Kreuznacher Kahlenberg 2016

| 24. November 2018 | 0 Kommentare ...alles

Ein rauchiger Charakterkopf

Ein Riesling mit Charakter, einer der sich selbst genug ist und dabei mit nobler Kargheit und vibrierender Eleganz verzaubert.

Winzer/Weingut: Weingut Dönnhoff, Oberhausen an der Nahe, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von kiesigen Lehmböden, von Rebstöcken die zwischen 25 und 45 Jahre alt sind.

Kreuznacher Kahlenberg 2016 Allgemeines: Zum ersten Mal namentlich genannt wurde der Kahlenberg 1499. Heute zählt er zu den Spitzenlagen, was heisst Spitzenlage, er ist DIE Referenzlage der ehemals königlich preußischen Lehr- und Versuchsanstalt (Weinbauschule) für die Beratung der Weinbauregion. Von diesem Südhang kommt heute jener Riesling vom Weingut Dönnhoff aus Oberhausen an der Nahe, der für seinen ganz besonders würzigen Charakter bekannt ist; der Kreuznacher Kahlenberg 2016. Auf kiesigen Lehmböden stehen die Rebstöcke, die zwischen 25 und 45 Jahre alt sind, als Grosses Gewächs ist der Kahlenberg, der höchstbewerteten Lage Bad Kreuznachs, klassifiziert. Die Vergärung und Reife erfolgte in großen Holzfässern und Edelstahl. Helmut Dönnhoff sagt immer “ich spreche Klartext und so zeigen sich auch meine Weine.” Wie sehr sich das auf diesen Wein der hier am Tisch der Wahrheit steht im besonderen auswirkt, möchte ich jetzt heraus finden. Irgend etwas spezielles muss es ja mit dieser “Zauberlage” auf sich haben.

Im Glas: Grüngelb leuchtet einem der Kahlenberg aus dem Glas entgegen.

In der Nase: Augenblicklich nistet sich feuchter Rauch in den Nasenflügeln ein, man riecht feuchten Quarz, ein wenig Aprikose, etwas grünen Apfel sowie reifen Pfirsich. Eine dezente Kräuternote bahnt sich ihren Weg die Nase hoch. Saftig, reif und in der Tat recht würzig. Es riecht gehaltvoll, etwas dichtes bahnt sich an, am Ende noch ein Schuss Limette. Ein Rieslingduft der jeden in den Bann zieht. Sinnlich, saftig, sexy. Einfach toll.

Im Mund: Mag man das, oder mag man das? Man mag es. Ja, und wie! Trocken wie ein Tischtuch rollt der Tropfen in vollem Saft und einer reichlich runden Dichte auf der Zunge an. Cremig einerseits, doch kaum in seiner vollen Pracht im Mund, bemerkt man, wie fein und elegant der Kahlenberg tatsächlich ist. Erst meint man, dass es rund und voll ist, doch plötzlich steht ein ausgesprochen schlanker, von rassiger Säure unterstützter Riesling in der Luke und begeistert mit einer Kräuterwürze die schlicht grandios ist. Limette, grüner Apfel und eine knackig karge Mineralik haben das Kommando übernommen, der Rauch am Gaumen fühlt sich sinnlich an, der Abgang ist erfrischend steinig. Ein Riesling der vibriert im Mund, der trotz seiner Rundungen äusserst rassig ist, der sich einerseits so weich wie ein Kaubonbon anfühlt und trotzdem klirrend klar ist. Was für ein Spass!

Eines steht bereits von Anfang an fest: der Kahlenberg ist nicht unbedingt ein Riesling für Freunde gepflegter und ausgeprägter Fruchtaromen. Die sind hier am falschen Dampfer unterwegs. Wer aber straffe Mineralität mag, wer eine edle kräutrige Würze liebt und gerne etwas richtig rasantes wie auch rassiges im Mund hat, der wird sich mit dem Kahlenberg auf der Stelle anfreunden. Als Goodie gibt es feinsten feuchten Rauch dazu, das Mundgefühl ist weich und rund und trotzdem frisch und temporeich. Bekommt er Luft der gute Tropfen, dann zeigt er sich sogar leicht stoffig auf der Zunge, tritt die Textur noch mehr hervor, fühlt sich an wie feinster Kaschmir, und bleibt doch verspielt und lebhaft.

Je länger man sich mit dem Kahlenberg “unterhält”, umso facettenreicher wird er in seinem Wesen. Die Kräuterwürze nimmt immer mehr die Führungsrolle ein, am Gaumen dominiert der feuchte Rauch von Quarz, die Stoffigkeit ist nicht mehr zu ignorieren, der ganze Wein wirkt herrlich aufgefächert und zeigt sich in seiner vollen Pracht. Knochentrocken ist er, die Rundungen hat er komplett abgelegt, was jetzt im Mund steht ist ein klarer, knackiger und griffiger Wein. Nix mehr da mit rund und cremig, jetzt regiert die nackte Mineralität, gefolgt von einer höchst phänomenalen Kräuterwürze.

Resümee: Der Kreuznacher Kahlenberg ist ein Riesling mit Charakter, einer der sich selbst genug ist und dabei mit nobler Kargheit und vibrierender Eleganz verzaubert. Ein Fest im Glas, ein Fest im Mund. Persönlicher Tipp.

Tipp: Verträgt durchaus etwas Luft. Mit 10-12º am besten zu geniessen. Zu knackigen Gemüsekreationen, zu gegrilltem Fisch, oder einfach solo hinter die Kiemen kippen. Riesling für alle, die es gerne etwas charaktervoller mögen.

Einen Bericht über den Kreuznacher Kahlenberg lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Kreuznacher Kahlenberg 2016 vom Weingut Dönnhoff aus Oberhausen an der Nahe, Deutschland. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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