Grüner Veltliner Sauberg Tradition 2013

| 11. November 2015 | 0 Kommentare ...alles

Barocker Herbstspass

Ein Herbst- und Winterweisswein, der am besten schmeckt wenn es draussen unter 10º hat und das Laub beginnt leicht braun zu werden.

Winzer/Weingut: Ingrid Groiss, Breitenwaida im Weinviertel, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Lage Sauberg mit kalkhaltigen Konglomeratböden.

Sauberg Flasche/Etikett: Wie schon beim Gemischten Satz DORFLAGEN, den ich vor Kurzem von Ingrid Groiss verkostet habe, klebt auch auf dieser Schlegelflasche das dunkelbraune Etikett. In einem Stück, relativ schmal gehalten und in silber bedruckt. Oben die Initialen IJ und G, dazwischen ein Geflecht über welchem ein Hase sitzt. In der Mitte in Grossbuchstaben GROISS und unterhalb SAUBERG TRADTION, darunter Grüner Veltliner. Fertig ist das Kunstwerk. Am linken Rand in weiss die Illustration einer Wildsau, was letztlich wohl auch den Namen der Lage Sauberg erklärt. Laufen die dort etwa frei herum? Am rechten äusseren Rand dann alles was gesetzlich vorgeschrieben ist. Selbstbewusste 14% kündigen ein eher kräftiges Weinvergnügen an. Abgerundet wird das elegante Erscheinungsbild von einem silbernen Stelvin-Schraubverschluss. Bevor der SAUBERG aber erklommen wird, darf er für eine halbe Stunde ein paar Runden in der Karaffe drehen.

Im Glas: Gelbgold mit einem grünen Schimmer dreht der Sauberg seine Runden.

In der Nase: Exotisch fast der Duft der aus dem Glas strömt. Da ist reife Mango, etwas Ananas und dahinter kullern ebensolche reife Birnen durch die Gegend. Und doch riecht es ganz fein grün. Angenehm, weil auch der Pfeffer nicht zu kurz kommt in der Nase und dem Gemisch eine kräftige Würze einhaucht. Saftige Wiesen kommen einem in den Sinn und am Ende gewinnt das Duo aus den Tropen. Es riecht reif, es riecht saftig und im Mund bemerkt man wie der Speichelfluss langsam aber stetig zunimmt.

Im Mund: Na bumm. Da ist man augenblicklich schwer beschäftig wenn der Sauberg in den Mund kommt. Füllig ist er zwar, doch alles andere als dick. Er macht Druck auf der Zunge, ist saftig, butterweich und gelb wie Gelb nur sein kann. Wennngleich der weisse Pfeffer ihm ein wenig seiner Farbe abluchst und ihm eine straffe Würze unter die reifen Fruchtromen bläst. Satt steht der Wein im Mund, am Gaumen erdig, leicht rauchig, dunkeldüster und betörend. Leichte Extraktsüsse macht den Tropfen noch verführerischer, man lechzt ihm nach wenn er sich in den Schlund stürzt und man schmeckt noch lange dem Pfeffer und der fetten Mango hinterher. Alles umweht von einer leisen Brise frischer Wiesenkräuter. Sündhaft, sexy und opulent erotisch stampft der Sauberg durch die Futterluke.

Der Sauberg ist ein opulenter Tropfen, ohne jeden Zweifel. Einerseits agiert die Säure ausgesprochen moderat, stützt mehr als sie führt, der gelbe Zuckerschweif sorgt für die Verführung. Während auf der Zunge noch der gelbe Saft von reifer Birne und ebensolcher Mango Druck macht, spürt man am Gaumen bereits wie dicht und körpertbetont der Wein sich seinen Weg sucht. Trotz der feinen Süsse schmeckt man aber auch reichlich Erde, Kalk und Boden allgemein. Die Pfefferwürze funktioniert wie ein Gebläse und lässt das ausladende Tropenfruchtensemble nicht allzu dominant werden. So bleibt am Ende ein relativ barockes Mundgefühl an welches man sich gern gewöhnt und auf der Stelle einen nächsten, grossen Schluck der sündigen Essenz in das Geschmackszentrum befördert.

Der Sauberg ist wieder einmal so ein Wein den man aufmacht und nach dem ersten Kennenlernen beschliesst, doch nicht mehr hinaus zu gehen, den Nachmittag lieber im Ohrensessel mit einem guten Buch zu verbringen. Der ist nicht für den raschen Zwischendurch-Genuss gemacht, der will Aufmerksamkeit und das entsprechende Ambiente. Er hat etwas leicht Angestaubtes, schrullig Britisches und sogar einen Hauch Nostalgisches.

Resümee: Der Sauberg ist ein Herbst- und Winterweisswein, der am besten schmeckt wenn es draussen unter 10º hat und das Laub beginnt leicht braun zu werden. Glauben Sie mir das, ich habe ihn an genau so einem Tag getrunken und es war vorzüglich. Als sommerlicher Durstlöscher ist er weder haptisch noch aufgrund des Preises von knappen 27 Euro geeignet. Aber wer will schon im Sommer im Ohrensessel sitzen und sich in aller Eleganz einen hinter die Binde kippen?

Tipp: 30-60 Minuten in der Karaffe tun ihm gut. Mit 10-12º geniessen. Passt zu Gebratenem und auch zu würzig-deftigen Kreationen. Zur Alleinbespassung siehe Ohrensessel, und so. Nehmen Sie sich Zeit, es lohnt sich.

Einen Bericht über den Sauberg lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner Sauberg Tradition 2013 vom Weingut Ingrid Groiss aus Breitenwaida im Weinviertel, Österreich.

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Kategorie: Ingrid Groiss, Verkostet

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