Weisser Burgunder ‘Handwerk’ 2010

| 16. Februar 2012 | 0 Kommentare ...alles

Echtes Handwerk, echter Wein.

Ein Paradebeispiel wie anders, erfreulich und vor allem günstig ausgezeichneter Weissburgunder schmecken kann.

Winzer/Weingut: Sven Leiner, Weingut Jürgen Leiner, Ilbesheim/Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von Kalkmergel durchsetzten Lehm- und Lössböden, von verschiedenen Winzern und von unterschiedlichsten Lagen in der Pfalz.

Flasche/Etikett: Die hellgrüne Burgunderflasche wird von einem äusserst impactstarken Etikett verziert, das sowohl von seiner Grafik wie auch farblich ein totaler Blickfang ist. Orange als dominierende Farbe, mit kleinen schwarzen Spritzern auf weissen Hintergrund. Ein Etikett, welches trotz seiner fröhlichen Farbgestaltung erdig-rustikal wirkt. Es erinnert an Fingerabdrücke und die schwarzen Kleckse deuten (so vermute ich) den Hagel an, der für den Verlust eines Grossteils der Ernte 2010 verantwortlich war.

Wie schon im Bericht über den Riesling 2010 am Ende darauf eingegangen, entstand auch dieser Wein durch Unterstützung befreundeter Winzer, die Teile ihres Leseguts aus verschiedensten Pfälzer Lagen Sven Leiner überlassen haben. Der Hinweis *Hagel 9.Juni 2010 auf dem Etikett trägt diesem Umstand Rechnung und legt Zeugnis ab was ‘damals’ passsiert ist und wie der Wein zustande kam.

Im Glas: Ein frisches, leicht grünlich angehauchtes hellgelb funkelt im Glas und beim Schwenken perlt es, was auf aktives ‘Treiben’ im Kelch hindeutet.

In der Nase: In die Nase strömt eine kühle fruchtige Note nach Steinobst und jede Menge rassige Mineralität. Es riecht nach aktiver Säure, schneidig und vor allem richtig knackig. Das Wasser fliesst im Mund zusammen und man will in diesen Wein richtig reinbeissen, so animierend duftet es aus dem gefüllten Glas heraus. Dieses erste wurde direkt aus der Flasche eingegossen, der Rest wartet in der Karaffe um zu zeigen wie er sich an der Luft verändert.

Im Mund: Der erste Schluck im Mund überrascht dann angenehm mit einer etwas moderateren Wahrnehmung als jene die man kurz zuvor noch in der Nase hatte. Frisch und aktiv ist der Weisse Burgunder, er tanzt auf der Zunge und ist bei weitem nicht so säurebetont wie man es vom Bukett her vermumutet hätte. Vielmehr ist die trotz allem frische und trockene Säure wundervoll in einen festen Körper integiert. Es schmeckt pikant im Mund und man ist geneigt diesen Weissburgunder würzig zu bezeichnen. Der ‘Handwerk’ hat Schneid, ist rassig und füllt dem Mund mit angenehmer Mineralität aus. Zu all dem gesellt sich das Aroma von satten grünen Äpfeln in Verbindung mit einer leicht nussigen Note. Das ist Weissburgunder der in der Tat ‘anders’ schmeckt. Er hüpft zwar, den Duft betreffend, förmlich aus dem Glas, zeigt sich im Mund dann aber trotz seiner pikanten Knackigkeit rund und süffig.

Im zweiten Glas, welches bereits aus der Karaffe ist, duftet es noch immer frisch und fröhlich und voller Lebenslust. Nur ist es leiser geworden, versammelter und voller. Es ist noch immer die grüne Frucht im mineralischen Mantel dominierend, aber es ist alles insgesamt weicher geworden. Im Mund ist Sven Leiners ‘Handwerk’-Weissburgunder jetzt kompakter, noch nussiger und mit einer noch dichteren, leicht herben Würze ausgestattet. Die dominierenden Fruchtaromen sind etwas in den Hintergrund getreten und man schmeckt jetzt mehr das Mineralische, das Würzige auf der Zunge und am Gaumen. Auch von der Säure her ist der Weissburgunder ruhiger geworden, obwohl sie noch immer wunderbar vorhanden ist. Sie ist nur noch tiefer integriert und fast hat es den Anschein als hätte sie sich sogar ein wenig ‘versteckt’. Trotz allem sorgt sie relativ lautlos für Leben im Wein und konzertiert geschickt das Spiel zwischen Frucht und Mineralität.

Resümee: Ich mag den Tropfen und es ist eine Freude den Unterschied zu so vielen anderen dieser Gattung so deutlich heraus zu schmecken. Wirklich beeindruckend. Zu all dem ist der Weissburgunder auch noch mit einem Trinkfluss gesegnet, dem man sich mit Spass und Freude einfach hingibt. Gönnen Sie sich eine Flasche um knappe schlappe 8 Euro zu Fisch oder Pilzgerichten, oder geniessen Sie einfach ein, zwei Gläschen solo von diesem handwerklich einwandfreien und auf allen Linien überzeugenden Weissburgunder. Er ist echtes Handwerk und somit ‘echter’ Wein. Dass dieser Weissburgunder ganz nebenbei noch Ecocert®-zertifiert ist sollte auch bei Bio-Fans den entsprechenden Eindruck hinterlassen. Dazu kommt wieder einmal die Erkenntnis: “Es muss nicht immer teurer Wein sein um Spass zu haben. Es gibt auch Weine um wenig Geld die einfach unbeschwerten und höchst erfreulichen Weingenuss ermöglichen.”

Tipp: 12-13ºC sind ideal. Testen Sie ein erstes Glas direkt aus der Flasche und füllen Sie den Rest zum Atmen um. Sie werden ehrlich staunen.

Einen ausführlichen Bericht über diesen Weissburgunder lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Weisser Burgunder ‘Handwerk’ 2010 von Sven Leiner aus Ilbesheim in der Pfalz, Deutschland.

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Kategorie: Sven Leiner, Verkostet

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