Blaufränkisch Reihburg 2011

| 1. Dezember 2014 | 0 Kommentare ...alles

Elegantes Monument in feinstem Tuch.

Blaufränkisch auf die Spitze getrieben. Monumental, elegant sowie seidig kühl und fein. Für die grossen und ganz besonderen Momente.

Winzer/Weingut: Uwe Schiefer, Welgersdorf im Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von eisenhaltigen Lehm- und Schiefer, sowie Quarz- und Schotterböden der burgenländischen Eisenberg-Region.

Reihburg 2011 Flasche/Etikett: Bestens bekannt ist das auffällige Etiketten-Design, welches auch die letzte dunkle Burgunderflasche mit dem kostbaren Inhalt ziert. In diesem Fall noch dunkler als gewohnt, nur mehr ganz wenig von rot und violett zu sehen, fast schwarz in seiner gesamten Erscheinung ist die Grafik die sich tief in den weissen Bereich der Weinbeklebung zieht. In schwarz rechts aussen wie gehabt schiefer, leicht angeprägt und partiell lackiert. Im linken Teil Blaufränkisch ‘r’ und unterhalb in rot Reihburg 2011.

Auch dieses Etikett ist in einem Stück gefertig und so steht auch hier am rechten schwarzen Rand in weisser Schrift alles drauf was sonst noch wesentlich und wissenswert ist. Wie bereits der Jahrgang 2009 weist auch der Jahrgang 2011 einen Alkoholgehalt von 13,5 %vol. auf. Und wie schon 2012 dem 2009er wird auch 2014 dem 2011er zwei Stunden Zeit in der Karaffe gegeben um unter gleichen Voraussetzungen ins Glas zu kommen.

Im Glas: Dichtes dunkelrot mit kräftigem violetten Schimmer steht im Glas. Fast blickdicht im Kern, annähernd schwarz.

In der Nase: Ungemein vielschichtig und eindrucksvoll ist das was einem alles in die Nase hoch strömt. Tabakblätter tummeln sich mit schwarzen Brombeeren, feuchte Erde reibt sich am Unterholz und rote Kirschen und Weichseln in saftiger Kräuterwürze hüpfen einem in die Nasenflügel. Ein Feuerwerk an Geruchseindrücken an welchen man sich nicht satt riechen kann. Alles fühlt sich ungemein dicht und doch sehr frisch und feingestrickt an. Keine Hitze in der Nase, sondern kühl gewirkte Seide die Stil und Eleganz vermittelt. So riecht der Herbst in seiner vollen Pracht.

Im Mund: Drei Eindrücke gleichzeit vermittelt der Reihburg wenn er auf die Zunge kommt. Er ist salzig, er ist säurebetont und er zieht jugendliche, aber doch bereits sehr feine und runde Tannine hinter sich her. Es raschelt am Gaumen, als würde man feinsten Flugsand darüber blasen. Es schmeckt einerseits fruchtig und gleichzeitig ungemein erdig. Die Zunge wird von einer Säure massiert die das Prädikat ‘wertvoll’ trägt und der Abfluss an den Rändern fühlt sich ausgesprochen salzig an. So konzentriert und dicht der Reihburg auch im ersten Eindruck erscheint, er fühlt sich letztlich leicht und kühl im Mund an. Auf der einen Seite verrichten die Gerbstoffe ganze Arbeit und halten Zunge und Gaumen dicht beieinander und gleichzeitig spürt man, wie es einem dank der frischen Säure und der salzigen Mineralik die Wangen zusammen zieht. Köstlich, herrlich, wunderbar! Und das ist erst der Anfang der Erkundung, bei der man gar nicht nachkommt Eindrücke zu sortieren und entsprechend ‘auszuwerten’.

Das zweite Glas ist dem Geschmack gewidmet, weil man beim ersten nur damit beschäftigt war was man im Mund gefühlt hat zu sortieren. Jetzt schmeckt man wie der dichte Saft von Kirschen und Brombeeren über die Zunge fliesst, wie alles schmeckt als wäre es in einer Hülle aus Tabakblättern, Laub und Unterholz verpackt. Braune Würze steht im Mund, saftiges Fruchtfleisch von Sauerkirsche zeigt sich und auch eine Rippe Bitterschokolade taucht im Hintergrund auf. Es fühlt sich kompakt im Mund an, dabei wirkt es trotzdem elegant und fein. Der Reihburg überzeugt auch mit diesem Jahrgang und zeigt sich als ein Fabelwesen aus der Blaufränkischwelt. Immer mehr binden sich mit der Zeit die Gerbstoffe ein, immer feiner werden sie und man geniesst das feine Rieseln am Gaumen. Man verliebt sich in die Säure die aus jedem einzelnen Schluck tropft und man ergötzt sich an der Salzspur, welche sich nach wie vor eindrucksvoll über die Zunge her macht. Nichts davon steht jedoch im Vordergrund, alles wirkt perfekt konzertiert, nichts tanzt aus der Reihe, alles ist in Balance. Ach ja, im Nachhall etwas Ceylon-Tee, schwarz, kurz aufgebrüht und nicht enden wollend. Was aber jeh wieder vorbei ist, weil man einfach ein nächstes Maul voll nimmt um wieder richtig durchgespült zu werden.

Vier Stunden später beginnt man vorsichtig zu ahnen, welch saftig-kräftige Essenz einem in ein paar Jahren bevorstehen könnte. Immer dichter, immer kompakter wird der Reihburg, die Luft befeuert ihn, lässt ihn immer mehr zu einem ganz Grossen werden. Muskulös ist er, ja, aber nicht aufgepumt. Kräftig ist er, ja, aber nicht überpowert. Trotz seiner eindrucksvollen Statur schafft es der Reihburg fein zu bleiben, sich elegant im Mund fortzubewegen und eine kühle Frische zu hinterlassen, die man von Monumenten wie diesem nicht immer erwarten kann.

Resümee: Es sind die Säure und die salzige Mineralik die ihn rassig wirken lassen, es sind die kühlen herbstlichen Noten von Laub und Unterholz die ihn leicht erscheinen lassen und es sind die dunklen fruchtigen Aromen mit einem Spritzer Sauerkirsche, die ihn jugendlich, verspielt und süffig machen. Verglichen mit dem Jahrgang 2009 ist der 2011 säurebetonter, salziger und feiner gestrickt. Was mich daran erinnert, dass hier noch was aus 2009 herum liegt, was 2014 sicher schon um Längen weiter ist als 2012. Verwirrt? Macht nichts, der Reihburg beraubt Sie so oder so ihrer Sinne und wenn Sie so ein Gesamtkunstwerk in voller Pracht erleben wollen, dann kalkulieren Sie mit ca. 55-60 Euro für die Pulle und Sie sind dabei. Der Witz ist nur, dass wenn man einmal von diesem Saft gekostet hat, man sich mit weniger nur mehr schwer zufrieden geben kann und möchte.

Tipp: 2 Stunden Karaffe und die Reise kann beginnen. Um die 18º im Winter, etwas kühler im Sommer. Fleisch, Geflügel, Wild, selbst eine banale Bratwurst adelt dieser Tropfen. Ich persönlich mag ihn am liebsten solo, ohne alles. Nur er und ich. Und sonst nichts.

Einen Bericht über den Reihburg lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Reihburg 2011 von Uwe Schiefer aus Welgersdorf im Südburgenland, Österreich.

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Kategorie: Uwe Schiefer, Verkostet

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