Pinot Noir ‘En Barberon’ 2012

| 18. Dezember 2014 | 0 Kommentare ...alles

Rasante Eleganz im Smoking.

Abgespeckt bis auf den Rahmen. Vier Räder drauf und fertig ist der Flitzer. Rassig, elegant und nur für Feinmotoriker geeignet.

Winzer/Weingut: Stéphane Tissot, Montigny-les-Arsures, Jura, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von Weinbergen auf den Hügeln rund um Arbois, im Herzen des französischen Jura.

En Barberon Flasche/Etikett: In der typischen ‘Tissot-Flasche’, einer abgewandelten Form der Sachsenkeule, ist auch sein En Barberon abgefüllt. Das hohe, leicht gelbliche Etikett zeigt im linken Teil in hellem Grau als fast transparentes Motiv eine alte Weinpresse. EN BARBERON steht in Grossbuchstaben ganz oben, unterstrichen von einem goldenen Balken. Darunter PINOT NOIR. Quer aufgedruckt ist der Jahrgang 2012, welcher ebenfalls durch einen goldenen Balken abgegrenzt wird. Am unteren Rand Bénédicte & Stéphane Tissot und fertig ist das der Flaschenform angepasste Etikett. Am Hals ist auf der Flasche JURA hochgeprägt. Am Rückenetikett ganz gross in der Mitte Côtes du Jura als Blickfang und was sonst noch unbedingt angeführt sein muss. Pinot Noir 2012 ganz oben und fertig ist das Teil. 12 PS deuten auf ein entspanntes Trinkvergnügen hin. Bevor der En Barberon aber zeigen darf was ihn so anders macht und ob er wirklich nicht von dieser Welt ist, kommt er für eine halbe Stunde zur Akklimatisierung in die Karaffe.

Im Glas: Leuchtendes kirschrot steht im Glas. Klar wie ein Bergsee und fast transparent ist der En Barberon.

In der Nase: Leise strömen Aromen von wilden roten Beeren in die Nase, etwas Zimt, etwas trockenes Geäst und auch ein Streifen Leder wird vorbei gezogen. Es riecht erdig, sehr frisch und kühl. Eine zarte Rauchschwade schwebt vorüber, begleitet von orientalisch anmutenden Gewürzen. Man erkennt zwar sehr schön die fruchtigen roten Beeren, doch wird alles sehr dezent zurück gehalten um nur ja nicht laut zu werden. Ein sinnlicher, beruhigend wirkender Duft der einem die Nasenflügel hochströmt.

Im Mund: Spätestens wenn der En Barberon in den Mund kommt weiss man, er ist nicht von dieser Welt. Zumindest ist er definitv anders und unterscheidet sich eklatant von anderen Pinot Noirs. Da ist einerseits ein Gerbstoffgerüst, das feiner und sexier nicht sein könnte. Von würziger roter Frucht umgeben. Und dann ist da eine Säure die auf der Zunge tanzt und dem En Barberon rasanten Puls verleiht. Zuletzt ist noch das ‘Gewicht’, oder besser Nicht-Gewicht mit dem der Tropfen mächtig beeindruckt. Federleicht steht der Wein im Mund, man spürt ihn fast nur am Gaumen weil es scheint, als würde er über der Zunge schweben. Erst wenn man ihn ein wenig kaut wird diese von samtigen Gerbstoffen, einer frischen Säure die ihn schlank und rank und rassig macht sowie von einem wunderbar leichten rotfruchtigwürzigen Saft in Beschlag genommen.

Die Lippen kommen gar nicht nach sich aneinander zu reiben ob dem leicht süsslichen Pelzchen, das der Wein an ihnen hinterlässt. Die Zunge rollt sich vor Freude um die eigene Achse weil dieses Frucht/Säure/Gerbstoffspiel so animierend und betörend ist. So gut wie kein Gewicht im Mund, feiner Rauch, frisches Leder und viel orientalische Gewürze machen diese Kombination so verführerisch. Man schmeckt das Geäst und findet ein paar rote Beeren darunter, man schmekt das Leder und beisst in eine schwarze. Sie sind immer da, die Beeren, und doch sind sie so gut versteckt und zurückhaltend, dass es eine Freude ist nach ihnen zu suchen. Der En Barberon wirkt ungemein elegant dank seiner mehr als schlanken Statur, welche aber alles andere als körperlos, sondern einfach nur gezielt durchtrainiert ist. Dazu kommt eine kühle Frische, den ihn noch einmal edler und erhabener macht.

Immer mehr wird der En Barberon an der Luft zu einem wirklich aussergewöhnlichen Pinot Noir. So fein wie die Gerbstoffe vom Gaumen rieseln, sich auf der Zunge niederlassen und so pulsierend frisch wie die Säure ihr Werk im Mund verrichtet, umso süchtiger wird man nach diesem Stoff. Es ist als tränke man feinen Nebel mit würzig-fruchtigem Geschmack. Am Gaumen haftet der Wein endlos mit einem fruchtig-ledernen Film, auf der Zunge spürt und schmeckt man ihn erst wenn er sie wieder verlassen hat, davor ist er leicht wie eine Feder. Und doch hat der En Barberon soviel Substanz, dass man ihn lange im ganzen Mundraum spürt und ihm auch nachschmeckt. Im Abgang würzig, fruchtig, süss und herb zugleich und nicht enden wollend.

Resümee: Hier steht kein fruchtgetränkter Pinot Noir im Glas, das hier ist fast schon so wie Autocross. Abgespeckt bis auf den Rahmen. Vier Räder drauf und fertig ist der Flitzer. Nur dass dieser hier im Smoking antritt und Eleganz und Feinmotorik in Reinkultur versprüht. 32 Euro kostet die Flasche und jeden einzelnen ist sie doppelt wert.

Tipp: Eine Stunde Luft sei ihm gegönnt. Wächst an ihr. Am besten um die 16º im grossen Glas genossen. Zur rustikalen Küche hervorragend geeignet. Als Solist ein ebenso unwiderstehlicher wie auch trinkanimierender Geselle mit höchstem Unterhaltungswert.

Einen Bericht über den En Barberon lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Pinot Noir ‘En Barberon’ 2012 von Stéphane Tissot aus Montigny-les-Arsures im französischen Jura. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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