Gräfenberg 2015 Riesling Grosses Gewächs

| 29. September 2016 | 0 Kommentare ...alles

Lebendigkeit die ansteckt

Tabak, Zitrusfrucht und Schiefermineralik rocken diesen Riesling, sein Grip ist sexy und seine Lebendigkeit steckt schlichtweg an.

Winzer/Weingut: Robert Weil, Kiedrich, Rheingau, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der Lage Gräfenberg mit Schieferböden.

graefenberg-gg-2015 Allgemeines: Gestern war´s noch Wehmut, heute setzt der Abschieds-Blues ein. Weil es heute nämlich die letzte Flasche vom Weingut Robert Weil aus Kiedrich im Rheingau zu verkosten gibt. Zu sehr habe ich mich nicht nur an die wunderschönen und unverwechselbaren tiffanyblauen Etiketten, sondern, und vor allem, an das was in den Flaschen drinnen war gewöhnt. Jeden einzelnen “Inhalt” habe ich mehr als liebgewonnen und jetzt, wird die letzte Flasche aus dem Klimaschrank geholt und aufgemacht. Immerhin, nach dem Motto “das Beste kommt zum Schluss”, ein Grosses Gewächs. Nämlich der Riesling Gräfenberg 2015 GG. Und der wird mit allen Ehren am Tisch der Wahrheit aufgestellt, ganz lange ein letztes Mal betrachtet und dann seiner finalen Bestimmung zugeführt. Ich freu mich wie ein Schneekönig und hoffe, dass dies nicht die letzte “himmelblau” beklebte Flasche in meinem Weinleben war.

Im Glas: Mit einem zarten grünen Schimmer steht der Gräfenberg GG im Glas.

In der Nase: Zitronig, leicht herb und durch und durch vom Stein geprägt ist der Duft der mir die Nasenflügel hochströmt. Ein paar Wiesenkräuter zeigen sich, frischer Pfirsich und eine Scheibe Apfel sind darin eingebunden. Es fühlt sich weiss an in der Nase, das herbe, steinige Element wirkt frisch wie auch erfrischend. Weisse und gelbe Blütenblätter finden sich im Hintergrund und sorgen für eine gewissee florale Note. Ein sehr feiner, angenehmer Duft der einem da entgegen kommt, der sich an der Luft sogar noch weiter steigert und komplexer wird.

Im Mund: Weich fliesst der Gräfenberg GG auf die Zunge. Dabei zieht er eine Saftigkeit hinter sich her die richtig Druck macht und sich sofort im Mund ausbreitet. Belebend ist die Säureader, knackig und agil. Aus dem Saft tropft reife Zitrone, grüner Apfel und jede Menge Schiefermineralik. Es knackt im Mund, es fühlt sich lebhaft an, das Tabakblatt das durch die Szene torkelt sorgt für rauchige Bespassung und der Schmelz am Gaumen kann sich sehen lassen. Am Ende aber übernimmt die Säure das Kommando und verbündet sich aufs Engste mit der Mineralität des Weines. Die beiden haben alles unter Kontrolle, der Rest darf mitspielen, wird geduldet, kommt quasi still und leise von hinten. Der Abgang steinig, zart rauchig, griffig und herb. Wunderbar.

Kaum schnappt der Kerl etwas Luft, geht er wie die Sonne im Osten auf. Dann ist Schluss mit cremig, dafür mit Grip versorgt der feinst und weiss und steinig herb ist. Genau das was ich mag, was ich so liebe. Wenn der Wein am Gaumen Textur zeigt, wenn er sich anlegt ohne Gewicht zu haben, wenn er einfach haftet und sich nur langsam wieder ablöst. Während auf der Zunge Saft und Säure, Frucht und Mineralik sich zu einem fröhlichen Beisammensein getroffen haben und jedem sein Platz zugestanden wird. Straff fühlt sich der Gräfenberg GG an, kernig, knackig und doch weich und rund in seiner Erscheinung. Eine Prise nasser Stein am Zungenrand, ein Spritzer Limette und ein paar Tropfen frischer grüner Apfel und fertig ist ein Auftritt den man beschwingt und lebenslustig nennen darf. Ich werde noch zum Rieslingtier, und ich liebe es.

Resümee: Auch beim Gräfenberg GG sei darauf hingewiesen, dass er aufgrund seiner Jugend gerade einmal “laufen” kann. Doch macht er das bereits mit solcher Selbstsicherheit, dass man sich seine Zunkunft bestens vorstellen kann. Wenn er, was er heute bereits der Zunge und dem Gaumen “antut”, dann etwas gewachsen ist…. ich rede gar nicht weiter. Weil der Tropfen jetzt schon ein Genuss ist, weil er die Zunge einlullt, den Gaumen einnimmt und sich des Mundraums mächtig macht, ohne dass man sich wehren könnte. Weil diese Kombination aus Tabak, Zitrusfrucht und Schiefermineralik einfach umwerfend ist. Weil dieser Grip ihn richtig sexy macht und weil seine Lebendigkeit schlichtweg ansteckend ist. Und deshalb sage ich zum Abschluss der “Weil-Verkostungsrunde” nur noch eines: Ich bin endgültig zum Rieslingfeund geworden. Und diese Liebe wird ewig bestehen bleiben. Aber nur wenn weiter solche Tropfen in die Flaschen wandern. Denn davon will ich noch ganz viele trinken bis ich alt und runzelig im Ohrensessel sitze und mich nicht mehr rühren kann. Es war mir ein Vergnügen.

Tipp: Zwei Stunden Karaffe sind perfekt zum Auftakt. Mit 8-10º geniessen. Zur klassischen Wiener Küche, zu Fisch gebraten und gegrillt, zu weissem Fleisch ganz allgemein und auch zu knackigem Gemüse. Oder einfach als Solist genossen weil er gar so köstlich schmeckt.

Einen Bericht über den Gräfenberg GG lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Gräfenberg 2015 Riesling Grosses Gewächs vom Weingut Robert Weil aus Kiedrich im Rheingau, Deutschland.

Tags: , , , , , , , , ,

Kategorie: Robert Weil, Verkostet

Ihr Kommentar