Eckart Witzigmann – Mein Grüner Veltliner 2015

| 21. Mai 2016 | 0 Kommentare ...alles

Veltliner mit Substanz und Feuer

Feinster Veltliner aus der Reihe “Was Sie schon immer mal vom Küchenchef getrunken haben sollten.”

Winzer/Weingut: Weingut Türk, Stratzing, Kremstal, Österreich.

Lage/Herkunft: Aus vollreifem Lesegut von den besten Lagen.

Witzigmann GV Allgemeines: Was haben Eckart Witzigmann, seines Zeichens vom Gault Millau 1994 zum Koch des Jahrhunderts gewählt und von der New York Times mit dem Titel Koch der Könige und Götter geehrt, und Franz Türk aus Stratzing im Kremstal, seines Zeichens international prämierter Winzer, gemeinsam? Seit kurzem einen gemeinsamen Wein. Und das kann natürlich nur ein Grüner Veltliner sein. Bereits vor einigen Jahren haben sich die beiden bei einem Gourmetabend im Schlosshotel Velden kennengelernt und begonnen, über die Jahre hinweg eine Idee zu verfolgen, die hier und heute nun zum 75. Geburtstag Eckart Witzigmanns in eben dieser speziellen Edition ihren Niederschlag findet. Der Grüne Veltliner Mein Grüner Veltliner 2015 – Eckart Witzigmann ist ab sofort am Markt verfügbar und bevor die ersten Hymnen auf ihn gesungen werden und der Hype entsprechend ausbricht habe ich die Ehre, die höchst prominente Kreation von Eckart Witzigmann und Franz Türk persönlich kennenzulernen und sie unbeeinflusst von irgendwelchen Lobgesängen zu verkosten. Karaffe ist gefüllt, das Glas poliert, los geht´s.

Im Glas: Sehr helles strohgelb steht im Glas und zeigt feine grünliche Reflexe.

In der Nase: Kaum steckt die Nase im Glas, ist Grüner Veltliner auch schon identifiziert. Sehr viel typischer geht es fast nicht mehr. Frische Pfirsichfrucht und ganz viel weisser Pfeffer wechseln sich eindrucksvoll ab. Darüber schwebt eine feine Zitrusnote, betörend das Zusammenspiel. Eine ganz feine Brise von hellem Tabak weht im Hintergrund vorbei. Ungemein erfrischend wie auch animierend zieht der Mein Grüner Veltliner die Nasenflügel hoch. Speichelfluss setzt ein und macht gierig auf den ersten Schluck.

Im Mund: Relativ weich strömt der Mein Grüner Veltliner auf die Zunge. Er fühlt sich rund auf ihr an, fast schon cremig. War in der Nase noch der Pfirsich leicht dominant, so ist es im Mund eindeutig der Pfeffer. Das ist ein Veltliner-Pfefferl wie es feiner nicht geht. Überraschend mild ist das Säurespiel, weil sich selbige sehr tief im extraktreichen Körper vergraben hat und eher schüchtern als forsch im Mund auftritt. Vollreife Frucht und Stein und Pfefferwürze harmonieren wunderbar miteinander, lassen sich gegenseitig genug Platz zur Entfaltung und treten als geschlossene Einheit auf. Am Gaumen fruchtig-mineralisch, auch hier wieder etwas heller Tabak, Hand in Hand mit frischem Pfirsich. Der Nachhall fruchtig, pfeffrig und sehr aromatisch.

Was man bei jedem Schluck schmeckt ist das vollreife Traubengut das für diesen Wein verarbeitet wurde. Da ist Körper im Mund ohne schwer zu sein, es ist frisch ohne kalt zu wirken und es ist vielschichtig ohne Zunge oder Gaumen zu überfordern. Mit etwas Luft wird der Mein Grüner Veltliner auch würziger, es gräbt sich mehr der Boden durch und den weissen Pfeffer kann fast schon püren wie er auf der Zunge steht. Hinten atmet man ganz fein geschnittenen Pfirsich und etwas Tabak ein, vorne spielt die Würze Erste Geige. Der Tropfen entwickelt ein wunderbares “Feuer” an der Luft, er lodert förmlich vor sich hin, hat eine traumhaft feine Schärfe die aus dem Extrakt tropft und macht riesengrossen Spass im Mund. Das ist Veltliner mit Substanz, und zwar richtiger Substanz.

Eckart und Franz Der Mein Grüner Veltliner schreit förmlich nach feststofflicher Begleitung aus der Küche. Ob in dieser Eckart Witzigmann persönlich oder nur man selbst steht ist völlig nebensächlich. So banal und abgedroschen es auch klingt, ich will zu diesem Wein ein simples Wiener Schnitzel. Was gar nicht so einfach geht wie allgemein geglaubt wird. Und während ich vom Essen träume merke ich, wie der Mein Grüner Veltliner permanent in seiner Aromatik zunimmt, wie saftig Pfefferwürze schmecken und sich anfühlen kann und wie fein und elegant der Wein eigentlich gestrickt ist.

Resümee: Reif, saftig, würzig, feurig und mit verführerischen, zärtlich angedeuteten Rundungen, steht der Tropfen im Mund und sagt “Guten Tag, ich bin ein Veltliner”. Ganz sicher ist er aber einer jener Vertreter dieser Gattung, der mehr dem Mainstream als dem Abenteurer geschuldet ist. Wenn Mainstream allerdings sich so anfühlt und schmeckt, dann trinke ich doch auch ganz gerne mal was aus der Reihe “Was Sie schon immer mal vom Küchenchef getrunken haben sollten.” Feiner Stoff von zwei wahren Meistern ihrer Zunft.

Tipp: Verträgt Luft sehr gut. Mit ca. 10º geniessen. Eckart Witzigmann sagt: “Er liebt das Zusammenspiel mit feinen Vorspeisen genauso wie mit Gemüse, Pasta, Risotto oder Fisch sowie Geflügel, Schwein und Kalb.” Womit ich mir jeden weiteren Kommentar ersparen kann. Ausser, dass der Wein auch als Solist ganz grossen Spass macht.

Einen Bericht über den Mein Grüner Veltliner lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Eckart Witzigmann – Mein Grüner Veltliner 2015 vom Weingut Türk aus Stratzing im Kremstal, Niederösterreich.

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Kategorie: Türk, Verkostet

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