Profund 2012 Traminer

| 2. Dezember 2014 | 0 Kommentare ...alles

Auf der Traminerwolke Sieben.

Nachruf auf einen Wein, den es nicht mehr gibt und dessen Nachfolger erst im März 2015 in den Handel kommt.

Winzer/Weingut: Herbert Zillinger, Ebenthal/Weinviertel, NÖ, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Lage In Haiden mit ihren leichten Lössböden mit hohem Kalkanteil.

Was schreibt man eigentlich über einen Wein den es nicht mehr gibt? Der ausgetrunken ist und auf dessen neuen Jahrgang (2013) man noch bis März 2015 warten muss, bis man diesen im Handel zu erstehen in der Lage sein wird? Einen Nachruf. Und damit fällt dieser Verkostungsbericht über den dahin geschiedenen Traminer Profund 2012 aus Herbert Zillingers berühmt-berüchtigter Edition Z auch ein wenig anders als herkömmliche Berichte aus. Das beginnt bereits damit, dass auf eine übliche Etikettenbeschreibung verzichtet wird, weil, wie man hier sehr gut sehen kann, nicht mehr wirklich viel da ist was es sinnvoll zu beschreiben gibt, oder sogar unmöglich macht.

Profund-Collage 2012 Dafür gibt es beim neuen Jahrgang (2013), der übrigens auch schon hier liegt, dem aber noch ein Weilchen Ruhe zugestanden wird bevor er das Licht der Öffentlichkeit erblickt, wieder eine Beschreibung wie man sie kennt und auch gewohnt ist. Der Profund 2012 jedenfalls erzählt heute eine Geschichte aus der Vergangenheit und wer noch was davon zuhause hat, der darf sich glücklich schätzen, kommt er denn hier zum einzig verfügbaren virtuellen Nachruf auf einen Wein, der 2015 völlig anders als 2013 daher kommen wird. Soviel kann ich schon verraten, da ich beide bereits im Sommer 2014 verkostet habe und schon da erkennbar war, wie unterschiedlich diese beiden Jahrgänge sind. Aber das wird erst beim nächsten Bericht, der demnächst erscheinen wird, verraten. Soviel so unklar. Oder kommen Sie noch mit? Wie auch immer, jetzt wird der Profund 2012 auf seine letzte Reise geschickt und mit einem würdevollen und andächtigen Zeremoniell, indem er noch einmal zwei Stunden Wiener Raumluft schnuppern darf, im blankpolierten Glas seiner finalen Bestimmung zugeführt. Noch vor dem Antrunk wurde selbiges gewechselt und der Burgunderkelch damit gefüllt. Das kommt davon wenn man sich mehr Gedanken über den Verblichenen als über dessen letzte Ruhestätte macht. Man verzeihe mir daher das falsche Glas am unten stehenden Bild.

Im Glas: In sattem, kraftvollen goldgelb liegt der Profund im Weinpokal und leuchtet ein letztes Mal mit einem zarten Hauch von grünlicher Patina auf.

In der Nase: Kräftig sind ebenso die Aromen die einem in die Nase strömen, dabei weit entfernt von laut und ordinär. Es riecht ungemein würzig, konzentriert und dicht nach Muskatnuss, nach Rosenblättern und Gewürznelken. Im Schlepptau folgen Spuren von getrocknetem Obst, von Erde und von Rauch. Je mehr man den Profund im Glas schwenkt, umso mehr wird der Duft weisser, umso stärker kommen Stein- und vor allem Kalkaromen hervor. Immer intensiver wird das Wechselspiel von purer Mineralik und kräftiger Würze. Ein Duft der fordert jedoch niemals anstrengt. Nach und nach tauchen eingelegte Orangenschalen auf und komplettieren harmonisch diese komplexe Komposition von fruchtig-erdbetonen Düften.

Im Mund: Profund 2012 im Glas Hat mich schon der In Haiden schwerst beeindruckt, so setzt der Profund dem Ganzen noch einen drauf. Er macht den In Haiden deshalb nicht weniger wertvoll oder gar schlechter, keinesfalls. Er ist nur noch konzentrierter, noch dichter, noch vielschichtiger und der Rauch im Hintergrund setzt ihm das imperiale Krönchen auf. Knappe drei Stunden hat der Wein bereits Luft geschnappt und sich in einen extrem mineralischen wie auch saftigen Saft verwandelt. Reife gelbe Frucht ist das was man meint zu schmecken, kräftige Gewürze tief darin eingearbeitet. Rosen, Muskatnuss und Orangen tummeln sich im Becher und alles bildet ein Extrakt, das trotz seiner konzentrierten Dichte fein und leicht über die Zunge läuft. Man spürt zwar eine Opulenz die sich im Mundraum breit macht und ist erstaunt wie fein, fast nebelig leicht sie sich anfühlt. Keine Spur von Schwere oder Übergewicht, das ist wie Hochleistungs-Schmiermittel in der Light-Variante. Rauch, Kalk, Früchte, Erde, Würze. Alles kommt zum Zug und nichts drängt sich auf. Profund, in des Wortes bestem Sinn ist der Profund und beamt mich ungebremst auf die Traminerwolke Sieben.

