weisser schiefer ‘m’ 2007

| 9. Juni 2012 | 0 Kommentare ...alles

Wein zum Fliegen.

Meditationswein feinster Sorte und nichts für den schnellen Durst. Ein Landwein der Kenner wie Könner zum Fliegen bringt.

Winzer/Weingut: Uwe Schiefer, Welgersdorf im Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von eisenhaltigen Lehm- und Schiefer, sowie Quarz- und Schotterböden der burgenländischen Eisenberg-Region.

Flasche/Etikett: Wie gewohnt das grafisch anspruchsvolle wie abstrakte Etikett auf der Burgunderflasche. Diesmal in leichtem grün und gelbgrün welches spätsommerliches Feeling vermittelt. Nach wie vor geheimnisvoll für uns und immer noch faszinierend ob soviel spannender Abstraktion auf einem kleinen Stück Papier. Der Rest am schwarzen Rückenetikett verrät, dass es ein unfiltrierter Landwein ist.

Im Glas: Die Erfahrung mit Uwe Schiefers Weinen hat uns gezeigt, dass seine Weissweine immer dankbar für ein paar Minuten Luft sind und so kommt auch dieser hier für eine halbe Stunde in die Karaffe. Um dann im Glas in einem bernsteingelblichen Teint zu stehen. Es sieht ein wenig ‘stumpf’ darin aus, was aber nur auf die Nichtfiltration hinweist. Üppig schmiert der Wein an der Wand ab und hinterlässt einen schönen Film darauf.

In der Nase: Das Bukett setzt reife gelbe Früchte frei, es duftet nach saftigen Birnen und Pfirsichen, welche in kompakter mineralischer Würze eingebunden sind. Auch der weisser schiefer ‘m’ hat wieder diese rauchige Note die seine Nase so ausserordentlich interessant und unverwechselbar macht. Sie hat auch etwas ‘bananiges’, wie jene gekrümmten gelben Dinger, die schon dunkle braune Flecken haben und bereit sind Brei zu werden. Seit ich begonnen habe meine Nase in Uwe Schiefers Weissweine zu stecken bin ich süchtig danach.

Im Mund: Kaum hat man den weisser schiefer ‘m’ im Mund spürt man wie kraftvoll dieser Wein ist. Jedoch nicht vom Alkohol, sondern rein vom Druck den er im Mund ausübt. Er ist dicht, kompakt und dabei weich im Mundgefühl. Wie Balsam gleitet er über die Zunge und hüllt sie in einen fleischig-saftigen und leicht rauchigen Mantel. Er füllt muskulös den Mundraum aus und streichelt die Zunge mit einer feinen Säurespur die sich in einer fruchtigen Würze auflöst. Mineralik ist auch das was diesen Tropfen von Uwe Schiefer so unverwechselbar, so anders, so eigenständig macht. Kilometerweit entfernt von dem was man von Welschriesling und Weissburgunder erwartet hätte. Dieser Wein macht Dampf im Mund ohne schwer zu werden, er macht Druck ohne ‘nachzuschlagen’ und er löst sich in einer trockenen Leichtigkeit auf die sofort nach einem weiteren Schluck schreit.

Soviel Saft der ‘m’ im Mund freisetzt und so eindrucksvoll sein Auftritt ist, so angenehm ist er im Umgang. Viel zu angenehm! Uwe Schiefers ‘m’ schmeichelt einem mit weichem Volumen, mit cremiger Feinheit und mit betörendem gelben Duft und es ist schwer sich dem Wein zu entziehen. Das ist kein Wein den man so mal rasch zum Mittagessen trinkt, das ist reiner Meditationswein. Das ist Wein zum Fliegen.

Was mich immer wieder aufs Neue fasziniert ist diese leicht ‘morbide’, im Sinn von morsch und mürbe Duftnote, die Uwe Schiefers Weissweine aus dem Glas entweichen lassen. In Verbindung mit dem Geschmacksbild eine Symbiose die seine Weine in der Tat unverwechselbar macht. Der ‘m’ beweist dies unter anderem mit einem Finale, das würzig-mineralischer nicht sein kann, das überreife Frucht mitnimmt und noch lange nachwirkt. Auch der ‘m’ stellt mich persönlich wieder vor die Frage: “Rieche oder trinke ich ihn lieber?” Man kann diese Nase nur mögen oder hassen. Dazwischen gibt es nichts. Und was man schmeckt ist sowieso ein gänzlich anderes Thema.

Resümee: So saftig und kräftig der weisser schiefer ‘m’ ist, so fein gestrickt wirkt er gleichzeitig. Kraftvoll wie ein ‘Diesel’ bringt er die Power von unten heraus in den Mund und löst sich dort in leichtfüssigem, aber trotzdem druckvollem Finale in angenehmer Trockenheit auf. Uwe Schiefers ‘m’ ist nichts für den schnellen Durst. Das ist Weisswein für Kenner und Könner. 28 Euro ab Hof sind für diesen Tropfen als ‘Qualitätsabgabe’ abzuführen und wer auf Weinpersönlichkeiten steht der weiss, dass diese ihr Geld in der Regel mehr als wert sind. Ich persönlich, der ich von Uwe Schiefers Blaufränkisch-Weinen schwer begeistert bin, gebe offen zu, dass mich seine Weissweine sogar noch viel mehr begeistern und ich diese deshalb auch entsprechend ‘horten’ will. Dafür lohnt es sich, das Haushaltsdefizit ein wenig zu erhöhen.

Tipp: Für 30 Minuten in die Karaffe und dann bei 12-14º ins Glas. Nicht zu kalt servieren. Nehmen Sie sich Zeit für diesen Wein, er zahlt Ihnen jede Minute davon doppelt zurück.

Einen Bericht über den weisser schiefer ‘m’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Weisser Schiefer ‘m’ 2007 von Uwe Schiefer aus Welgersdorf im Südburgenland, Österreich.

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Kategorie: Uwe Schiefer, Verkostet

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