Weissburgunder 2013 Grosse Reserve

| 23. September 2015 | 0 Kommentare ...alles

Wie aus dem Wilden Westen

Rauchig, erdig, herb und dabei doch so typisch burgundisch, wie man es von einem Weissburgunder auch erwarten kann.

Winzer/Weingut: Josef Bründlmayer, Grunddorf im Kremstal, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Lage Gebling auf ca. 280 Meter Seehöhe, die mit Lössboden durchzogen und relativ grobkiesig ist.

Weissburgunder Grosse Reserve Flasche/Etikett: Wie gewohnt klebt das grosse Etikett weiss wie die Unschuld auf der Schlegelflasche. Bedruckt wie üblich ebenso ganz spärlich. Im oberen Drittel in einer silbernen geschwungenen Schrift mit schwarzer Outline Josef Bründlmayer, darunter schlicht und einfach Grafenegg. Dann viel gar nichts dazwischen und erst im unteren Drittel der Rest. Weissburgunder Grosse Reserve. Fertig. Ganz viel weiss für ganz viel wenig Text. Schön, strahlend, elegant. Den Rest erfährt man wieder am Rückenetikett. Oben noch einmal die volle Bezeichnung (inklusive Jahrgang 2013) und was sonst noch üblich und gesetzlich vorgeschrieben ist. Extra angeführt ist noch das Logo der Junge Wilde Winzer, denen Philipp Bründlmayer angehört. 13,5 sorgen für Beschleunigung. Und weil ich diese jetzt erleben will schraube ich ganz einfach den Stelvin-Drehverschluss auf und schenke mir den ersten Schluck zum Testen ein.

Im Glas: Kräftiges gelbgrün dreht im grossen Becher seine Runden.

In der Nase: Relativ ungewohnt ist der Duft in der Nase. Zwar typisch als Burgunder erkennbar, fühlt es sich doch eher grün an, zeigt Aromen von Butterblumen und Sommerwiese auf welcher das Streuobst vor sich hin reift. Weisse Blüten, Akazienhonig, kräftig, leicht kräutrig. Getrocknete Zitrone im Hintergrund und reichlich grüne Nuss. Sie ist es, die ohne jeden Zweifel das Kommando übernommen hat. Erst mit Luft wird alles leiser und auch runder in der Nase.

Im Mund: Auf die Zunge kommt der Weissburgunder Grosse Reserve völlig anders als er in der Nase aufgetreten ist. Cremig in der Konsistenz, weich, mild und vor allem richtig herb. Erdig trifft es besser, weil man den weichen Löss förmlich schmecken kann. Gelbe Birnenaromen stehen mittig auf der Zunge, fühlen sich rund an und fliessen ebenso rund und weich über ihren Rand ab. Zurück bleibt ein richtig herber Film auf ihr. Kaum hat der Wein aber 20 Minuten Luft bekommen und etwas an Temperatur zugelegt, zeigt er sich total anders. Reif auf der Zunge, saftig, durchaus erdig, aber doch mit opulenter Frucht im Mund die für ein cremiges Gefühl sorgt. Am Gaumen nussig, ebenso im Abgang. Der Nachhall herb, etwas staubig und sehr lang.

Eindeutig, der Weissburgunder Grosse Reserve braucht Zeit und Luft. Dann steht er füllig im Mund, ist dabei aber relativ fein weil durch seine herbe Note das Gefühl der Opulenz überlagert wird. Man schmeckt den reifen Saft von Steinobst, man schmeckt die grüne Nuss und auch vereinzelt weisse Blüten. Die Säure ist sehr moderat, hält sich weitgehend zurück und unterstützt dadurch den weichen wie auch milden Auftritt. An der Seite brechen immer wieder feine Zitrustöne durch, begleitet von weisser Herbheit. Am Ende “juckt” es vorne auf der Zungenspitze kurz und man spürt wie sich der Saft dort konzentriert. Der Gaumen ist damit beschäftigt den “Staub zu saugen” der direkt von der Zunge auf ihn überwandert. Während auf der Spitze noch der Saft nachwirkt, entfaltet sich am Gaumen schon der weisse Blütenstaub und auch die Erde, sorgen so für eine deftige Trockenheit, aus der zum Schluss dann doch noch ein paar Tropfen Birne austreten.

Immer stärker zeigt sich eine saftige, langsam auch frisch werdende Opulenz im Mund. Es wird einerseits fülliger, dabei auch erheblich “knuspriger”. Es knistert richtig auf der Zunge und am Gaumen. Die grüne Nuss hat sich endgültig den Platz an der Sonne geholt und führt das Regiment von Staub und Erde mit ihrer unverkennbaren Aromatik an. Am hinteren Gaumen dreht sie mächtig auf, schleift grün darüber und staubt eine Wolke lehmiger Erde auf. Erst dann tritt aus selbiger der Duft und der Geschmack der reifen Birne hervor, zeigt sich kurz, um sich wieder im grünen nussigen Finale aufzulösen.

Resümee: Insgesamt ein sehr rauchiger Wein, sehr erdig und herb. Und dabei doch so typisch burgundisch wie man es von einem Weissburgunder auch erwartet hätte. Kein verspielter Typ, eher einer aus dem Wilden Westen.

Tipp: Eine Stunde Luft tut ihm gut. Mit 10-12º geniessen. Wiener Küche, Fisch und Huhn sind seine Favoriten. Zur Alleinunterhaltung ein Begleiter der mit runder Fülle für Unterhaltung sorgt.

Einen Bericht über den Weissburgunder GR lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Weissburgunder Grosse Reserve 2013 vom Weingut Josef Bründlmayer aus Grunddorf im Kremstal, Österreich.

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Kategorie: Josef Bründlmayer, Verkostet

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