Weisser Burgunder 2013 Herrenhof Lamprecht

| 1. August 2014 | 0 Kommentare ...alles

Fruchtikus im Kalkmantel.

Ein einfacher wie köstlicher Wein, von dem man sich eine Kiste oder zwei für alle Fälle und für jeden Tag als Vorrat anlegen sollte.

Winzer/Weingut: Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf, Steiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Lage Buchertberg, die von kalkhaltigen und sandigen Böden, die mit Kies und kalkhaltigem Sandstein durchzogen ist.

Weisser Burgunder 2013 Flasche/Etikett: Auch auf dieser Flasche klebt wieder ein schlichtes, in schwarz und weiss gestaltetes Etikett. Wie gewohnt HERRENHOF LAMPRECHT in Grossbuchstaben zweizeilig den meisten Platz einnehmend. Darunter WEISSER BURGUNDER und der Jahrgang mit den obligaten zwei // (Slashes) vorangestellt. Die Grafik zeigt einzelne Kreise die aus schwarzen Punkten, manche grösser, manche kleiner, besteht. Gottfried Lamprechts Etikettendesign gehört für mich zu den mitunter interessantesten und eindrucksvollsten die Österreich aktuell zu bieten hat. Reduzierte Grafik, einfach und doch unglaublich impactstark. Auch in diese Grafik ist, diesmal ganz gefinkelt, ein kurzer Leitspruch im Halbkreis der sich rechts unten am Etikett befindet eingedruckt, und zwar pinot blanc for president! Gottfried Lamprechts Statement zur politischen Lage im Land? Wer weiss. Der Rest an Informationen findet sich wie üblich am rechten äsusseren Rand der Weinbeklebung. Wie gewohnt mit QR-Code und den üblichen zahlreichen Logos und Siegel. Für eine Stunde kommt der Weisse Burgunder in die Karaffe weil ich glaube, dass das dem Wein ganz gut tut und er sich dann sofort von seiner schönsten Seite zeigt.

Im Glas: In hellem strohgelb steht der Weisse Burgunder im Glas. Im Kern fast weiss.

In der Nase: Die Nasenflügel strömen frische Steinobstnoten hoch. Äpfel, Pfirsich und ein Schuss Marille. Ein leichter Honigton ist dabei und auch etwas Heu. Noch ahnt man mehr als man tatsächlich riecht und wie es aussieht, wird das wieder eine längere Verkostung werden. Kraftvolles Schwenken und ein paar schnellere Umdrehung lassen dann aber doch noch frischen Wiesenduft dem Glas entweichen und ziehen ebenso frisch und saftig die Nase hoch. Im Hintergrund tanzt der Honigbär und lässt alles weich und rund im Riechorgan erscheinen. Eine zarte Briochenote rundet das Dufterlebnis ab.

Im Mund: Wie Balsam fliesst der Weisse Burgunder über die Lippen auf die Zunge, um sich dort saftig und weich auszubreiten. Es schmeckt weiss, nach Apfel, nach Pfirsich. Und es fühlt sich rund an. Es ist füllig, aber nicht breit oder schwer. Der Wein hat Körper und Statur und zeigt sich am Gaumen mit einer schönen Herbheit, die sich aus der saftigen Textur langsam rausquetscht. Auf der Zunge hat man fast das Gefühl von einem Schuss ‘Süsse’, welche aber einzig dem saftigen Extrakt des Apfels geschuldet ist. Relativ schüchtern agiert eine extrem verhaltene Säure und lässt den Wein richtig rund und mild im Mund erscheinen. Über den Gaumen zieht der Tropfen weiss und kalkig ab und der feine herbe Hauch im Nachhall macht ihn richtig charmant.

Nach und nach macht der Weisse Burgunder auf, wird saftiger und gibt noch mehr von seinem deliziösen Extrakt frei. Auch wird er fruchtiger, mehr Apfel und auch mehr Pfirsich kommt zum Vorschein und gleichzeitig kommt eine schöne weisse Mineralik hinzu. Dabei bleibt er wunderbar weich und rund auf der Zunge, rollt richtig und macht Lust auf den nächsten Schluck. Rauchig weisser Honig taucht auf, frisches Heu mischt sich unter die Aromen und am Gaumen zeigt sich feiner weisser Kalk und Staub, der den dichten Saft harmonisch begleitet. Vom Mundgefühl her ist der Wein definitiv schlanker geworden, ist feiner, leichter und frischer. Die anfängliche etwas opulent empfundene Fülle hat abgespeckt und sorgt jetzt für noch mehr Trinkspass. Letztlich ist der Weisse Burgunder nach drei Stunden zu einem richtig fruchtigen Tropfen aufgewacht.

Am Nachmittag zeigt sich der Weisse Burgunder wunderbar kalkig und was die Frucht angeht, hat sich diese unter dem ganzen steinigen Geröll verschanzt. Sehr fein und leicht ist der Wein geworden, man schmeckt die Apfel- und Pfirsicharomen die den Schotter ummanteln und wie alles davon saftig abtropft. Weich fliesst er über die Zungenränder, füllig, süffig, rund und schmackhaft. Am Gaumen feiner weisser Nebel, schöne Mineralik und ein Gedanke von herb. Im Abgang ungemein weissfruchtig, etwas Honig und Heublume und im Nachhall mittellang mit ausgeprägter Fruchtaromatik.

Resümee: Insgesamt mag der Weisse Burgunder ‘nur’ der Basiswein von Gottfried Lamprecht sein, doch wenn das die Basis ist, dann sollte man sich davon eine Kiste oder zwei für alle Fälle und für jeden Tag zur Seite legen. Denn er trinkt sich leicht und fröhlich, ist unkompliziert, macht kein Gedöns und trinkt sich einfach einfach weg.

Tipp: 1-2 Stunde Luft sind perfekt. 10-12º Trinktemperatur ideal. Ein Universalist der vielfältige Küchenkreationen sicher begleitet. Solo ein Spasstropfen für jeden Anlass.

Einen Bericht über den Weissen Burgunder lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Weisser Burgunder 2013 vom Herrenhof Lamprecht aus Markt Hartmannsdorf in der Steiermark, Österreich.

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Kategorie: Herrenhof Lamprecht, Verkostet

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