Weisser Schiefer 2010

| 5. Februar 2012 | 0 Kommentare ...alles

Ein Wein so fein wie ein Labello.

Lippenschmierer werden Labello abschwören und ab sofort nur mehr mit Uwe Schiefers weissem ‘Landwein’ ihre Lippen verwöhnen. Das ist nicht nur gesünder, es schmeckt auch besser .

Winzer/Weingut: Uwe Schiefer, Welgersdorf im Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von eisenhaltigen Lehm- und Schiefer, sowie Quarz- und Schotterböden der burgenländischen Eisenberg-Region.

Flasche/Etikett: Die Burgunderflasche ziert dem Corporate Design folgend ein sehr auffälliges, impactstarkes Etikett mit einer rot/grünlichen Grafik hinter deren Bedeutung ich noch nicht gekommen bin. Ich werde jedenfalls versuchen noch herauszufinden was es damit auf sich hat. Auf alle Fälle löst die abstrakte Erscheinung bei mir Gedanken an Dynamik, Erdverbundenheit und Bewegung aus. Darauf der Name schiefer und die Weinbezeichung. Mehr muss nicht sein und der Rest steht, nicht wie üblich im Prospekt, sondern auf dem Rückenetikett.

Im Glas: Im Glas zeigt sich der ‘weisse schiefer‘ in einem sehr hellen, leicht blassen strohgelb. Klar und transparent lässt einen der Wein durch ihn hindurch blicken.

In der Nase: Das Bukett ist angenehm verhalten und erfordert Aufmerksamkeit in der Nase. Es riecht weder typisch nach Welschriesling, noch nach Weissburgunder und schon gar nicht nach Grüner Veltliner. Es riecht nicht nach dem was man gewohnt ist oder was man vielleicht erwartet hätte. Aus dem Glas strömen Aromen von Birnen und ein dumpfer, aber warmer Duft von Gewürzen. Exotisch kombiniert mit Bananenaromen und einer weichen mineralischen Note. Intensiv und opulent einerseits, jedoch in keinster Weise aufdringlich und die Nase überfordernd.

Im Mund: Im Mund macht sich sofort eine reife, fruchtig-mineralische Note breit. Der Wein schmiegt sich fast wie Balsam an den Lippen an und hinterlässt ein cremiges Gefühl darauf. Es schmeckt eindeutig ‘gelb’ und der leicht ölige Auftritt im Mund löst sich in einer Trockenheit auf die Eindruck hinterlässt. In dieser Cuvée regiert nicht primär das fruchtige Erscheinungs- und Geschmacksbild, vielmehr werden die Geschmacksknospen mit viel Gewürz umweht. Es hat etwas kräutriges das sich am hinteren Gaumen festsetzt und man freut sich über eine vornehme und zurückhaltend eingebundene Säure. Sie verleiht dem Wein Dynamik, tritt aber nie in den Vordergrund und stimmt auch säureempfindliche Mägen versöhnlich. Der ‘weisse schiefer‘ mag vielleicht nur einfacher Einstiegswein in die Welt der Weissweine von Uwe Schiefer sein, hinterlässt aber faszinierende ‘Geschmacksspuren’ und vor allem grosse Erwartungen an seine weissen ‘Flaggschiffe’. Jedenfalls ist dieser Tropfen ein saftiger, fruchtiger und würzig-mineralischer Geselle welcher mächtig Eindruck hinterlässt.

Die Cremigkeit im Mund fühlt sich sehr angenehm und weich an und man ist geneigt sich immer wieder den letzten Rest des Ölfilms von den Lippen zu lecken. Den Labello können Lippenschmierer hier getrost vergessen. Ausserdem schmeckt dieser Balsam um Klassen besser und trinkbar ist er noch dazu.

Wer wissen will wie gelb schmeckt, der denke an hochreife saftige Äpfel und Birnen und stelle sich vor wie das Fruchtfleisch weich den Mund ausfüllt. Nichts Saures mehr am Gaumen sondern einfach volle Frucht, die sich dick macht und mit Aroma nur so um sich wirft. Bei all der Opulenz wird aber der ‘weisse schiefer‘ nie fett, niemals wirklich schwer. All seine ‘Talente’ präsentieren sich in einer feinen Struktur, welche den Wein leichtfüssig macht, ihn am Beginn cremig erscheinen lässt, und sich am Ende trocken verflüchtigt. All das wird von einer Kräuterwürze begleitet die einen feinen, leicht herben, fruchtig-mineralischen, aber vor allem intensiven und langen Nachhall hinterlässt.

Resümee: Weissweintrinker die laute, harte und vor allen intensive und kalte Fruchtaromen lieben sollten die Finger von diesem Tropfen lassen. Wer jedoch Weissweine mit Charakter und Profil bevorzugt, Finesse und Einzigartigkeit sucht und wer ehrlichen Anspruch stellt an das was er im Glas hat, der sollte sich einmal mit dieser Cuvée auseinandersetzen. Mit 12% zeigt sich der ‘weisse schiefer‘ angenehm im Alkohol, die Böden denen er entstammt erklären seine Mineralität und die knappen 9 Euro machen ihn zu einem Wein der öfter mal am Tisch stehen kann. Auf jeden Fall aber ist der ‘weisse schiefer‘ kein Wein von der Stange, sondern für Leute die gerne etwas charaktervolles im Glas haben wollen und das auch zu schätzen wissen.

Tipp: Servieren Sie den Wein keinesfalls zu kalt zu Kalbfleisch, Salaten oder Fisch. Für ein Gläschen einfach solo eignet sich der ‘weisse schiefer‘ ebenso vorzüglich.

Einen ausführlichen Bericht über den Weisser Schiefer lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde die Cuvée Weisser Schiefer 2010 von Uwe Schiefer aus Welgersdorf im Südburgenland, Österreich.

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Kategorie: Uwe Schiefer, Verkostet

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