Blaufränkisch Szapary 2012

| 29. November 2014 | 0 Kommentare ...alles

Schwereloses Trinkvergnügen.

Blaufränkisch auf die absolute Spitze getrieben. Hat mit konventionellen Marmeladepressungen überhaupt nichts am Hut.

Winzer/Weingut: Uwe Schiefer, Welgersdorf im Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von eisenhaltigen Lehm- und Schiefer, sowie Quarz- und Schotterböden der Lage Szapary im Burgenland.

Szapary 2012 Flasche/Etikett: Auf der dunkelbraunen Burgunderflasche klebt wie gewohnt das typische “Schiefer-Etikett” mit jener Grafik die an einen blutigen Daumenabdruck oder an eine rot verfärbte Zunge erinnert. Im Fall des Szapary ist die Grafik dunkelrot gestaltet. Violette Einschlüsse sorgen für farblichen Kontrast. blaufränkisch “s” steht in feiner Schrift in Kleinbuchstaben im linken unteren Bereich und drunter in rot szapary 2012. Im rechten Eck ganz unten in schwarz wie üblich schiefer, ebenso in Kleinbuchstaben eingedruckt und noch dazu ein wenig hoch geprägt und partiell lackiert. Wenn schon, denn schon. Am rechten äusseren Rand der wieder ganz in schwarz gehalten ist, steht in weiss alles drauf was drauf sein muss. Den Rest findet der neugierige Weinfreund in der Flasche. Da der Szapary noch ein richtig junger Hüpfer ist, kommt er bevor er sich im Glas austoben darf, für eine Stunde in die grosse Karaffe um sich an die frische Luft zu gewöhnen.

Im Glas: Dunkles rubinrot mit einem leicht violetten Schimmer funkelt aus dem Glas heraus.

In der Nase: Relativ erdig zeigt sich der Duft der die Nase hoch zieht. Kühle rote Würze steht im Glas, überraschend wenig Fruchtaromen zeigen sich. Vielmehr riecht man trockenes Laub, viel Waldboden, etwas feuchtes Holz und ein grünes Lorbeerblatt. Es riecht nach Herbst, nach grauem Novembertag. Vor allem aber kühl und frisch. Die Beeren die sich am ehesten zeigen sind schwarze Wacholderbeeren, der Rest ist frische Würze die wunderbar erdig und zugleich sehr fein ist. Vanille steht ganz hinten rum und ist bestenfalls erahnbar.

Im Mund: Alles hätte man erwartet, nur keinen Wein, der mit derart kräftiger und agiler Säure auf die Zunge strömt. Doch das ist nur der Anfang. Ebenso leicht und schlank, fast schon dünn, bahnt sich der Szapary seinen Weg kerzengerade über die Zungenmitte. Man ist geradezu schockiert über soviel ‘Nichts’, das sich so wenig anfühlt und doch so viel ist. Hört sich schräg an? Dann nehmen Sie einmal einen guten Schluck von diesem Tropfen und Sie werden wissen was ich meine. Der Wein lebt von seiner Säure, seiner schlanken Statur und seiner erdigen Würze die alles dominiert im Mund. Erst jetzt tauchen vereinzelt Waldbeeren auf und sorgen für einen Tick von frischer Fruchtigkeit, die aber alles andere als süss schmeckt. Über allem steht eine Säure die sich die Zunge zu ihrem Sklaven macht und nur die Würze als Begleitschutz duldet. Frischer geht es fast nicht mehr.

Je öfter man vom Szapary kostet, umso intensiver wird das ‘Erleben’ dieses Elixiers im Mund. Man braucht eine Weile bis man sich auf dieses filigrane Wesen eingestellt hat. Fast ist man geneigt ihn ganz vorsichtig im Mund zu rollen, weil man befürchtet man könnte ihn ‘verletzen’. Es ist saftig auf der Zunge, man spürt wie die Säure die Zungenspitze hänselt und man schmeckt das Erdige, das den Sazapary so ungemein ‘herbsteln’ lässt. Am Gaumen bildet sich ein feiner Film, ausgesprochen feine Tannine spürt man, man hätte strengere erwartet, doch sind diese äusserst seidig und relativ verhalten. Man spürt die Würze im Mund und wie spröde der Wein im Grunde ist. So gut wie schwerelos fühlt er sich im Mund an. Im Abgang zeigt er sich rotwürzig, zieht einen Korb voll Herbstlaub hinter sich her und endet in einer wunderbar angenehmen Würzigkeit die noch lange nachhallt. Trotz seiner ‘Leichtigkeit’ mit der er durch den Mundraum schwebt ist der Szapary charaktervoll, tiefgründig und hat genug Kraft um auch eine schöne Wärme zu verströmen.

Resümee: Wer bis dato Blaufränkisch ‘herkömmlicher Art’ getrunken hat und nichts anderes kennt, der wird den Schock seines Lebens erleben. Weil das hier Blaufränkisch auf die Spitze getrieben ist und mit konventionellen Marmeladepressungen überhaupt nichts am Hut hat. Der Szapary ist die totale Entschlackung der Rebsorte, praktisch so etwas wie der Antichrist. Er ist genau jener Typ von Blaufränkisch, den man sich gerne jeden Tag zum herbstlich/winterlichen Mittagessen reinziehen würde, wenn da nicht das lästige Ding mit der Bezahlung wäre. Um die 30-35 Euro kostet ein Fläschchen dieses Ausnahmetropfens und wer einmal von ihm gekostet hat, der wird in Zukunft wissen, warum es besser ist sein Geld in Wein zu investieren als es auf dem Sparbuch der totalen Entwertung auszusetzen. Es ist weit angenehmer pleite zu sein und das mit feinstem Wein ertragen zu dürfen, als zu bankrottieren und Wasser trinken zu müssen. In diesem Sinne, und weil der Szapary auch für die Mitte steht: Schöner kann es in der Mitte nicht sein und zumindest eine Kiste davon sollte man als flüssigen Notgroschen im Keller vergraben haben.

Tipp: 1 bis 2 Stunden in der Karaffe taugen ihm. Um die 18º sind fein, geht im Sommer auch leicht mit 16º. Passt zu Wild, Geflügel, Käse und natürlich zu jeder Art von regionaler Herbstküche. Als Alleinunterhalter ein Weinerlebnis allerfeinster Güte.

Einen Bericht über den Szapary 2012 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Blaufränkisch Szapary 2012 von Uwe Schiefer aus Welgersdorf im Südburgenland, Österreich.

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Kategorie: Uwe Schiefer, Verkostet

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