Saphir Brut Vintage 2012

| 13. November 2015 | 0 Kommentare ...alles

Schampus für Kenner UND Entdecker

Nicht süss, nicht fruchtig, eher floral, fein kreidig und dezent herb. Das ist es was diesen frischen Sprudel “anders” macht.

Winzer/Weingut: Bouvet-Ladubay, Saint-Hilaire-Saint-Florent/Saumur, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von Rebstöcken auf kalkhaltigen Böden.

Bouvet Saphir 2012 Flasche/Etikett: Acht Ecken hat das feudale, mit silbernen Rändern umrandete Etikett das auf der Flasche klebt. In der Mitte oben das Wappen, das 1873 von den Mönchen von Saint-Florent gezeichnet wurde. Die beiden Silberlöwen stehen für Mut, Kraft und Aufrichtigkeit und sind das Symbol des Hüters des Ogmius. In der Mitte gross und schwarz BOUVET, darunter ebenfalls in Kapitalen in blau SAPHIR und in silber SAUMUR BRUT VINTAGE. Links und rechts der Jahrgang, 2012. In silber ist am schwarzen Rand ganz unten Appellation Saumur Contrôllée sowie der Hinweis auf die limitierte Anzahl von Flaschen (wenngleich das auch einige sind) eingedruckt. In meinem Fall halte ich die Flasche mit der Nummer 29926 in der Hand. Am schwarzen Rückenetikett in gold noch einmal das Wappen und der Hinweis, dass der Champager nach der Methode Traditionnelle hergestellt ist. Eingefasst ist die Flasche von einer schwarzen Halsmanschette die aufwendig in silber und blau bedruckt ist. Eine wahrlich elegante Erscheinung die jetzt aber endgültig von ihrem Kork befreit und ins Glas befördert wird.

Im Glas: Grünlich gelb und keineswegs blau schimmert der Saphir aus dem Glas heraus. Ein feiner Perlenteppich bidet sich an der Oberfläche.

In der Nase: In die Nasenflügel ziehen frische Aromen von Akazien, Honig und weissen Blüten. Ein sehr floraler Duft der sich da aus dem Becher auf den Weg ins Freie macht. Es riecht reif und weich und fühlt sich sehr cremig in der Nase an. Das Kommando hat eindeutig der Honigtopf und alles was an Obst darin umher irrt, ist bestenfalls dezente Fruchtbegleitung. Im Hintergrund eine leise Ahnung von Nüssen, der Rest ist einfach blütenweiss und honiggelb.

Im Mund: Und plötzlich schmeckt man etwas komplett anderes als man gerade noch in der Nase wahrgenommen hat. Extrem klar und frisch legt sich der Saphir auf die Zunge, geizt dort nicht mit ebensolcher Säure und zeigt zarte grüne Limettentöne. Erst danach beginnt er weicher zu werden, gibt nach und nach wieder ein wenig Honig ab. Nur tröpfchenweise um nur ja nicht üppig zu werden. Es fühlt sich rassig an im Mund, schlank, klar und gerade. Und doch ist es ausgesprochen sexy wie sich der Saphir durchaus körperbetont am Gaumen festsaugt. Da schmeckt man Mandeln, eine ganz zarte bittere Note blitzt auf und kaum dass man sie wahrgenommen hat, wird sie von einer Honigmelone überrollt. Wer glaubt, dass das in Süsse endet irrt; der Saphir ist herrlich trocken und die Perlage ist ein wahres Freudenfest. Es schmeckt honigherb (den Begriff lasse ich mir wohl schützen) und mandelig mit einem Schuss Melone. Eine Mischung, die alltäglich nicht einmal zu buchstabieren in der Lage ist.

Je länger ich am Saphir süffel, umso mehr weiss ich wieder was mir an Chenin Blanc so gefällt. Das schmeckt einfach anders, es fordert mehr und macht doch so viel Spass. Die Mixtur aus Melone, Honig und Mandel die sich hier in feinster Perlage auf der Zunge tummelt mag für manchen ungewohnt sein, doch genau das ist der Reiz der den Saphir ausmacht. Nicht süss, nicht fruchtig, eher floral, dezent herb, dieses unverkennbare Mandelaroma hinten dran. Das ist es was diesen Sprudel so “anders” macht. Erst wenn sich alles über den Gaumen verabschiedet hat, wird man mit einer dicken Scheibe Melone im Abgang belohnt. Der Nachhall dann wieder eher weiss und blumig, leicht herb und im Ausklang dezent melonig. Und vor allem traumhaft trocken.

Auch wenn die meisten den Sprudel einfach in die Flöte giessen und ihn die Kehle runter kippen, halten Sie mal inne. Nehmen Sie ein Weissweinglas und lassen sie den Schampus etwas atmen. Der Saphir legt mit Luft derart zu, wie man es nicht für möglich halten würde. Da kommt ganz plötzlich ganz viel Kreide durch, der Blütenstaub wird fein wie weisser Nebel, das herbe Element fängt an zu dominieren, lässt aber trotzdem der weichen Honignote genügend Platz um Harmonie zu verbreiten. Frische und Weichheit sind kein Widerspruch und Mandel und Melone sollte man einmal in der Feststoff-Variante testen um eine Idee von dieser genialen Kombination zu bekommen.

Resümee: Der Saphir ist Schampus für Kenner UND Entdecker und wer glaubt, dass dieser Spass nicht leistbar ist, der irrt zum zweiten Mal gewaltig. Lächerliche 12 Euro kostet das Juwel, das es locker mit so manchem überteuerten Markensprudel aufnimmt.

Tipp: Mit 8-10º geniessen. Als Aperitif, zu Fischgerichten, Austern oder gegrillten Garnelen die perfekte Begleitung. Oder einfach solo zur Alleinbespassung.

Einen Bericht über den Saphir Brut Vintage lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Saphir Brut Vintage 2012 von Bouvet-Ladubay aus Saint-Hilaire-Saint-Florent, Saumur, Frankreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard, Verkostet

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