Lugana DOC ‘Demesse Vecchie’ 2008

| 14. August 2012 | 0 Kommentare ...alles

Exotisch, saftig & morbid.

Etwas überreif, etwas morbid und vor allem exotisch fruchtig ist der Tropfen der hier satt und saftig in den Gläsern steht.

Winzer/Weingut: Famiglia Olivini, Desenzano del Garda, Brescia, Italien.

Lage/Herkunft: Traubenmaterial zu 100% von eigenen Hanglagen rund um San Martino di Battaglia am südlichsten Eck des Gardasees.

Flasche/Etikett: In einer eleganten dunkelbraunen Burgunderflasche steht der Demesse Vecchie vor uns und wie schon die beiden ersten Weine der Famiglia Olivini, ziert auch diese Flasche ein edles und stilvolles Etikett. Wie gehabt im stylischen Streifendesign, diesmal in gold, braun und schwarz gehalten. Diese Farbkombination verleiht dem Inhalt noch mehr Gewicht, wirkt sie doch satt und kräftig und so etwas ‘in der Art’ ist schliesslich auch in Kürze im Glas zu erwarten.

In konsequent umgesetztem Corporate Design das italienischer nicht sein könnte, erscheint der optische Auftritt edel, elegant und zeitlos schön. Ein mit Einfachheit punktendes Erscheinungsbild das trotzdem äusserst eindrucksvoll ist. Wie üblich in den schwarzen Streifen die Bezeichnung und die ‘Abstammung’ und am Rückenetikett wieder alles was man über diesen Wein so wissen sollte. In gleichem Design versteht sich. Da der Demesse Vechhie kein ‘Vorspiel’ braucht wird die Flasche einfach aufgemacht und eingeschenkt.

Im Glas: Strohgelb, sehr hell und mit leicht weisslich blitzenden Reflexen schaut der Demesse Vecchie aus dem Glas heraus.

In der Nase: Der Duft der aus dem Glas strömt ist in erster Linie gewöhnungsbedürftig. Es riecht einerseits nach reifen exotischen Früchten, diese werden aber von einer Karamell- und Mandelnote umspielt. Eine Nase an die man sich erst gewöhnen muss, doch hat man die Aromen eingeordnet und zu einem Ganzen zusammengefügt riecht es intensiv, komplex und erfrischend animierend. Nach ein paar Minuten schwenken und immer wieder riechen freunde ich mich endgültig mit diesem exotisch-saftigen Geruch, der sogar so etwas wie eine leicht morbide Note, im Sinne von morsch hat, an. Spannend, interessant und faszinierend.

Im Mund: Auf die Zunge kommt der Demesse Vecchie füllig, kraftvoll und superweich. Dabei hinterlässt er einen satten cremigen Film auf ihr und hüllt sie förmlich in diesen ein. Knochentrocken ist der Tropfen, man spürt fast wie ein feiner weicher Hauch die Zunge ummantelt und dort seine vorrangig mandelbetonten Aromen freisetzt. Erst danach schmeckt man die saftige Frucht, wie überreifer Pfirsich, überreife Lyches und ebensolcher Zitrusfrüchte. Auch der Geschmack bedarf einer gewissen ‘Eingewöhnungsphase’ da er definitiv nicht ‘von der Stange’ ist und auch nicht so rasch ein- bzw. zugeordnet werden kann.

Es ist wieder diese gewisse Morbidität im Sinne einer morschen Saftigkeit die einen am Anfang irgendwie ‘irritiert’. Wobei gerade diese Verwirrung für Staunen sorgt und, speziell mich, immer neugieriger werden lässt. Die relativ hohe Säure von 6,0 g/l löst sich saftig-süffig in einem Restzuckergehalt von 6,0 g/l auf. Sie verschwindet förmlich darin und macht den Wein zu einem echten Gaumenschmeichler. Wie zarte weiche Creme zieht der Demesse Vecchie über die Lippen und die Zunge. Durch die leichte Überreife schmeckt der Tropfen fast wie ‘gealterter’ Wein. Ein sehr kompaktes Mundgefühl macht sich breit und man spürt die feste Struktur dieses Luganas.

Der Gaumen selbst wird richtiggehend eingelullt von soviel Saftigkeit und zwischen den überreifen Früchten schmeckt man eine Spur Vanille heraus. Lange bleibt der Demesse Vecchie am Gaumen haften, mandelwürzig verabschiedet er sich um in einem ebenso lang anhalten Finale seine morbide Note zu hinterlassen. Je öfter ich davon koste umso mehr fasziniert mich dieser Wein. So eigenwillig, so saftig-morsch und so auffallend anders schmeckt er. Man muss so etwas wollen und man muss sich auf so etwas einlassen. Dann ist der Spass ein ganz vorzüglicher.

Resümee: Zusammengefasst hinterlässt der Demesse Vecchie einen insgesamt tollen Eindruck, wiewohl man gewillt sein muss sich mit diesem Lugana ein wenig auseinander zu setzen. Das ist kein Wein für zwischendurch mal rasch den Durst gelöscht. Aufgrund seiner morbiden Attitüde und seiner leicht überreifen Struktur zähle ich ihn eher zu den ‘Bewusst geniessen-Weinen’, der, sobald man den Zugang zu ihm gefunden hat, ein richtig tolles und erfrischend anderes Trinkerlebnis bietet. Um die 14 Euro sind ein Beitrag, der es sich jederzeit lohnt geleistet zu werden um in den Genuss dieses exotischen Tropfens zu kommen. Mit 13,5% angenehm erträglich, ist der Demesse Vecchie trotz seiner kraftvollen Struktur ein erfrischender Sommerwein der sich reuelos geniessen lässt.

Tipp: Nicht zu kalt servieren. Am besten zwischen 10-12º und zu Fisch und Geflügel. Solo als ‘Entspannungswein’ bestens geeignet um zu neuen Horizonten aufzubrechen.

Einen Bericht über den ‘Demesse Vecchie’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Lugana D.O.C. Demesse Vecchie 2008 von Famiglia Olivini aus Desenzano del Garda in der Region Brescia, Italien.

Tags: , , , ,

Kategorie: Famiglia Olivini, Verkostet

Ihr Kommentar