Wintricher Geyerslay 2014 Sur Lie

| 24. Februar 2016 | 0 Kommentare ...alles

Kuscheliger Faserschmeichler

Ein Kuscheltiger der keine Krallen, dafür aber sehr viel Sanftmütigkeit zeigt. Einer für den Ohrensessel, von dem man sich sehr gerne einlullen lässt.

Winzer/Weingut: Günther Steinmetz, Brauneberg/Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der Lage Wintricher Geyerslay, die stark mit Quarzit und Eisen und purpurfarbenen Schiefer durchsetzt ist.

Wintricher Geyerslay 2014 Riesling Sur Lie Allgemeines: Zugegeben, wenn man ein Glas zuviel hat kann leicht ein “Schurli” daraus werden; die österreichische Koseform von Georg. Das hier hat aber weder mit Georg noch mit Österreich zu tun. Hie geht es um “sur lie”, was soviel heisst wie, dass der Wein entweder auf der Vollhefe oder auf der Feinhefe gelagert wurde. Die komplette Erklärung findet der interessierte Weinfreund hier. Der Wintricher Geyerslay 2014 von Stefan Steinmetz ist so einer, so ein sur lie. Ein Hefetiger quasi. Und wie der Name schon sagt, kommt dieser Riesling von der Lage Wintricher Geyerslay. Sie gehörte einmal zu den teuersten Mosellagen überhaupt. Der Boden dieser Steillage ist stark mit Quarzit und Eisen durchsetzt und der Schiefer der dort eingelagert ist ist purpurfarben. Ausgebaut wurde der Wintricher Geyerslay komplett im Stahltank. Was mich persönlich aber jetzt am meisten interessiert ist, wie purpurfarbener Schiefer schmeckt. Ich bin ja ausgewiesener Schieferfan und liebe alle Farben. Purpur aber kenne ich noch nicht. Die halbe Stunde in der Karaffe überstehe ich jetzt auch noch bevor der Tropfen ins Glas kommt.

Im Glas: Ein sattes, von feinem Grün gestreiftes Gelb steht im Glas.

In der Nase: Der Duft ist eher verhalten, wenngleich man auch beim Wintricher Geyerslay sofort die ausgeprägte Schieferwürze wahrnimmt. Sie ist aber weicher, leiser, viel feiner und gar nichtmal so rauchig. Aromen von rosa Grapefruit strömen in die Nase, eine Honigmelone stapft durch die Gegend und verleiht dem Wein eine exotisch-fruchtige Note. Fein gehackte grüne Kräuter, nur ganz wenig davon und eine gewisse Steinigkeit sorgen für einen frischen Kick. Ein sehr vornehmer, sehr verhaltener Duft der aus dem Glas steigt.

Im Mund: Ausgesprochen weich legt sich der Wein auf die Zunge. Dabei ist er dicht und man spürt und schmeckt sehr feine Hefetöne. Darüber steht eine angenehm fruchtreduzierte Zitrusnote die äusserst verhalten ihr Werk verrichtet. Grüne Kräuter unterfüttern sie und am Ende bleibt fast nur Stein im Mund übrig. Soviel klare Mineraliät in so einem weichen, fast schon cremigen Körper, das macht Spass. Dazu noch eine wunderbar moderate Säure die sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern nur ganz dezent für Puls sorgt. Man spürt jede Sekunde die Hefelagerung die den Wintricher Geyerslay so dicht, so weich und auch so kuschelig macht. Ein Faserschmeichler (mit Fewa Wolle gewaschen?) ist der Wein und wäre da nicht diese Honigmelone, man müsste lange suchen um Früchte zu finden. Grosser Trinkspass. Sehr verführerisch.

Erst langsam entwickelt der Wintricher Geyerslay eine feine Stoffigkeit auf der Zunge. Luft tut ihm eindeutig gut. Interessant ist die Schieferwürze, die sich zwar nicht überbordend zeigt, aber doch sehr markant auftritt. Sie ist fein, weich und nicht so rauchig wie man es von jenen Weinen kennt die nicht auf der Hefe dahin gedümpelt sind. Alles fühlt sich verwobener, dichter, weicher und wärmer an. Ein schönes Gefühl im Mund. Die minimale Kräutrigkeit passt irgendwie perfekt dazu, verleiht dem Wein eine frische Note und sorgt dafür, dass die Honigmelone nicht allzu sehr in den Vordergrund tritt. Am Gaumen zeigt sich der Geyerslay sehr steinig, ganz dezent salzig und einen Tick exotisch. Im Abgang frisch, straff und leicht zitronig. Der Schiefer erst ganz hinten dann im Nachhall raus. Und ganz am Ende schmeckt man etwas Hefe die sich über rosa Grapefruit legt. Ein sehr verhaltener, sehr feiner und leiser Wein. Ein Wein zum Süffeln.

Resümee: Hefe, Schiefer und Grip; diese drei Faktoren machen den Wintricher Geyerslay zu einem wunderbar griffigen Tropfen. Da ist Dichte drin, da ist Struktur vorhanden und da ist die Mineralik die das Zepter schwingt. Man spürt und schmeckt einen Rest von Süsse, doch ist diese derart dezent und elegant weil sie im Schieferdunst aufgeht und niemals nach vorne drängt. Zudem steht eine feine Kräuterwürze an ihrer Seite und letztlich schmeckt man einen Tick von Salz auf der Zunge und am Gaumen. Ich weiss jetzt also auch wie purpurfarbener Schiefer schmeckt, der in diesem Fall jedoch von Hefe umweht ist. Beide zusammen ergeben einen Wein der das Prädikat “charmant” mehr als verdient. Er ist auf seine Weise ein Kuscheltiger, einer der keine Krallen, dafür aber sehr viel Sanftmütigkeit zeigt. Einer für den Ohrensessel, einer von dem man sich sehr gerne einlullen lässt.

Tipp: Etwas Luft lässt ihn aufgehen. Mit um die 10º geniessen. Zur Wiener Küche, zum gebratenen Fisch, aber auch zu leichter aisatischer Küche. Oder so, ohne alles. Macht grossen Spass.

Einen Bericht über den Wintricher Geyerslay lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Wintricher Geyerslay 2014 Riesling Sur Lie vom Weingut Günther Steinmetz aus Brauneberg an der Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

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Kategorie: Günther Steinmetz, Verkostet

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