Bellavista ‘Gran Cuvée Pas Operé’ 2006

| 22. Februar 2015 | 0 Kommentare ...alles

Spumante von Gottes Gnaden.

Völlig ungeeignet für das Bussi-Bussi-Sprudel-Frühstück. Ausser man schert sich nicht um Konventionen und ordert eine Bottle zum Filetsteak. Oder zwei.

Winzer/Weingut: Vittorio Moretti, Bellavista, Erbusco/Brescia, Italien.

Lage/Herkunft: Von den besten Partien der Lagen in der Franciacorta, zwischen dem Lago d’Iseo und der Ebene rund um Brescia.

Franciacorta Gran Cuvee Pas Opere Flasche/Etikett: Einem grossen dunkelbraunen Kegel gleicht die imposante Flasche, auf welcher ganz unten ein breites, in Form einer Ellipse gehaltenes, schlammgrünes Etikett klebt. Ein dünner goldener Rahmen umschliesst die Form. Oben steht in elegant geschwungener goldener Schrift Gran Cuvée Pas Operé und unterhalb in einer Outline-Typo in Grossbuchstaben BELLAVISTA. Darunter Franciacorta und der Jahrgang, in diesem Fall 2006. Jahrgangs-Sprudel also. Fertig ist das edle Teil. An der Schulter des langen schmalen Flaschenhalses ist ein B geprägt. Eingefasst ist dieser selbst von einer eleganten schlammgrünen Manschette mit einem hochgeprägten Golddruck des Namens Bellavista, inklusive der DOCG Versiegelung. Qualität wird gezeigt. Am Rückenetikett nicht mehr als noch einmal der Name des Edelsprudels, der Hinweis EXTRA BRUT und das Datum wann die Degorgierung stattgefunden hat. In diesem Fall im Jahr 2011. Und jetzt wird der Blubber von seinem Stoppel befreit und in den Kelch verfrachtet.

Im Glas: In strahlendem goldgelb blubbert der Pas Operé mit einem zarten grünlichen Schimmer vor sich hin.

In der Nase: Trauhmaft ist das was aus dem Glas an Duft emporsteigt. Oder noch besser, betörend. Da dampft ein ganzer Honigblock süss und würzig raus, man riecht saftige Äpfel, Mandarinen und auch Kamillentee. Wiesengras, frisch und grün und saftig, Steine und jede Menge Gewürze. Ein sinnlicher Duft im Riechorgan, dicht, komplex und in gewisser Weise auch füllig. Dabei belebend frisch, weil die Perlage gar so lustig in der Nase prickelt und für Spannung sorgt.

Im Mund: Karamell. Ist das wirklich Karamell das auf der Zunge steht? Ja, es ist Karamell. Und feine Hefe. Und reife Frucht, unterfüttert von braunen Gewürzen. Wahnsinn. Einfach toll. Verwirrung pur beim ersten Schluck, weil man so etwas nicht erwartet hätte. Dunkler Honig zieht mit einem Zweig Rosmarin über den Gaumen, auf der Zunge steht dichter Saft, der selbige angenehm wohltuend massiert. Zart ist die Perlage und doch präsent und lebendig. Nur wirkt sie in diesem dichten, durchaus muskulösen Körper weich und rund. Überhaupt sind es die hochreifen Apfelaromen die dem Pas Operé soviel Frucht und saftigen Biss verleihen. Und natürlich der dunkle Honig, der wie ein feiner Film darüber liegt und allem eine dezente braune Würze mitgibt. Auf der Zunge ein kurzer süsser Stich, versetzt mit einem gtuen Schuss Säure, am Gaumen bereits herb und trocken.

Der Pas Operé macht Druck im Mund, ist alles andere als ein banales Schickimicki-Wässerchen das nichts zu sagen hat. Vielmehr sorgt seine frische und agile und doch so weiche Perlage für Leben auf der Zunge. Dabei merkt man erst mit der Zeit wie trocken der Spumante tatsächlich ist, wie wunderbar herb er sich am Gaumen anfühlt nachdem der Saft sich etwas verflüchtigt hat. Und man staunt über die fast schon elegante Hefenote die sich im Hintergrund bemerkbar macht, sich aber überhaupt nicht aufdrängt und allem diese ungewöhnliche Aromatik verleiht. Der Pas Operé, eine Gotterscheinung unter den Spumanti. Und plötzlich schmilzt am Gaumen wieder ein Werther’s Karamellbonbon ab. Der Sprudel ist einfach ausserirdisch. Hat Dichte, ist maskulin, steht im Saft und ist doch eine herbe Erscheinung. Grandios.

Resümee: Der Pas Operé zaubert, erfindet sich ständig neu. Mal ist er herb, dann wieder nur trocken, dann taucht plötzlich wieder dichter Saft von Äpfeln und dunkler Honig auf. Mal ist er fein wie Staub, dann steht er plötzlich wieder kräftig auf der Zunge und fühlt sich an wie süsses Gel mit Karamellgeschmack. Er verwirrt, er begeistert, erstaunt und fordert auch. Am Gaumen zarte Blütenaromen, im Abgang lang und weich und gelb. Was bleibt ist gieriges Verlangen nach dem nächsten Maul voll Saft. Kraftvoll steht der Blubb im Mund, ist völlig ungeeignet für das Bussi-Bussi-Sprudel-Frühstück. Ausser man schert sich nicht um Konventionen und ordert eine Flasche zum Filetsteak. Das passt dann und macht mächtig Spass. Die 43 Euro die der Spumante von Gottes Gnaden im Handel kostet sollten einem für ein Erlebnis dieser Art auch mehr als locker aus der Börse kommen. Schliesslich steht hier Sprudel vom Allerfeinsten und nicht irgendein billiger, mit unverschämt viel Kohlensäure gepimpter Fusel im Glas.

Tipp: Entploppen und mit ca. 10º geniessen. Weissweinglas und keine Flöte. Zum Filetsteak, zu Scampi, Hummer und Languste sowieso, aber auch zu Fisch und weissem Fleisch. Oder einfach solo, weil der Sprudel dann für ungeahnte Sinneseindrücke sorgt.

Einen Bericht über den Gran Cuvée Pas Operé lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Spumante ‘Gran Cuvée Pas Operé’ 2006 von Bellavista aus Erbusco/Brescia in Italien. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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