MoselRiesling 2016

| 10. Juni 2017 | 0 Kommentare ...alles

Zitrusfrischer Zungenzirkus

Was zischt das Zeug die Kehle runter, einfach irre. Mehr frisch, mehr knackig ohne weh zu tun, mehr Tempo und Rasanz ist fast nicht möglich.

Winzer/Weingut: Julian Haart, Piesport an der Mosel, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von den Grand Cru-Lagen Schubertslay, Goldtröpfchen und Ohligsberg auf Schieferböden.

Mosel Riesling Haart Allgemeines: 2015 kam ich erstmals mit den Weinen von Julian Haart aus Piesport an der Mosel in Berührung und war auf der Stelle fasziniert. Heute habe ich wieder das höchst erfreuliche Vergnügen, einen seiner traumhaften Rieslinge im Glas zu haben, den MoselRiesling 2016. Hört sich die Bezeichnung Gutswein noch banal normal an, muss man dazu aber wissen, dass Julian für diesen Wein die besten Trauben (natürlich alle penibelst selektiert) aus den Grand Cru-Lagen Schubertslay, Goldtröpfchen und Ohligsberg genommen und daraus diesen Tropfen vinifiziert hat. Soviel zu banal normal. Die Rebstöcke stehen auf steilsten Lagen auf Schieferböden und immer wenn ich die Kombination von Mosel und Schiefer auch nur höre, beginnt bei mir ein Film abzulaufen. Ich kann die Bilder dann fast riechen und so geht es mir auch jetzt bereits, wenn ich die Flasche nur in die Hand nehme und den Schrauber mit einem Klacks aufdrehe. Speichelfluss setzt ein, das Verlangen steigt und endlich kommt der MoselRiesling auch ins Glas und darf verkostet werden. Die Gier ist schier unendlich nach dem Schiefertropfen.

Im Glas: Sehr hell mit einem zarten grünen Schimmer steht der MoselRiesling dann im Glas vor mir.

In der Nase: Wie nicht anders erwartet, hüpft mir traumhaft schieferiger Rauch ins Riechorgan, von leisen Kräuternoten untermalt, ein paar Limetten- und auch Apfelspritzer und darüber rosa Grapefruit. Frisch, belebend, schlicht entzückend und der Rauch des Schiefers setzt dem Duft die Krone auf. Ich könnte untertauchen in diesem Aromenbad und würde so lange daran schnüffeln bis mir die Luft ausgeht. Einfach herrlich, wunderbar.

Im Mund: Und dann, oh yeah! Knackig frische Säure, rassige, kühle Mineralität, reife Zitrusnoten und ein seliges Grinsen im Gesicht. So einfach geht das mit dem Riesling. Glasklar weiter hinten, bevor der Kerl sich in Richtung Ausgang aufmacht, davor jedoch mit Grip am Gaumen den man nicht erwartet hätte ob so viel Rassigkeit. Was für ein Schauspiel, was für ein Spass im Mund, was für ein Zungenzirkus! Grapefruit frisch vereint mit grüner Wiese, der Schieferrauch ein wenig feucht und kühl sowie von neckischen Zitronenspritzern “scharf” gemacht. Da tanzt die Zunge, da singt der Gaumen, und wenn sich der MoselRiesling ins Finale aufmacht schiebt er nochmals diese traumhaft klare wie auch zitrusfrische Schiefernote hinterher. Ein Fest im Mund, der Speichel fliesst, die Mimik ist vor Freude ausser sich und die einzig annehmbare Option nachdem der Tropfen durch ist, ist ein nächstes Glas davon zu nehmen.

Den MoselRiesling mit nur einem Wort zu beschreiben ist so ein schweres Unterfangen nicht. Er ist rasant. So wie der Kerl über die Zungenmitte zieht, der Zug den er da drauf hat, das ist Tempo pur. Wie zum Hohn ist er trotz aller Rasanz ein sehr griffiger und auch gar weicher Wein der durch den Kiemen zischt. Wie hoch der Puls im Mund ist kann man sich vielleicht anhand der Eckdaten von 12,0 Gramm RZ und 8,5 Gramm Säure vorstellen. All das bei 11,5 Umdrehungen. Der Tropfen ist ein Vollbluthengst und kennt nur eine Richtung; vorwärts. Und zwar so schnell es geht. Nimmt an der Luft derartig Fahrt auf, dass man gar nicht hinterher kommt. Apfel, Grapefruit und auch ein wenig Pfirsich scheinen sich aus dem Versteck zu trauen und so etwas wie “Fruchtigkeit” ins Spiel zu bringen. Doch kaum an der Oberfläche angelangt, zeigt ihnen Käpt´n Schiefer wer der Herr im Haus ist. Was zischt das Zeug die Kehle runter, einfach irre.

Je länger der Kerl in der offenen Flasche vor sich hin dümpelt, umso griffiger, umso gnadenlos direkter wird er in seiner gesamten Charakteristik. Diese Balance von Restzucker und Säure ist einfach, um es im positiven Sinn” zu sagen, abartig. Heisst zwar MoselRiesling, ist aber schlichtweg HammerRiesling. Das ist richtig grosses Basiskino, wenngleich das Wort Basis für diesen Tropfen pure Untertreibung ist.

Resümee: Das Teil kostet keine 11 Euro und führt sich auf als zähle es zur Oberliga. Mehr frisch, mehr knackig ohne weh zu tun, mehr Tempo und Rasanz ist fast nicht möglich. Ich bestell´ mir jetzt ´ne Kiste von dem Stoff, oder besser zwei. Der geht nämlich immer, überall und auch ganz nebenbei. Julian, das hast Du richtig gut gemacht! Respekt.

Tipp: Kann offen stehen und einfach aus der Flasche weg gemacht werden. Hält sowieso keine 40 Minuten durch. 8-10º und dann rein ins rasante Rieslingrennen. Geht zwar zum Essen, ist aber sicher leer bevor der Fisch und/oder sonstwas fertig ist. Sommerzechundüberlebensriesling.

Einen Bericht über den MoselRiesling lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein MoselRiesling 2016 vom Weingut Julian Haart aus Piesport an der Mosel, Deutschland. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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