‘Florian’ Cuvée 2009

| 11. Februar 2012 | 0 Kommentare ...alles

Tango & Temperament.

Eine Cuvée die rassig, feurig und mit jeder Menge Temperament gesegnet ist. So schmeckt Tango auf der Zunge.

Winzer/Weingut: Weingut Draxler, Haschendorf, Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von unterschiedlichen Weingärten und wechselnden Böden rund um und in Neckenmarkt im Burgenland.

Flasche/Etikett: Das Etikett wie üblich in perfekter Weise dem Corporate Design folgend, weiss mit dem roten Siegel drauf und sonst nur noch der Name der Cuvée. Minimalistisch wie immer, einprägsam und mit hilfreicher Information am Rückenetikett. Dort steht auch zu lesen, dass der Wein am besten 2017 zu geniessen ist. Was insoferne Pech für ‘ihn’ bedeutet, da er heute bereits dran ist und Pech für uns, da wir nicht solange warten können um Ihnen diesen Genuss näherbringen zu können. Also erzählen wir Ihnen heute wie er heute schmeckt und hoffen ein paar Fläschchen zu ergattern, um Sie im Lauf der nächsten Jahre über seine Entwicklung am Laufenden halten zu können.

Drei Stunden haben wir eingeplant um ‘Florian’ Luft holen zu lassen. Nach zwei Stunden wird der Wein dann ‘angetrunken’ um zu sehen wie weit er ist und wohin er sich in den nächsten Stunden entwickeln wird.

Im Glas: Im Glas präsentiert sich die Cuvée in einem satten und funkelnden rubinrot mit karminfarbenen Rändern. Es ist eine dichte Farbe, ermöglicht aber trotzdem einen schönen Einblick.

In der Nase: Aus dem Glas duftet es eindeutig nach Johannisbeeren, begleitet von einer intensiven würzigen Holznote. 15 Monate Holzfass lassen grüssen. Es riecht feurig-würzig, eine versteckte Schokoladenote macht sich leise bemerkbar und tanzt neben dem Beerenduft einher. Insgesamt ein ansprechendes, aktives und intensives Bukett das sich nach zwei Stunden Belüftung vorstellt.

Im Mund: Und dann der erste Schluck. Viel Holz, saftige Frucht, würzige Begleitmusik im Mund, aber eindeutig noch entwicklungsfähig. Die zwei Stunden waren auf jeden Fall schon einmal richtig, zeigt sich die Cuvée doch noch ein wenig forsch am Gaumen. Die vielfältigen Aromen wirken noch nicht ganz sortiert und so entsteht ein leichter Eindruck von Geschmackschaos im Mund. Nicht unangenehm, aber eben unorganisiert. Man schmeckt die saftige Frucht heraus, Cassis, und man ist beeindruckt vom sehr präsenten Holzeinsatz. In einem festen Tanningerüst eingebettet prickelt es wohltuend mineralisch über die Zunge und man spürt das Feuer das in ‘Florian’ lodert. Es ist ein impulsiver Wein, fordernd, feurig und voller Temperament.

Vordergründig schmeckt man Merlot und Cabernet Sauvignon heraus. Diese beiden Rebsorten haben eindeutig das Kommando im Glas. Der Blaufränkisch sorgt für die Zügelung der Fruchtaromen und verleiht der Cuvée Struktur. Der Zweigelt rundet das Quartett als ‘Hintergrundstimme’ unauffällig ab. Es mag ein wenig merkwürdig klingen, aber irgendwie erinnert der Geschmack mehr an einen Barrique-Brunello als an eine Cuvée aus dem Burgenland. Interessant und ungewöhnlich, aber gut.

Nach drei Stunden wird das zweite Glas gefüllt und in selbigem herrscht eine Trockenheit welche aridem Klima mehr als nur gerecht wird. Auf jeden Fall sind die drei Stunden ideal gewesen und so zeigt sich ‘Florian’ jetzt richtig rund und saftig. Dabei verströmt er eine erfrischende Kühle die sein heisses Temperament ein wenig zügelt. Die komplexen und vielfältigen Aromen präsentieren sich als Einheit, haben sich konsolidiert. Die Frucht ist sehr schön eingebunden in ein stimmiges Tannin-Säuregerüst, ist aber eindeutig zugunsten einer aktiven und spröden Mineralität in den Hintergrund getreten. Man hat jetzt das Gefühl den kargen Boden schmecken zu können und es hat den Anschein als befände man sich auf einem mit saftigen dunklen Beeren gesäumten Schotterweg untwerwegs.

Resümee: Der Wein ist Boden pur und ich bin äusserst neugierig wie sich diese Cuvée in den nächsten Jahren entwickeln wird. Der Anfang ist bereits mehr als vielversprechend und macht richtig Lust aufs Warten. Wenn Sie es schaffen von diesem Tropfen nach vier bis sechs Stunden in der Karaffe noch ein, zwei Gläser übrig zu haben werden Sie feststellen, dass die Nase von ‘Florian’ eindeutig verhaltener wird, sein Geschmack immer mehr ins Vanillige, rauchig-schokoladige und herb-holzige driftet und über all dem eine fruchtige Note wie ein dünner Film darüber liegt. Spannendes Weinerlebnis für einen ganzen langen Abend.

Tipp: Füllen Sie den Wein in eine bauchige Karaffe um und lassen Sie ihn jedenfalls drei Stunden atmen. Dann ziehen Sie die Offroad-Reifen auf und geniessen ihren Trip ins vinophile Outback. Persönlich empfehle ich den Wein um 2-3º kühler als empfohlen (18º) zu geniessen, da diese Kühle seine frische Mineralität besser unterstreicht.

Einen ausführlichen Bericht über die Cuvée Florian lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde eine Cuvée ‘Florian’ 2009 vom Weingut Draxler in Haschendorf aus dem ‘Blaufränkischland’ im Burgenland, Österreich.

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Kategorie: Verkostet, Weingut Draxler

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