Quite 2014

| 27. März 2016 | 0 Kommentare ...alles

Einer den man spüren muss

Wein für Leute die eine gewisse Resolutheit mögen und für jene, denen rote Einheitsweine schon lange viel zu wenig und vor allem zu banal sind.

Winzer/Weingut: Veronica Ortega, Bierzo/Kastilien-León, Spanien.

Lage/Herkunft: Von 80 bis 100 Jahre alten Rebstöcken die auf kargem Schiefer stehen.

Quite 2014 Allgemeines: Sie ist nicht nur bildhübsch, sie produziert auch ebensolche Weine. Kein Wunder, hat Veronica Ortega ihr Handwerk unter anderem bei Romanée-Conti sowie beim Grossmeister Alvaro Palacios gelernt. Heute kultiviert sie eine Rebsorte die noch immer nicht wirklich in der deutschen Rotweinwelt angekommen ist; Mencia. Umso faszinierender ist das was sie daraus in die Flaschen zaubert. Sie macht nur zwei Weine, diesen aber gehört ihre ganze Aufmerksamkeit. In Bierzo im Nordwesten Spaniens in der Region Kastilien-León, baut sie auf Schieferböden ihre Weine an, die Reben sind 80 bis 100 Jahre alt und der Quite tinto 2014 ist der Wein, der heute bei mir am Tisch der Wahrheit steht. 100% Mencia, 100% autochthon. Quite heisst übrigens Parade, ist aber auch die Bezeichnung für ein Manöver, das ein Torero ausführt um den Stier von einem verletzten Torero abzulenken. Ich werde mir jetzt also ein rotes Tuch schnappen und mich in die Arena begeben. Ob zur gewöhnlichen Parade oder zum echten Stierkampf steht dabei noch nicht ganz fest. Eine halbe Stunde Luft sollte dem Quite vorher gut tun.

Im Glas: Funkelndes rubinrot mit leichten bläulichen Reflexen leuchtet einen an.

In der Nase: In den Nasenflügeln breitet sich ein dichter, cremig wirkender Duft nach Milchschokolade, Waldbeeren und reifen Kirschen aus. Betörend, sinneserweiternd. Braune Gewürze stehen darüber, fein, leicht, angenehm. Etwas Laub, ein wenig feuchte Erde und ein paar Zweige Unterholz sorgen im Quite für einen herbstlichen Duft, der von roten und blauen Beerenfrüchten untermalt ist. Geht im Glas immer weiter auf und wirkt fast elegant, so fein wie sich das in der Nase anfühlt. Ein Schmeichler vor dem Riechorgan.

Im Mund: Man reiche mir das Vileda-Tuch. Gerbstoffe satt legen sich augenblicklich auf der Zunge ab. Fein, seidig und höchst präsent. Eingehüllt in reifer roter Kirschfrucht. Es fühlt sich üppig an und plötzlich merkt man, dass der Quite ein ganz ein “Feiner” wie auch ein “Kühler” ist. Es schmeckt fruchtig, waldbeerig und kirschig und man spürt eine exorbitante Mineralik durch den Mundraum wühlen. Grobe Erde, braune trockene Gewürze, Unterholz und Rauch. Das alles tropft unaufhörlich aus der zarten Milchschokoladehülle raus. Als hätte sie ein Leck. Am Gaumen cremig, füllig, weich und doch aussergewöhnlich griffig. Ein Pelzchen setzt sich fest und sorgt für ewig lang anhaltenden Nachhall. Ich lass den Quite jetzt stehen weil ich sicher bin, dass in ein, zwei Stunden die Tannine sich erst so richtig in die dunklen Beeren reingefressen haben.

Wie erwartet sind die Gerbstoffe weicher geworden, tiefer integriert, und während der Quite auf der einen Seite mit reifer dunkelroter Frucht protzt, hämmert eine Mineralik auf der Trommel, dass einem fast das Ohr abfällt. Brutal erdig, brutal würzig, dabei aber keinesfalls rüpelhaft oder grob. Ganz im Gegenteil. Der Quite ist fein und frisch und kühl. Er hat nur derart viel Würze in sich wie man es sonst nicht gewohnt ist. Bombastisch aber ist seine mineralische Charakteristik mit welcher er die Zunge und den Gaumen massiert. Ebenso der kühle Rauch den er verströmt, der kalte Schiefer den er schmecken und spüren lässt. Über allem schwebt ein feines Mäntelchen von cremig-weicher Beerenfrucht und heller Schokolade. Unterstützt von einer überraschend präsenten, kecken Säureader, die dem Tropfen noch den Extrakick an Lebenslust einhaucht.

Zeit und Luft befeuern den Quite immens. Er wird immer fruchtiger ohne dabei zu überladen, weil eben seine Würze und seine Mineralik dermassen dominant sind, dass man mit der Zunge schlackert. Ich bin sogar geneigt zu sagen, dass der gute Tropfen erst nach vier, fünf oder mehr Stunden so richtig zeigt was in ihm steckt. Man kommt sich vor wie auf einem orientalischen Basar, man riecht und schmeckt die Düfte die in der Luft liegen, mehr braun als rot, man spürt wie kraft- und druckvoll der Wein im Mund agiert ohne schwer zu sein. Wie frisch und kühl er ist und wie er sich, trotz seiner gewaltigen Haptik, weich anfühlt. Hinten raus allerfeinster Rauch, kalter Schiefer und ein letzter Rest von saftig-roter Frucht die mehr als sexy ist.

Resümee: Das ist Wein für Leckermäuler, für Leute die eine gewisse Resolutheit mögen und für jene, denen rote Einheitsweine schon lange viel zu wenig und vor allem zu banal sind. Der Quite ist ungefähr so, als würde Ben Becker einen liebesverwirrten Softie spielen. Für 12,90 Euro. Noch Fragen?

Tipp: Drei, vier Stunden in die Karaffe damit. 14-16º sind perfekt. Dann singt er. Auf den Teller gehört ein dickes Steak oder sonst ein Braten der keine Rücksicht auf Kalorien nimmt. Als Solist genossen einer, für den man sich besser die Arbeitskleidung anzieht.

Einen Bericht über den Quite lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Quite tinto 2014 von Veronica Ortega aus Bierzo in der autonomen Gemeinschaft Kastilien-León, Spanien. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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