Muros de Melgaco 2012

| 26. Juni 2015 | 0 Kommentare ...alles

Keiner für den schnellen Durst

Das Flaggschiff von Anselmo Mendes, welches sich dem unerfahrenen Alvarinho-Trinker erst nach dem zweiten Glas von seiner besten Seite zeigt.

Winzer/Weingut: Anselmo Mendes, Melgaco, Portugal.

Lage/Herkunft: Von den besten steilen Südlagen in Melgaço mit granitischen Böden.

Muros Melgaco Flasche/Etikett: Ungewöhnlich ist die Flasche in welche der Wein abgefüllt ist. Sieht aus wie eine Schlegelflasche, nur ohne den typischen “Hals”. Diese wird einfach nur wie ein Kegel nach unten hin breiter. Oben aufgeprägt Anselmo Mendes, was somit auf eine spezielle Anfertigung nur für ihn hin deutet. Das Etikett farblich an das dunkle braun angepasst, oben ein schmaler goldener Streifen, darunter der braun und rot gefärbte Nachthimmel über einer Landschaft. In weiss ALVARINHO oben drin. Unterhalb, im schwarzen Teil, Muros de Melgaço, ebenfalls in weiss und darunter Colheita de 2012. Am komplett schwarzen Rückenetikett jede Menge Informationen, auch über den Wein selbst. Eine Signatur von Anselmo Mendes im unteren Bereich. Dort wo auch das Siegel der Comissão de Viticultura dos Região Vinhos Verdes, der wohl informativsten Seite im Internet wenn es um Vinho Verde geht. Bevor der Muros de Melgaco ins Glas kommt, darf er die nächsten zwei Stunden in der Karaffe verbringen.

Im Glas: In knackigem strohgelb zeigt sich der Wein im Glas.

In der Nase: Der erste Eindruck ist für den “klassischen” Alvarinho-Trinker verstörend. Es riecht enorm mineralisch, nasser Granit eingehüllt in einer Wolke von ebenso feuchtem Rauch. Dazu kommt das Holz vom Barrique, nicht üppig, vielmehr klar und extrahiert. Erst danach kommen gelbe Grapefruitaromen durch, finden feine Zitrustöne den Weg an die Oberfläche. Definitiv kein Duft wie man ihn kennt. Vollkommen anders, fernab jedes Mainstreams. Fordert, verwirrt, vereinnahmt und macht neugierig.

Im Mund: Mit frischer Säure, die sich aus einem Gemisch von nassem Stein und feuchtem Holz zwängt, strömt der Muros de Melgaco in den Mund. Nicht ohne eine grosse Wolke feuchten Rauches mit sich zu führen. Geschmacklich ist diese Kombination von Barrique und Säure, Stein und Feuchte schwer zu beschreiben. Schmeckt man diesen Wein mehr oder spürt man ihn einfach stärker? Auf der Zunge sehr leicht, gelbe Grapefruit und frisch. Am Gaumen aber die volle Ladung Rauch, viel nasse Granitmineralik und eine feine Holzwolke. Der Wein bleibt förmlich haften und hält ewig lang am Gaumen an. Erst danach buddelt sich die Säure wieder an die Oberfläche durch und verbrüdert sich mit der gelben Aromatik und der rauchig-holzigen Komponente. Wein als physisches Erlebnis, weit weg vom supereasytrinkbaren Alltagsalvarinho. Der Muros de Melgaco ist ein höchst komplexes Wesen, das nicht nur Zeit, sondern auch Geduld und Neugier braucht.

Nach und nach wird der Wein immer trockener. Steht auf der Zunge wie ein Staubtuch und füllt doch den Mundraum aus. Fast schon herb schiebt sich die Mineralik über die Zunge nach hinten und hinterlässt auf deren Spitze ein paar frische, in Zitrusfrucht getunkte Sägespäne. Auch die Säure wirkt präsenter, während am Gaumen nach wie vor diese ungewöhnlich feuchte wie auch steinige Mineralität den Ton angibt. Immer umgeben von einer feinen, keinesfalls störenden Holznote. Im Abgang sogar eine Idee von cremig, ungewöhnlich jedenfalls. Dabei leicht kreidig, steinig-staubig und herb. Auch wenn sich die Grapefruit immer wieder mal von hinten meldet, fruchtig ist ein Attribut, das diesem Alavarinho völlig abgeht. Zumindest heute, wo der Wein gerade einmal drei Jahre auf dem Buckel hat und Anselmo Mendes ihm ein Reifepotential von zehn gibt. Darum möchte ich den Muros de Melgaco 2012 gerne in vier, fünf Jahren noch einmal trinken. Dann ist das Holz weg und wahrscheinlich nur mehr gelbe Aromatik da. Doch heute ist heute und so wie sich der Tropfen zeigt, möchte ich dieses Erlebnis nicht missen.

Je mehr der Muros de Melgaco Luft aufnimmt, umso mehr Spass macht er. Mittlerweile (er ist bereits seit 10 Stunden offen) ist er richtig herb und staubig, nur mehr auf seine enorme Mineralik, welche sich mit reifen Grapefruitaromen vermengt hat, konzentriert. Der Wein hat deutlich Grip entwickelt, saugt sich quasi am Gaumen fest und verdunstet dort nur langsam wieder. Im Abgang zeigt er sich frisch, ebenso herb und herrlich rauchig.

Resümee: Der Muros de Melgaco ist das Flaggschiff von Anselmo Mendes und nachdem ich fast alle seine Weine kenne und ein grosser Verehrer davon bin, kann ich das nur bestätigen. Es mögen seine anderen Alvarinhos leichter zu trinken sein, der Muros de Melgaco aber ist ein Juwel, das sich dem deutsch/österreichischen Geschmacksprofil erst auf den zweiten, wenn nicht sogar dritten Anlauf offenbart. Nachdem ich aber ab 28ºC Aussentemperatur sowieso fast nur mehr Alvarinho und südfranzösische Rosés zu mir nehme, falle ich aus diesem Cluster raus und mach’ mir jetzt zum Spass einen supereasytrinkigen Loureiro auf. Einen frischen, aus 2014, selbstverständlich.

Tipp: Drei Stunden in die Karaffe mit dem Wein. Mit 10-12º geniessen. Passt zu Fisch mit heller Sauce, zu Meeresfrüchten und frischen Salaten. Als Solist ein Wein dem man sich mit Geduld und vinophiler Offenheit nähern sollte.

Einen Bericht über den Muros Melgaco lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Vinho Verde Alvarinho ‘Muros de Melgaco’ 2012 von Anselmo Mendes aus Melgaco, Portugal. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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