Wintricher Ohligsberg 2014

| 26. Mai 2016 | 0 Kommentare ...alles

Wein zum Bechern

Wer etwas davon übrig lässt, darf am Sonntag in der Kirche zur Beichte antanzen. Soviel Sünde verlangt nach Buße.

Winzer/Weingut: Günther Steinmetz, Brauneberg/Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der Lage Ohligsberg die stark mit Quarzit und Eisen, sowie mit blauem Schieferboden durchzogen ist.

Wintricher Ohligsberg 2014 Riesling Allgemeines: Herrenberg, Brauneberg, Sonnenberg, Paulinsberg, Hofberg und heute, zu guter Letzt, der Ohligsberg. Das ist der Berg neben Geierslay. Aber Geierslay ist kein Berg. Logisch, oder? Jedenfalls muss man bei den Weinen von Stefan Steinmetz aus Brauneberg an der Mosel ein halber Bergsteiger sein um alle Gipfel zu erklimmen. Was so abwegig wiederum nicht ist, benötigt man bei einigen seiner Steillagen durchaus Steigeisen um unfallfrei hinauf und auch wieder runter zu kommen. Heute steht also sein Riesling vom Wintricher Ohligsberg am Tisch der Wahrheit. Eine Lage, die stark mit Quarzit und Eisen, sowie mit blauem Schieferboden durchzogen ist. Die Trauben vom Filetstück des Südhanges, einer der besten Mosellagen. Ausgebaut wie gewohnt im Stahltank, sollte der Wintricher Ohligsberg 2014 mit seinen schlanken 11,5 PS wieder für ein leichtfüssiges Verkostungserlebnis sorgen. Für eine halbe Stunde wird auch dieser Tropfen in die Karaffe gefüllt. Weil ich bei allen anderen bereits festgestellt habe, dass jedem einzelnen ein paar Minuten Luftzufuhr äusserst gut tun.

Im Glas: In hellem strohgelb steht der Wintricher Ohligsberg im Glas. Leichte grüne Reflexe zeigen sich.

In der Nase: Überraschend leise ist der Duft im Gegensatz zu den anderen bisher verkosteten Rieslingen. Dafür umso mineralischer. Man riecht nicht unbedingt die typischen Rieslingaromen, vielmehr strömt eine Wolke von Quitten, Waldbeeren und jeder Menge Schiefer die Nasenflügel hoch. Unaufgeregt, nicht intensiv, sehr dezent und elegant. Ausgesprochen frisch fühlt es sich an und auch aus Omas Kräutergarten mischt sich etwas unter die Aromen. Ein vornehmer Duft, allemal.

Im Mund: So mineralisch wie der Wintricher Ohligsberg die Nase hochgezogen hat, so mineralisch strömt er auf die Zunge. Im Gepäck eine wunderar straffe Säureader die so richtig Remmidemmi macht. Alles aus einem Körper tropfend, welcher durchaus als opulent bezeichnet werden kann, dank genannter Protagonisten aber relativ fein ist. Auch im Mund wenig von typischen Rieslingaromen, viel Minze, etwas Salbei, mehr Beerenfrucht als Steinobst und eine traumhaft rauchige, aber sehr elegante Schieferwolke. Hier schmeckt und atmet man den Unterschied von rotem und blauem Schiefer. Blau ist definitiv um mindestens ein paar Grad kühler in der Empfindung. Am Gaumen zitrusfrisch, schieferig und fein. Der Abgang säurebetont fruchtig-steinig.

Wie erwartet geht auch der Wintricher Ohligsberg an der Luft erst so richtig auf. Nach einer Stunde ist er leicht stoffig auf der Zunge, ungemein steinig und frisch. Salbei und Minze stechen hervor, die Begleitung von etwas Schlehe und Quitte wirkt fast exotisch. An den Zungenrändern macht sich lebendige Säure zu schaffen, sorgt für ein Lächeln und am Gaumen raucht der blaue Schiefer vor sich hin. Für mich schon jetzt der feinste und eleganteste Riesling von Stefan Steinmetz. Was natürlich nur subjektiv sein kann. Es ist diese feine Ader die den Wintricher Ohligsberg durchzieht, diese frische und kühle Mineralik, die feuchte Steinigkeit und die so ungewöhnlichen Fruchtaromen. Was irgendwie ein wenig opulent war zu Beginn, ist jetzt einer zärtlichen Cremigkeit gewichen welche bestenfalls als leicht abgerundet bezeichnet werden kann. Traumhaft, das ist meiner. Der Ohligsberg.

Es ist dieses harmonische Zusammenspiel von blauem Schiefer, dezentem Rauch und dieser ganz leicht herben Frucht die den Wintricher Ohligsberg im Mund auszeichnet. Wie der mit Luft zulegt ist fast schon erschreckend. Genau so viel Frucht wie es benötigt, dann aber pure steinige Mineraliät die sich breit macht. Was ist das für ein geiles Zeug! Gelbe Kirschen sind dazu gekommen, bissfest und knackig. Die Schlehe tanzt Samba und der blaue Schiefer macht auf Sir und beobachtet alles aus der Distanz. Der Gaumen ist benebelt, will immer mehr von diesem feinen Rauch, die Zunge möchte sich im Saft ertränken. Und ich will diese Flasche leeren, weil etwas davon übrig lassen eine Sünde wäre.

Resümee: Das ist Wein zum Bechern, zum in sich Reinschütten, zum Saufen. Ich habe die Rieslinge von Stefan Steinmetz durch, und der Wintricher Ohligsberg 2014 ist mein erklärter Lieblings-Liebling. Was für ein Stoff, was für ein Wein. Humorlos ernste Kaufempfehlung! Was geht. Wenn der aus ist kommt das einer Katastrophe gleich.

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe ist empfehlenswert. Mit um die 10º geniessen. Zu Wiener Schnitzel, Saibling, asiatischer Küche oder steirischem Backhendl. Oder als Spasswein ohne alles. Das ist reinstes Weinvergnügen.

Einen Bericht über den Wintricher Ohligsberg lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Riesling Wintricher Ohligsberg 2014 vom Weingut Günther Steinmetz aus Brauneberg an der Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

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Kategorie: Günther Steinmetz, Verkostet

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