahrscheinlich aus dem Kübel gesoffen. Am besten Hirn abschalten, die Sonntags-Toga umwerfen und nichts wie ab auf die Orgie Party.

Tipp: Zwei Stunden sind gut, drei noch besser. 16-17º, max. 18º wenn es draussen stürmt und schneit. Decken sie den Tisch bis er sich biegt, kochen sie deftig und rustikal auf. Natürlich auch kräftige Pasta! Oder hängen sie sich eine Toga um und ertränken sich lustvoll ungehemmt in sündiger Opulenz.

Einen Bericht über den OT 2008 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein OT 2008 von Oliviero Toscani aus Casale Marittimo, Italien.

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Kategorie: Oliviero Toscani, Verkostet

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