Grauer Burgunder ‘Handwerk’ 2010

| 8. März 2012 | 0 Kommentare ...alles

Von wegen Grau.

Gar nicht grau ist der Burgunder der den Weinfreund hier erwartet. Obwohl er Grauburgunder heisst, strahlt er in den schönsten Farben aus dem Kelch.

Winzer/Weingut: Sven Leiner, Weingut Jürgen Leiner, Ilbesheim/Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von einer für Ilbesheim typischen Lage mit Lehm- und Lössböden in der Pfalz.

Flasche/Etikett: Auch diese hellgrüne Burgunderflasche wird vom gewohnt impactstarken Etikett in orange und weiss mit schwarzen Spritzern geziert. Das Stück Papier ist für ‘deutsche Verhältnisse’ das Design betreffend, erfreulich wagemutig und wirkt frisch und voller Leben.

Auch auf diesem Etikett wird mit dem Wort *Hagel 9. Juni 2010 Bezug auf den Verlust eines Grossteils der Ernte 2010 genommen und legt Zeugnis ab was ‘damals’ passsiert ist und wie der Wein dann doch zustande kam. Nur durch die Unterstützung befreundeter Winzer, welche Teile ihres Leseguts aus verschiedensten Pfälzer Lagen Sven Leiner überlassen haben war es möglich, diesen Wein überhaupt herzustellen. Bevor der Tropfen aber ins Glas kommt wandert er für 30 Minuten in die Karaffe. Gut Ding braucht Weile, heisst es, und so soll auch diesem Wein ein wenig Zeit gegönnt sein um sich schön entfalten zu können.

Im Glas: Im Glas zeigt sich der Graue Burgunder überhaupt nicht grau. Ein sehr schönes und sattes, goldfarbiges Strohgelb funkelt aus dem Weissweinkelch. Sehr klar in der Farbe und sehr saftig schaut es im Glas aus.

In der Nase: Das Bukett ist leise, angenhem verhalten aber durchaus frisch in der Nase. Es duftet grün und eine leicht zitronig-nussige Note ist zu vernehmen. Es strömt ein saftig-frischer und sehr animierender Duft aus dem Glas. Es riecht wieder einmal so richtig typisch ‘langsam’. Wer sich darauf erst einmal eingestellt hat, der wird auf die ‘lauten’ Weine in Zukunft gern verzichten können.

Im Mund: Zeit um einen ersten Schluck zu nehmen. Was sofort auffällt ist die Wärme welche dieser Wein ausstrahlt. Getragen von einer feinen Mineralik zeigt er sich kräftig im Körper und hält auch mit seiner animierenden Säure nicht hinterm Berg. Es schmeckt ein wenig rauchig, auf jeden Fall gut ‘gewürzt’ und dicht. Am Gaumen spürt man die Burgunderfrucht und nimmt erfreut das frische Mundgefühl zur Kenntnis. Nach all den bisher verkosteten Weinen Sven Leiners verwundert es nicht, dass auch dieser von einer aussergewöhnlich frischen Mineralität getragen wird und diese in perfektem Zusammenspiel mit der animierenden Säure auftritt. Es prickelt förmlich im Mund und man ist geneigt einen grösseren Schluck zu nehmen um das volle Aromenspiel dieses gar nicht so ‘Grauen’ Burgunders zu spüren.

Was richtig Spass macht an diesem Tropfen ist, dass man nicht mit Fruchtaromen erschlagen wird, sondern diese perfekt dosiert in die gesamte Textur des Weines eingebunden sind. Ich vergleiche das immer mit gefüllten Bonbons, oder wie wir Wiener sagen, Zuckerl. Man muss sich erst zur Füllung ‘durcharbeiten’ um zum fruchtigen Kern zu gelangen. Das was rundherum ist, ist aber mitentscheidend. Es kann schmecken oder es kann einfach schlichte Notwendigkeit, ein unerlässliches ‘Übel’ sein. In diesem Fall ist sie jedoch das tragende wie auch erfrischende Gerüst, welches den Trinkspass erst zu solchem werden lässt.

Mit der Zeit und entsprechender Sauerstoffaufnahme verändert sich der Wein, zeigt dann mehr Würze und wird kraftvoller. Trotz seiner Trockenheit ist er saftig, gut texturiert und dicht im Mundgefühl. Ohne dabei jedoch das frische Element der Mineralik zu verlieren. Der Wein hat ‘Biss’, einen äusserst angenehmen, hält sich auch sehr lange am Gaumen. Fruchtig-herb im Abgang hinterlässt er einen fleischigen Nachhall dem eine reife Frucht entweicht. Der Graue Burgunder aus der Edition ‘Handwerk’ ist kein Wein für Freunde rein primärfruchtiger Vertreter ihrer Zunft, vielmehr sollte man Expressivität in der Nase wie auch am Gaumen mögen. Die Frucht ist auch bei diesem Wein das Tüpfelchen auf dem ‘i’ und es macht richtig Spass diese im Zusammenspiel von Mineralität und Säure am Gaumen zu fühlen und zu schmecken. Es ist lebhaft, es ‘arbeitet’ im Mund und es bleibt einem lange am Gaumen erhalten.

Resümee: Ich persönlich bin endgültig ein Fan von Sven Leiners Weinen geworden. Weil er riskiert, weil er keine Kompromisse eingeht und weil er einfach Weine macht die Charakter und Persönlichkeit haben. So auch dieser Graue Burgunder, welcher sich durch Saft und Kraft wie auch durch Profil und Eigenständigkeit auszeichnet. Ich bin geneigt zu sagen “vergessen Sie Pinot Grigio, trinken Sie Grauen Burgunder”. Dieser hier ist im Grunde ein ‘einfacher’ Wein, der aber soviel Charakter hat, dass er trendgestrickte und hochgelobte Pinot Grigios locker in die Tüte packt. Die 7,- bis 9,- Euro die er durchschnittlich kostet ist dieser ‘handgemachte’ Wein mehr als nur wert.

Tipp: 30 Minuten in die Karaffe und dann zu allem was Ihnen in der Küche so ‘passiert’ einschenken. 11-13º sind ideal und sonst… einfach geniessen.

Einen ausführlichen Bericht über den Grauburgunder Handwerk lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Grauer Burgunder ‘Handwerk’ 2010 von Sven Leiner aus Ilbesheim in der Pfalz, Deutschland.

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Kategorie: Sven Leiner, Verkostet

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