Weissburgunder Klausen 2012

| 2. März 2014 | 0 Kommentare ...alles

Ein echter Sir.

Weissburgunder mit jener Dosis Mineralik, die ihn zu einem eindrucksvollen ‘Bodenturner’ macht.

Winzer/Weingut: Weingut Neumeister, Straden/Südoststeiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Sediments- und Sandsteinbödender der Lage Klausen, einem Höhenrücken auf 340m Seehöhe mit bis zu 65% Gefälle.

Weissburgunder Klausen 2012 Flasche/Etikett: Auf der Flasche klebt das mittlerweile bestens bekannte, turmhohe vanillegelbe Etikett, das mich mit seiner so klassischen Typo immer wieder an etwas Apotherkerhaftes erinnert. Neumeister in Grossbuchstaben oben über die ganze Breite und darunter Weissburgunder in Kapitalen. Klausen, die Lage, ist in fettem schwarz aufgebracht und in rot, wie gehabt, der Jahrgang drunter. Herkunft und was sonst noch gesagt werden muss steht wie üblich sehr plakativ in der unteren Hälfte der Beklebung und je öfter man das Etikett zu sehen bekommt, umso einprägsamer wird dieses klare, von jeglichem Schnörkel befreite Corporate Design.

Ein Rückenetikett gibt es auch auf dieser Flasche keines. Wozu auch? Man weiss was drin ist, woher es stammt und wer mehr erfahren will, der findet alles Wissenswerte auf der informativen Webseite des Weinguts. Dem geliebten Ritual des Karaffierens folgend wird der Weissburgunder Klausen umgefüllt und ohne weitere Wartezeit angetrunken.

Im Glas: Helles weissliches Gelb steht da im Glas. Sehr hell. Leichte grünliche Reflexe blitzen auf.

In der Nase: Zitrustöne riecht man, Steinobst dreht seine Runden. Frisch duftet es, sogar leichte Kräuternoten vernimmt die Nase. Insgesamt riecht es mineralisch, nicht hart, eher weich. Trotzdem sehr frisch und animierend was die Nasenflügel hochströmt. Es ist ein duftiges, etwas pikant-würzig-fruchtiges das einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Weisse Blütenaromen treten zaghaft hervor und geben dem Weissburgunder Klausen neben seiner mineralischen auch eine feine florale Note mit auf den Weg.

Im Mund: Ich liebe Weissburgunder. Vor allem wenn sie so wie der Klausen auf die Zunge kommen. Dort steht der Tropfen mit einer feinen Nussnote und mit einer ebensolchen feinen Säure und breitet sich langsam auf ihr aus. Es ist weich im Mund, man schmeckt den staubigen Boden und spürt eine leichte Hefenote auf der Zunge und am Gaumen. Der Wein hat einen runden Körper, ist von mollig aber weit entfernt. Man könnte sagen er hat angedeutete Rundungen und ist alles andere als ein Hungerhaken. Es ist ein mildes Geschmackserlebnis, nichts ist laut, kantig, hart oder sonstwie verhaltensauffällig. Alles ist harmonisch, weich und saftig auf der Zunge. Auch die Fruchtaromen die an Birnen und Quitten erinnern sind leise und verhalten. Sogar die Säure wirkt fast schüchtern obwohl sie doch recht präsent auf der Zunge steht und dem Klausen Leben einhaucht.

Wunderbar trocken steht der Klausen im Mund, man spürt die feinen sandigen wie kalkigen Nebelschwaden am Gaumen, wie sich die noch feineren Nuss- und Hefearomen warm und weich im Mundraum ausbreiten. Und mittendrin treibt eine ebenso wunderbar integrierte Säure ihr keckes Spiel. Macht den Tropfen lebendig, haucht ihm Frische ein und regt sogar ein wenig den Speichelfluss auf der Zunge an. Hat sich alles ein wenig ‘verzogen’ schmeckt man plötzlich auch eine leise kräutrige Note. Nicht laut, vielmehr das ganze mineralische Mundgefühl elegant unterstützend. Es schmeckt weiss mit einem zarten grünen Touch. Der Weissburgunder Klausen ist weit entfernt von laut und doch ist er unüberhörbar. Er strahlt Ruhe aus im Mund, fühlt sich weich und mild an auf der Zunge, pinselt den Gaumen ebenso weich und mild ein und sorgt für einen weissblütigen, von Kalk unterlegten Abgang und Nachgeschmack.

Resümee: Sogar die Würze die der Klausen mitbringt wirkt elegant und drängt sich niemals in den Vordergrund. Ein ultrafeiner Hauch von hellem Tabak steht neben der dominanten Mineralik am Gaumen und rundet das Gesamtmundgefühl charaktervoll ab. Der Weissburgunder Klausen macht Spass im Mund, ist ein echter Sir und zeichnet sich durch seine kühle Eleganz aus. Er hat Biss, beisst aber nicht, er hat Rundungen, ist aber trotzdem ‘idealgewichtig’ und er hat jene Dosis von Mineralik die ihn zu einem eindrucksvollen ‘Bodenturner’ macht. Die 16 Euro die der Weissburgunder kostet sind fast Sozialatrif und wer gerne richtig guten davon möchte, dem ist der Klausen mit gutem Gewissen ans Weinherz zu legen.

Tipp: Aufmachen, eingiessen und bei 8-10º geniessen. Idealer Begleiter von Gebackenem und Gebratenem, Salzwasserfisch, frischer Gemüse- und auch asiatischer Küche. Als Solist ein eleganter Partner mit Stil und Niveau.

Einen Bericht über den Weissburgunder Klausen lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Weissburgunder Klausen 2012 vom Weingut Neumeister aus Straden in der Südoststeiermark, Österreich.

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Kategorie: Neumeister, Verkostet

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