Kestener Paulinsberg 2012 Pinot Noir

| 30. März 2016 | 0 Kommentare ...alles

Nichts für Harmoniebedürftige

Das ist einer jener Weine, die sich ihren Geniesser aussuchen. ER findet DEN, der ihm gut genug ist. Pinot Noir für Könner.

Winzer/Weingut: Günther Steinmetz, Brauneberg/Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von silbergrauem Schieferboden des Kestener Paulinsbergs.

Kestener Paulinsberg 2012 Pinot Noir Allgemeines: Es ist wieder Moselzeit. Heute startet quasi eine Doppelrunde mit zwei Weinen von Stefan Steinmetz. Einmal rot, einmal weiss, zweimal gleiche Lage; der Kestener Paulinsberg. Der Name Paulinsberg führt darauf zurück, dass Paulin ein so genanntes Kollegiatstift, eine Gemeinschaft von Stiftskanonikern war. Die Kirche St. Paulin ist nach dem heiligen Paulinus oder Paulin benannt und existiert noch heute. Einen Kestener Paulinsberg hatte ich bereits, den Pinot Noir aus 2011 und der war schon alles andere als ein Schmusetiger. Heute steht sein Nachfolger, der Pinot Noir 2012 am Tisch der Wahrheit steht. Unfiltriert, wie bereits am Etikett klar lesbar ist. Die Böden am Kestener Paulinsberg sind mit silbergrauem Schiefer durchzogen, die Rebstöcke stammen aus dem Burgund, ebenso die gebrauchten Barriques in denen Stefan Steinmetz seine Pinot Noirs ausbaut. Wieviel Burgund im Paulinsberg von der Mosel wirklich drin ist, werde ich jetzt intensiv erkunden. Vorher aber kommt der Tropfen für zwei Stunden in die Karaffe weil er die sicher mehr als gut gebrauchen kann.

Im Glas: Wie ein Backsteinhaus, in feinst bräunlichem ziegelrot, steht der Kestener Paulinsberg im Burgunderkelch.

In der Nase: Würze steigt die Nase hoch, rote, braune, erdige. Viel Waldlaub, feuchtes Unterholz und eine Handvoll dunkler wilder Waldbeeren. Es riecht nach Herbst, es fühlt sich “waldig” an. Sehr angenehm ist trotz aller Intensität die Leichtigkeit des Duftes und wie leise er auch ist. Kühl und klar ist das Empfinden. Etwas Sauerkirsche taucht kurz auf und am Ende riecht man ihn doch noch, den zarten Schieferrauch, welcher äusserst fein im Hintergrund vorbei weht.

Im Mund: Brombeere, umweht von einem kräftigen Gerbstoffnebel. Saftig auf der Zunge, rauchig, erdig und wunderbar würzig. Das ist der erste Schluck. Und der macht auf der Stelle klar, dass der Kestener Paulinsberg kein einfacher oder gar dem Mainstream angepasster Wein ist. Danach kommt dunkle schwarze Kirsche, ganz viel aufgewühlte Erde, die am Gaumen einen herben Film hinterlässt, während auf der Zunge junger Saft von wilden Beeren tanzt. Man kaut sich durch ein Gestrüpp aus Zweigen, dunklen Beeren und sogar durch einen Happen Marzipan. Was jedoch am meisten fasziniert ist diese feine, edle Bitterkeit die sich, während die Frucht noch auf die Düse drückt, im Mundraum ausbreitet. Und das Tanningerüst, das alles andere als geschmeidig ist und von einer höchst agilen Säureader begleitet wird. Das ist kein Banker, das ist ein Handwerker.

Keine Erdbeeren, keine Himbeeren, wunderbar! Nur ungebürstete Erdigkeit, wilde, robuste Kraft und alles andere als ein “netter” Spätburgunder. Der Kestener Paulinsberg hat Eier in der Hose und nimmt im Mund keine Rücksicht auf Verluste. Da steht er zwar sehr saftig und auch durchaus kirsch- und brombeerfruchtig auf der Zunge, doch kaum streift er den Gaumen ist es vorbei mit freundlich. Dann regiert der feuchte Stein, die knochentrockene Erde und vor allem jener Stoff den man gemeinhin Shetland nennt. Der packt zu im Mund, der krallt sich richtig fest hinter den Lippen und am Gaumen und lässt einfach nicht mehr los. Alles was an Frucht vorhanden ist wird bestenfalls gedultet, und, weil sie nun mal da ist, widerwillig mitgeschleppt. Der Paulinsberg will den Berg für sich alleine, nur Erde, Stein und Staub. Und die daraus resultierende Würzigkeit. Alles andere stört nur. Pinot Noir den man bevorzugt mit Steigeisen geniesst.

Vier Stunden nach dem Öffnen wird es rotbeeriger in der Nase. Im Mund entwickelt sich eine leichte Fülle, nicht dick, nur konzentriert. Auch da ein wenig mehr Frucht, dafür aber die fast schon pfeffrige Würze noch intensiver. Tannine wunderbar eingebunden, die Säure hoch, die Bitterkeit traumhaft und der Nachhall für echte Cowboys. Der Kestener Paulinsberg ist nichts für Harmoniebedürftige. Er ist einer jener Weine, die sich ihren Geniesser aussuchen. ER findet DEN, der ihm gut genug ist. Kein Pinot für Einsteiger, ein Muss für alle, die von Erd- und Himbeeren genug haben.

Resümee: Womit man diesen Wein vergleichen kann? Am besten mit Milch- und Bitterschokolade. Milka oder Bonnats Chuao. Gezuckerte braune Masse oder unbehandelter Criollo. Liebt man oder hasst man. Dazwischen gibt es nichts. Wer allerdings die vielfältigen Aromen guter Bitterschokolade entschlüsselt hat, der wird nie mehr in eine banale Milkatafel beissen. Genauso ist es hier. Wer den Kestener Paulinsberg verstanden hat, dem wird er ein perfekter Kumpel sein wenn es mal zum Ausflug in den Steinbruch geht.

Tipp: Drei bis vier Stunden in die Karaffe damit. 16º Trinktemperatur sind perfekt. Rotes Fleisch in allen Variationen, Schmortöpfe, je deftiger umso besser und auch Wildgerichte veredelt er gekonnt. Als Solist nur jenen zu empfehlen, die wissen was sie tun.

Einen Bericht über den Kestener Paulinsberg lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Kestener Paulinsberg 2012 Pinot Noir vom Weingut Günther Steinmetz aus Brauneberg an der Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

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Kategorie: Günther Steinmetz, Verkostet

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