Obwohl von einer ausgeprochen würzigen Aromatik getrieben versteht es der Profund geerdet und ‘normal’ zu bleiben. Brennen einem viele Traminer ob ihrer Würze die Haut vom Gaumen, so pinselt der Profund diesen mit feinem Rauch ein bevor er sich darauf entfaltet. Die getrockneten Früchte sind mit kleinen Nelken gespickt, der Rosenduft ist fein und die Muskatnuss ist von weissem Kalk ummantelt. Auf der Zunge extraktreich, dabei leicht, fast schwebend. Trotzdem macht er Druck, nur zeigt sich dieser nicht in rustikaler Lederhose sondern in sportlichem Tweed und damit passend gekleidet für den Sonntagsausflug nach Southampton. Grob gewirkt ist er und doch so mild und cremig fühlt er sich im Mund an. Im Abgang mit der vollen Würze eines Traminers ausgestattet und gleichzeitig mehr als elegant. Nichts drängt sich in diesem Hundertmann-Orchester in den Vordergrund, alles ist im Takt, im Rhythmus, in überwältigender Harmonie. Es ist kein Streichorchester das hier spielt, das hier ist der Verein Königlicher Dudelsackbläser die zum beeindruckenden Finale aufspielen. Wie schon der In Haiden hat auch der Profund so etwas herrlich Englisches an sich. Er vereint eigenwilligen Charakter mit Understatement, fühlt sich bei aller Knorrigkeit elegant und britisch unterkühlt an. Trotz aller ‘Close to Earth’- Charakteristik ist er ein Gentleman und echter Sir.

JG 2013 ab März 15 Es macht einfach grossen Spass den Profund dabei zu beobachten, wie er sich von Stunde zu Stunde weiter hantelt und sich dabei immer mehr in einen ‘Weissen Lord’ verwandelt. Er verliert nichts an Würze und Aromatik, nur verändert sich seine Charakteristik immer mehr hin ins Erdige. Unendlich lange spürt man noch die warmen Aromen der Gewürze im Nachhall, sie hören nicht auf, geben tröpfchenweise langsam alles ab, was in diesem Saft jemals drin war. Und am Ende tauchen immer wieder die eingelegten Orangenschalen in Begleitung von Birne und Litschi auf und verleihen dem Tropfen jene Dosis Frucht, die ihn so extraktreich wie auch opulent erscheinen lässt und alles doch nicht ist.

Resümee: Der Profund 2012 braucht Zeit in der Karaffe und im Glas. Am besten wie bereits erwähnt ein grosses. Und dann sollte man sich mit diesem Kerl einfach hin setzen und Glas für Glas über den Tag verteilt geniessen. Man sollte ihn dabei beobachten wie er sich wandelt, wie er vom einfachen Ritter des Aromas zum echten Sir wird und wie wohl man sich in seiner Gesellschaft fühlt. Wer es schafft die Hälfte einer Flasche über die Nacht in den nächsten Tag hinein zu retten, der ist entweder Masochist weil ihn warten einfach anmacht, oder ein wahrer Könner der weiss, dass heute nichts so gut ist, als dass es morgen nicht noch besser sein könnte. Ich hab es nicht geschafft zu warten und den Profund auf seiner letzten Reise in immerhin zwölf Stunden langsam zu Grabe getragen. 2013 wird dann völlig anders. Aber das ist auch eine ganz andere Geschichte.

Tipp: Falls Sie noch einen haben: Geben Sie ihm drei, besser vier Stunden in der Karaffe und nehmen Sie ein Burgunderglas. Und dann, am besten mit um die 12º genossen, lassen Sie ihn einfach wirken. Verzichten Sie auf Essen, trinken Sie. Und fliegen Sie.

Einen Bericht über den Profund 2012 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Traminer ‘Profund’ 2012 vom Weingut Herbert Zillinger in Ebenthal im Weinviertel, Niederösterreich.

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Kategorie: Verkostet, Zillinger

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