Granato 2013 Vigneti delle Dolomiti Rosso

| 20. Mai 2016 | 0 Kommentare ...alles

Teroldego vom wirklich Allerfeinsten. Grosse Winzerkunst

Das ist Spass pur im Mund, alles ist so leicht, so selbstverständlich und unaufgeregt. Was für ein Saft! Ganz grosses Rotweinkino.

Winzer/Weingut: Elisabetta Foradori, Mezzolombardo, Trentino, Italien.

Lage/Herkunft: Von kieseligen Schotterlagen auf den Hügeln rund um Mezzolombardo.

Granato 2013 Allgemeines: Nicht nur, dass dieser Wein der hier am Tisch der Wahrheit steht auch schon wieder der letzte von Elisabetta Foradori aus Mezzolombardo im Trentino ist. Leider! Ich höre auch schon die lauten Rufe von Kindesmord im Hintergrund. So einen Wein so früh trinken, ja, ich weiss; nur wie soll man erforschen bzw. erahnen wo die Reise eines Weines, noch dazu eines solchen Kalibers wie ihn der Granato darstellt, hin geht? Er ist der Spitzenwein aus dem Hause Foradori, der Überflieger, die Legende und eine absolute Institution in der italienischen Weinwelt. Er zählt zu den richtig großen Rotweinen dieser Welt. Die Reben stehen auf steinigem Schwemmgebiet mit einer Auflage von Kieselsteinen, gereift ist der Granato 2013 15 Monate im Holz. Normalerweise würde man diesen Teroldego der Weltklasse frühestens in fünf Jahren öffnen, aber so lange kann und will ich hier nicht warten, was irgendwie verständlich sein sollte. Aus diesem Grund kommt der Meister seiner Klasse jetzt erst einmal für zwei Stunden in den Dekanter und wird dann in aller Ruhe über ein, vielleicht sogar zwei Tage verkostet. Ich freu mich drauf.

Im Glas: Wie der frisch gepresste Saft dunkler schwarzer Kirschen steht der Granato im grossen Becher. Zarte blaue Reflexe zeigen sich.

In der Nase: Sehr nobel und zurückhaltend ist der Duft der aus dem Kelch die Nasenflügel hochsteigt. Viele dunkle Waldbeeren riecht man, Sauerkirsche, schwarze Johannisbeere und fein geschnipseltes, trockenes Unterholz. Etwas Tabak taucht auf, ein paar Wacholderbeeren kommen dazu und auch ein kleines Stück Zitronenschale drängt sich im wunderbar leisen wie vornehmen Aromenkorb nach vorne. Es riecht frisch und es fühlt sich auch sehr frisch in der Nase an.

Im Mund: Sauerkirsche, Salz, Zitronenschale. Das sind die ersten drei sensorischen Eindrücke auf der Zunge. Mit leichtem Körper steht der Granato frisch auf ihr, ist überraschend zurückhaltend mit Gerbstoffen und fühlt sich ausgesprochen erfrischend an. Es ist saftig, die Säure höchst agil und präsent, bringt richtig Leben in den Mund. Was als leicht säuerlich empfunden wird ist die Verbindung der Sauerkirsche mit dem Salz, doch genau das macht den Granato so keck, so frech und auch verspielt. Am Gaumen ebenso frisch wie zart zitronig, die Gerbstoffe seidig fein. Sie bauen kaum Haftung auf, ich hätte ein wesentlich stärkeres Tanningewitter erwartet. Überraschung gelungen. Natürlich ist der Wein jetzt noch ein “junger Hüpfer” und deshalb auch noch meilenweit von dem entfernt was einmal aus ihm werden soll, doch macht er jetzt schon ungeheuer Spass und glänzt mit einem Trinkfluss der enorm ist.

Langsam, je länger der Granato Luft aufnimmt, baut er nun doch so richtig Haftung auf. Er fasziniert mit seiner nahezu fragilen Struktur in der einerseits viel Kraft steckt, diese aber niemals wirklich in den Vordergund drängt. Ungemein mineralisch fühlt sich der Wein an den Zungenrändern an, saftigsalzigsäuerlich fliesst er an ihnen ab, wirkt enorm verspielt und immer mehr merkt man am Gaumen, wie es leicht zu rieseln beginnt. Es ist jetzt, nach ungefähr fünf Stunden, richtig knusprig da oben, die superfeinen Tannine brettern fein vor sich hin und lassen einen glauben, dass der Wein im Mund “lebt”, so als würde er laufen. Es schmeckt eindeutig rot, wenn auch recht hell, es zieht eine feine Wolke von Tabak und Wacholder ganz weit hinten vorbei und vorne matcht sich die Sauerkirsche mit der Zitronenschale. Das ist Spass pur im Mund, alles ist so leicht, so selbstverständlich und unaufgeregt. Der Abgang ein zart würziger, vor allem aber langer. Übrig bleibt man mit der Sehnsucht nach dem nächsten Glas. Was ist das jetzt schon für ein Saft!

Immer mehr geht der Granato auf und zeigt sich jetzt am Nachmittag wunderbar weich, saftig, griffig und traumhaft frisch im Mund. Brombeeren sind dazugekommen, schwarze Johannisbeeren ebenso, ein Splitter dunkle Schokolade steht neben der Sauerkirsche und am Gaumen schmeckt man zärtlich rot eingefärbten Tabak. Unverwüstlich die salzige Mineralik und die fein geraspelte Zitronenschale. Die beiden sind die heimlichen Regenten in diesem herrlich zart ziselierten und doch herzhaften Wein, der so frisch und kühl im Mund wirkt. So leicht und so überhaupt nicht drängend. Einzig der Trinkfluss macht es einem schwer sich zu beherrschen.

Resümee: Der Granato fliesst einfach sündig süffig durch die Kiemen und man tut sich schwer zu stoppen. Insgesamt ein Wein, der in einigen Jahren, und davon hat er richtig viele vor sich, ein echter Sir und Überflieger sein wird. Der aber jetzt, wo er gerade einmal ohne Stützräder geradeaus laufen kann, schon riesengrossen Spass macht und so trinkig ist, dass man ein Geduldsmensch sein muss, diesen Tropfen zu vergraben und ihn für die nächsten fünf bis sieben Jahre zu vergessen. Das ist Teroldego vom wirklich Allerfeinsten. Das ist grösster Spass und grosse Winzerkunst.

Tipp: Zwei Stunden Karaffe sind aktuell das Minimum, geht an der Luft immer mehr auf. Undbedingt ein grosses Glas nehmen und mit kühlen 14-16º geniessen. Zur Pasta, zum Steak, zur Salami, zu jeder rustikalen Jause. Ein echtes Universaltalent. Für sich allein genossen einer, von dem man locker über zwei und mehr Tage zehren kann.

Einen Bericht über den Granato lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Granato 2013 von Elisabetta Foradori aus Mezzolombardo, Trentino, Italien.

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Kategorie: Elisabetta Foradori, Verkostet

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